Europäische Chemiebranche verdient durch Ölpreisverfall prächtig

20. April 2015 Drucken
Die chemische Industriue in europa zählt zu den großen Profiteuren des Ölpreisverfalls. Auch Seelogistiker und Autobranche zeihen große Vorteile. |© Dieter Schütz/pixelio.de

Die chemische Industrie in Europa zählt zu den großen Profiteuren des Ölpreisverfalls. Auch Seelogistiker und Autobranche ziehen große Vorteile. |© Dieter Schütz/pixelio.de

Der jüngste Verfall der Ölpreise löste einen Dominoeffekt auf die weltweiten Unternehmenskreditrisiken aus. Europas Chemieunternehmen profitieren dabei am meisten. Die größten Nachteile hat Nordamerikas Energiesektor, der vom Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage stark betroffen ist. Der Kreditversicherer Coface hat unter den 14 analysierten Branchen den größten Gewinner und den größten Verlierer identifiziert. 

Teure Schieferölförderung kostet in USA 50-70 Dollar pro Barrel

Das Branchenrisiko hatte sich in Nordamerika Ende 2014 deutlich verbessert. Drei Sektoren – Textil- und Bekleidungsindustrie, Transport und Chemie – wurden mit einem „niedrigen Risiko“ eingestuft. Coface reagiert jetzt auf die fallenden Ölpreise und setzt den Energiesektor auf „mittleres Risiko“.
Die Ausgabe von Schieferöl und Rohöl steigt weiter an, während sich die Preise seit dem Sommer 2014 halbiert haben, was wiederum das überschüssige Angebot über die Nachfrage reflektiert. Das Öllager in Cushing, Oklahoma, das Größte in den Vereinigten Staaten, erreichte Ende März 2015 einen Sättigungsgrad von 77% seiner Kapazität. Die Förderkosten für nicht-konventionelles Erdöl bleiben hoch (im Durchschnitt zwischen $50 und $70 pro Barrel), während die Investitionen fallen und die Auftragnehmer der Ölindustrie treffen. Entlassungen und Fusionsübernahmen finden jetzt in der Erdölindustrie statt, um Synergien zu erzielen und Kosten zu senken.
Geographisch gesehen sind fast alle Regionen betroffen, da der Rohölpreis die Margen für Hersteller und Betreiber bestimmt. Die großen Unternehmen sehen ihre Rentabilität fallen, was sich wiederum auf ihre Beziehung zu Unterauftragsnehmern auswirkt, da sie ihre Investitionen aufgrund der sinkenden Renditen kürzen. Dazu passt die Meldung, dass der global agierende Öldinetsleister Schlumberger 11.000 Jobs abbauen will.

Größte Gewinner: Europäische Chemieindustrie

Wenn ein Sektor wirklich von den sinkenden Ölpreisen profitiert, dann ist es die Chemieindustrie in Europa. Die niedrigen Preise helfen der Branche die Lücke in der Wettbewerbsfähigkeit mit der amerikanischen Industrie (mit „niedrigem Risiko“ bewertet) zu reduzieren und die Margen wiederherzustellen. Die Abwertung des Euros begünstigt die europäischen Chemieexporte und liefert einen positiven Beitrag. Im Jahr 2014 verbesserte sich in Frankreich die Leistungsfähigkeit der Branche deutlich mit einem Umsatzanstieg von +1,9% bei den Exportmärkten und im Binnenmarkt. Coface hat diese positiven Indikatoren berücksichtigt und die europäische Chemieindustrie auf „mittleres Risiko“ aufgewertet.

Seelogistiker und Autowirtschaft profitieren ebenfalls

Andere Sektoren profitieren ebenfalls von diesem anhaltenden Trend, ihre Risikobewertung wird jedoch nicht geändert. Dies ist insbesondere der Fall für den Seetransport, da die Produktionskosten sinken. Eine Aufwertung der Branche wäre verfrüht, weil die Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft die Nachfrage dämpft. Die europäische Automobilindustrie, die sich laufend erholt, könnte ebenfalls einen Nutzen aus dem Trend ziehen. Die Belebung spiegelt sich in steigende Neuzulassungen über mehreren aufeinander folgenden Monaten wieder.
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