Arbeitsrecht: So funktioniert das Bonus-Malus-System für ältere Dienstnehmer

Wer viele ArbeitnehmerInnen über 55 in Lohn und Brot hält, wird belohnt. |© OMV AG
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Wer viele ArbeitnehmerInnen über 55 in Lohn und Brot hält, wird belohnt.

Durch ein Bonus-Malus-System will die Bundesregierung Anreize schaffen, den Anteil älterer Arbeitnehmer über 55 in den Unternehmen zu heben. Die Grazer Steuerberatung Gaedke & Angeringer und die Wirtschaftskammer Österreich erklären, wie die Idee in der Praxis umgesetzt werden soll.

Branchen sollen Zielvorgaben erreichen

Ziel der Bundesregierung ist es, die Beschäftigungsquoten älterer Arbeitnehmer (ab 55 Jahren) bis zum Jahre 2018 anzuheben. Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger setzt fest, dass bis zum 30. September eines jeden Jahres alle Unternehmen mit durchschnittlich 25 vollversicherten Dienstnehmern einmal jährlich den Anteil älterer Personen an allen vollversicherten Beschäftigten festzustellen hat. Werden die vorgegebenen Ziele nicht erreicht, tritt mit 1.1.2018 ein Bonus-Malus-Modell in Kraft.

Bonus-Malus neu

Der Sozialminister hat drei Zielwerte zum Stichtag 30.6.2017 gesetzlich festgelegt:

  • Für 55–59-jährige Männer   73,6%, (Wert: 2016: 73,8%)
  • Für 60-64-jährige Männer   33,1%, (Wert: 2016: 32,6%)
  • Für 55-59-jährige Frauen   60,1%. (Wert: 2016: 59,4%)

Wird einer dieser drei Zielwerte zum Stichtag 30.6.2017 nicht erreicht, so tritt mit 1.1.2018 das beschlossene Bonus-Malus Modell in Kraft. Sollte die Beschäftigung der über 55-Jährigen allerdings im erforderlichen Ausmaß ansteigen, so kommt es nicht zur Einführung des Bonus Malus Modells.

Betroffene Betriebe

Vom möglichen Bonus-Malus neu sind Betrieb betroffen, die durchschnittlich mindestens 25 vollversicherte (freie) Dienstnehmer, ausgenommen Rehabilitationsgeldbezieher und Lehrlinge, beschäftigen.

Malus

Für Betriebe, deren Anteil an über 55-jährigen Beschäftigten den Branchenschritt unterschreitet, verdoppelt sich die Auflösungsabgabe bei Beendigung von Dienstverhältnissen von derzeit 121 Euro auf 242 Euro (Wert 2016).

Bonus

Betriebe, deren Anteil an über 55-jährigen Beschäftigten den Branchenschnitt erreicht oder übersteigt, erhalten einen Bonus in Form einer Senkung der Lohnnebenkosten in Höhe von 0,1% des Dienstgeberbeitrages zum Familienlastenausgleichsfonds (auf dann 3,8%).

Informationen durch den Hauptverband

Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger wird über den Anteil der über 55-Jährigen bis zum 30.9. eines jeden Jahres informieren. Erstmals war dies am 30 September der Fall.  Die Unternehmen werden schriftlich darüber informiert, wo sie ihre Dienstgeberquote online abrufen können.

Folgende Informationen werden geliefert:

  • Dienstgeber insgesamt (Gesamtquote)
  • ÖNACE Wirtschaftsabteilung des Dienstgebers (Branchenquote)
  • Dienstgeber gesondert (Dienstgeberquote)

Folgen

Jeder Dienstgeber wird bis 30.9.2017 darüber informiert sein, ob er die jeweilige Branchenquote unter- oder überschreitet.  Werden die Zielwerte erreicht, zieht es keine Konsequenzen nach sich, ob die Dienstgeberquoten die Branchenquote erreicht hat oder nicht. Werden diese Werte nicht erreicht, so tritt das „Bonus-Malus-System“ in Kraft: Erreicht die Dienstgeberquote die Branchenquote (Zeitraum 1. Juli 2016 bis 30. Juni 2017) nicht, so erhöht sich die Auflösungsabgabe im Kalenderjahr 2018 jeweils auf den doppelten Betrag (Malus).

 

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