Smart Farming: Wie die Digitalisierung die Agrarindustrie verändert

24. Oktober 2016 Drucken
Satelliten, Drohnen und Roboter zählen bald ebenso zu den landwirtschaftlichen Geräten wie Traktoren und Mähdrescher. |© BMLFUW-Alexander-Haiden.

Drohnen und Roboter gehören bald zum Gerätepark wie Traktoren und Mähdrescher. |© BMLFUW-Alexander-Haiden.

Drohnen und Roboter werden zu landwirtschaftlichen Werkzeugen- so wie dies Traktoren und Mähdrescher heute schon sind. A.T. Kearney hat die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Agrarindustrie analysiert. 

Zusätzliche Nahrungsmittel für eine Milliarde Menschen

Auf rückläufige Wachstumsraten und sinkende Rohstoffpreise in der Agrarindustrie reagieren die Unternehmen mit Kostensenkungen sowie Fusionen und Übernahmen. Ob sich die erhofften Synergien tatsächlich erzielen lassen, sei fraglich, kommentiert eine A.T. Kearney-Studie  die Entwicklung in der Agrarwirtschaft: Digitalisierung und Smart Farming gelten als mittelfristige Alternative. Agrarindustrie 4.0 bietet nicht nur Wachstumschancen für die Industrie, sondern „auch die Möglichkeit Ernteerträge zu steigern, sodass sie im kommenden Jahrzehnt eine Milliarde mehr Menschen ernähren könnten“, heißt es in der Studie der Managementberatung.

Neue Erlösquellen durch Digitalisierung

In der Publikation „Agriculture is Fertile Ground für Digitization“ beschreiben die A.T. Kearney Autoren, wie Agrarunternehmen mithilfe von Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette neue Erlösquellen erschließen und gleichzeitig auf eine sich ändernde Nachfrage reagieren können.

Rendite für industrialisierte Lebensmittelerzeugung

Über die letzten Jahrzehnte konnten Saatgut-, Düngemittel- und Pflanzenschutzhersteller ihren Umsatz und Profit Jahr für Jahr verlässlich steigern. Eine Reihe parallel verlaufender Entwicklungen leiten nun eine Trendwende ein: Neben der zunehmenden Umstellung von Fleischkonsum auf vegetarische Ernährung, vor allem in der westlichen Welt, trübt auch das abflachende Wachstum in der Nachfrage nach Biokraftstoffen die Umsatzprognosen. Hinzu kommen staatliche und privatwirtschaftliche Initiativen zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung: jede Tonne weniger Lebensmittelabfall übersetzt sich unmittelbar in eine geringere erforderliche Produktionsmenge. Auch die steigende Skepsis in der Bevölkerung gegenüber intensiver Landwirtschaft, dem Einsatz von Gentechnik und Pflanzenschutzmitteln, wie Glyphosat, verstärkt den Druck auf die Industrien – nicht zuletzt, weil Regierungen mit regulatorischen Einschränkungen einlenken.

Merger als Reaktion

Dem veränderten Markt begegnen Unternehmen mit Kostensenkungen und Übernahmen – in der Folge erlebt die Branche zur Zeit Megadeals mit hohen Übernahmeangeboten.

Drohnen und Roboter

Einen alternativen Weg bietet Digital Farming, die umfassende Digitalisierung der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfung, die bislang noch in den Kinderschuhen steckt.  Digital Farming konzentriert sich derzeit auf Start-ups, die beispielsweise Drohnen zur Überwachung von Feldern, Sattelite Imaging und Robotertechnik entwickeln. Eine Ausweitung der Digitalisierung auf den gesamten Pflanzenzyklus, von der Aussaat bis zur Ernte, könne den Ernteertrag um 20 bis 30 Prozent steigern – und damit Nahrung für zusätzlich eine Milliarde Menschen liefern.

Pflügen und Säen auf Datenbasen

Digitalisierung in der Landwirtschaft werde die bisherigen Geschäftsmodelle in Frage stellen, prognostizieren die Autoren. Es komme jetzt darauf an, die bestehenden Technologien zu bündeln und ganzheitliche Lösungen für Landwirte zu entwickeln und zu vermarkten. Analog zu anderen Industrien im digitalen Wandel, werden in der Agrarwirtschaft Plattformen entstehen, die Landwirte weltweit unterstützen, datenbasiert agronomische Entscheidungen zu treffen, um ihre Erträge zu optimieren und die Ressourcen zu schonen.

Konzerne neben Start ups

„Wir gehen davon aus, dass die Großen der Branche sich jetzt als First Mover platzieren werden, dicht gefolgt von Start-ups, die das Zeug haben, die Möglichkeiten der Digitalisierung clever für sich zu nutzen und schnell praktikable Lösungen auf den Markt zu bringen“, resümiert die Studie.

 

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