Mittelstandsbarometer August 2012: Österreichs KMU weiter auf Wachstumskurs

24. August 2012 Drucken
Konkunktur Österreich 2012, Mittelstandskonjunktur 2012, Newsroom

KMU kennt keine Krise: Jeder vierte heimische Mittelständler will in den kommenden Monaten einen Mitarbeiter aufnehmen. © Bernd Sterzl / pixelio.de

Die Geschäftserwartungen der heimischen Mittelstandsunternehmen sind ungebrochen optimistisch. Die Unternehmen wollen sogar mehr Mitarbeiter einstellen und Investitionen erhöhen. Die befindlichkeit der KMU ist aber nicht ungetrübt. Die Unternehmer erwarten eine Zuspitzung der Schuldenkrise in Europa: Jeder Dritte beklagt bereits Umsatzausfälle. Das sind die zentralen Ergebnisse des „Mittelstands-barometers 2012“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Die Studie wird halbjährlich durchgeführt. Ihr liegt eine Umfrage unter 900 mittelständischen Unternehmen in Österreich zugrunde, die im Juli und August 2012 durchgeführt wurde.

Krise lässt KMU unbeeindruckt

Der österreichische Mittelstand zeigt sich in einem schwierigen Marktumfeld weiterhin gut aufgestellt: 92 Prozent der Mittelständler – genauso viele wie zu Jahresbeginn – berichten von einer positiven Geschäftslage. Jedes zweite Unternehmen ist sogar uneingeschränkt zufrieden – das sind zwar weniger als noch im Jänner (58 Prozent), aber mehr als im Juli vergangenen Jahres (42 Prozent). Die Geschäftserwartungen der Unternehmen bleiben trotz leichter Eintrübung branchenübergreifend positiv, die Konjunkturaussichten haben sich gegenüber Jahresbeginn wieder verbessert. Jeder vierte Mittelständler plant zudem, in den kommenden Monaten zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Auch die Investitionsbudgets sollen steigen.  „Die anhaltend hohen Exportvolumina und das fortgesetzte Beschäftigungswachstum zeigen, dass die Unternehmen die rezessiven Entwicklungen in einigen südlichen Euroländern bislang überraschend gut verkraftet haben“, heißt es in der Untersuchung. Und auch für die kommenden Monate sind die Mittelständler insgesamt zuversichtlich: Mehr als jedes vierte Unternehmen (28 Prozent) rechnet mit einer (weiteren) Verbesserung der eigenen Geschäftslage, nur 6 Prozent der Betriebe erwarten hingegen eine Verschlechterung.


Mittelstand: hohe Rohstoffpreise als größtes Konjunkturrisiko

Dennoch bleibt das Marktumfeld in hohem Maße risikobehaftet. Als größte Gefahr für die Binnenkonjunktur sehen drei von vier Unternehmen derzeit die hohen Rohstoffpreise. Auf den nächsten Rängen folgen die geringe Stabilität des Finanzsektors und die hohen Energiepreise. Die europäische Staatsschuldenkrise wird lediglich an vierter Stelle genannt, auch wenn derzeit nach eigenen Angaben mehr als jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) durch die schwache Konjunkturlage in den von der Schuldenkrise betroffenen Ländern Umsatzeinbußen erleidet. Die Anzeichen verdichten sich, dass es in den kommenden Monaten in Deutschland zu einer deutlichen Konjunkturabkühlung kommt – das würde auch Österreich zu spüren bekommen. Italien und Frankreich fallen als Wachstumstreiber vorerst komplett aus“.

Weitere Zuspitzung der europäischen Staatsschuldenkrise erwartet
Angesichts des mangelnden Erfolgs der bisherigen Strategien zur Überwindung der Staatsschuldenkrise ist das Vertrauen der Mittelständler in eine baldige Lösung gering: Drei von vier Unternehmen erwarten, dass sich die Schuldenkrise weiter zuspitzen wird. Mehr als vier von fünf Befragten (84 Prozent) gehen sogar davon aus, dass Österreich am Ende in erheblichem Umfang für die Schulden von Euro-Ländern wird aufkommen müssen.
Einen (möglichen) Austritt Griechenlands aus der Eurozone halten die österreichischen Mittelständler mehrheitlich für nicht wahrscheinlich (69 Prozent) und auch nicht sinnvoll (64 Prozent). Dennoch rechnet  immerhin jedes vierte Unternehmen inzwischen mit einem Auseinanderbrechen der Währungsunion. Auf eine solche Entwicklung haben sich allerdings nur die allerwenigsten vorbereitet: Lediglich 5 Prozent der Mittelständler haben bereits Vorkehrungen getroffen, weitere 7 Prozent planen diese für die Zukunft. Im Vordergrund stehen dabei die Absicherung gegenüber Währungsrisiken und vertragliche Absicherungen gegenüber Kunden und Lieferanten.

Investitionen und Beschäftigung sollen steigen
Noch aber stehen beim österreichischen Mittelstand die Zeichen weiter auf Wachstum. „Den Marktunsicherheiten zum Trotz wollen die Unternehmen unterm Strich mehr investieren und zusätzliche Mitarbeiter einstellen“, so Ernst & Young Österreich . Jedes vierte Unternehmen plant, seine Investitionen in den kommenden Monaten zu erhöhen, nur 8 Prozent wollen weniger investieren. Besonders investitionsfreudig zeigen sich dabei die auch im Ausland aktiven Unternehmen: Jeder dritte Betrieb mit Auslandsengagement plant höhere Investitionen am Standort Österreich, nur 9 Prozent niedrigere. Auch auf dem Arbeitsmarkt ist mit einer ungebrochen positiven Dynamik zu rechnen: 27 Prozent der Mittelständler wollen ihre Belegschaft aufstocken, nur 6 Prozent planen einen Personalabbau. Schwierigkeiten dürfte den Unternehmen dabei der sich verschärfende Fachkräftemangel bereiten: Immerhin 78 Prozent der Mittelständler berichten von Problemen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern. Jeder Vierte bezeichnet es sogar als sehr schwierig, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden – im vergangenen Jahr gaben dies lediglich 10 Prozent der Unternehmen an.