CEE-Konjunktur: Warum das kräftige Wachstum gesund ist

Budapest: Die ungarische Wirtschaft ist dabei, wieder Tritt zu fassen. |© Jochen Fenn/pixelio.de
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Budapest: Die ungarische Wirtschaft ist dabei, wieder Tritt zu fassen.

Das Wirtschaftswachstum bleibt in CEE kräftig: Für 2017 wird ein Plus von 3,3% erwartet. Die deutlich verbesserten Leistungsbilanzen – die vielfach sogar Überschüsse aufweisen –  lassen ein ausgewogenes Wachstum denn eine Überhitzung der Wirtschaft erwarten, schreiben die Analysten der Erste Group Research. 

 

Ausgeglichene Leistungsbilanzen

Die in Zentral- und Osteuropa (CEE) zuletzt vielfach sehr positiven makroökonomischen Kennzahlen, wie zum  Beispiel die stark anziehende Inflation, die sich abzeichnende Anspannung auf den Arbeitsmärkten und eine kräftige Sachgüterproduktion, werfen die  Frage auf, ob in den CEE-Ländern eine Überhitzung der Wirtschaft droht. Um die ersten Anzeichen einer solchen Entwicklung frühzeitig zu erkennen, verwenden die Analysten der Erste Group das Leistungsbilanzdefizit als relevante Kennzahl. Sie verweisen darauf, dass eine wesentliche Verschlechterung der Leistungsbilanz das Entstehen wirtschaftlicher Ungleichgewichte signalisiert. Dies scheint derzeit allerdings nicht der Fall zu sein.”Sowohl aus historischer als auch aus fundamentaler Sicht sehen die Leistungsbilanzsalden in der Region sehr gut aus” heißt es in einer Aussendung der Erste Group Research.

Trotz steigender Inflationsraten keine Zinserhöhungen

Die Inflationsrate ist in CEE seit September 2016 deutlich – um durchschnittlich etwa zwei Prozentpunkte  – gestiegen. Die gegenüber dem Vorjahr deutliche Trendwende bei den Öl- und Energiepreisen war eher durch die im ersten Quartal 2016 ungewöhnlich niedrige Basis denn die starken Preiserhöhungen der letzten Monate bedingt. In Tschechien, Ungarn, Polen und Slowenien erreichte die Inflation die Zielvorgabe oder kam nahe an sie heran. Im März ist ein weiterer Anstieg möglich, doch sollte danach eine Korrektur einsetzen, sobald der aus den im ersten Quartal 2016 niedrigen Ölpreisen resultierende Basiseffekt ausläuft. Die Analysten der Erste erwarten daher keine überstürzten Aktionen der Zentralbanken und damit in naher Zukunft keine Zinsanhebungen.

Ausnahme Serbien

Serbien ist das einzige CEE-Land, in dem die Analysten dieses Jahr eine Anhebung des Leitzinses erwarten (auch als Reaktion auf die Zinsschritte der Fed, da der US-Dollar für Investoren eine wichtige Rolle spielt). In Rumänien könnte auch nur der Tagesgeldsatz erhöht werden, um die Geldmarktzinsen näher an den Leitzins heranzuführen. Die stärkste geldpolitische Maßnahme könnte als Reaktion auf die höhere Inflation in Tschechien erfolgen. Dort wird erwartet, dass die Tschechische Nationalbank ihre Kronen-Obergrenze im April aufgibt und den Zufluss spekulativer Geldflüsse in die Tschechische Krone abwehrt.

Eine erste Straffung der Geldpolitik wird durch makroprudentielle Maßnahmen erfolgen

Vor einer Anhebung der Zinsen durch CEE-Zentralbanken erwarten die Analysten der Erste Group eine Verschärfung der Geldpolitik durch restriktivere makroprudentielle Maßnahmen. In Tschechien, der Slowakei und Polen wurden bereits derartige Schritte unternommen. Dort haben die Regulierungsbehörden höhere Anzahlungen für Hypotheken, niedrigere Beleihungsquoten und eine Senkung des Schuldendienstes in Relation zum verfügbaren Einkommen vorgeschrieben.

Ausblick 2017

  • Das Wirtschaftswachstum sollte sich in der CEE-Region dank der Inlandsnachfrage auf 3,3% (2016: 3,0%) beschleunigen. Dieses Wachstum sollte weiterhin vor allem durch den Verbrauch der privaten Haushalte getrieben werden, während sich die Investitionen nach der schwachen Performance 2016 vor allem durch EU-Mittel beleben könnten.
  • Für die Inflationsrate wird 2017 gegenüber 2016 ein Anstieg um mehr als zwei Prozentpunkte prognostiziert, wobei (aufgrund des Basiseffekts) der Höhepunkt im März überschritten werden sollte. Danach sollte sich die Inflation in den CEE-Ländern wieder abschwächen oder sogar zurückgehen, ausgenommen in Rumänien, wo die Inflation durch die Senkung indirekter Steuern bisher künstlich niedrig gehalten wurde. Da dieser Effekt aber auslaufen wird, wird die Inflationsrate in Rumänien zum Jahresende im Vergleich zum aktuellen Stand wesentlich höher liegen.
  • Der Leistungsbilanzsaldo wird sich nur leicht (um durchschnittlich 0,4 Prozentpunkte) verschlechtern, womit die Region weiterhin einen kleinen Überschuss (0,2% des BIP) verzeichnen sollte. Innerhalb der CEE-Region sollte Rumänien die stärkste Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits (um etwa einen Prozentpunkt auf 3,3% des BIP) verzeichnen, doch sollte die Verschlechterung aufgrund einer etwas restriktiveren Fiskalpolitik in Grenzen bleiben, da die Europäische Kommission gegen Rumänien wegen seines über 3% liegenden Haushaltsdefizits 2018 ein Defizitverfahren einleiten könnte.
  • Die CEE-Währungen werden in den kommenden Quartalen weiter divergieren. Bis Jahresende könnten zwei Währungen gegenüber dem aktuellen Stand des Euro auf- und drei abwerten. Die Tschechische Krone hat nach Aufgabe der Wechselkurs-Obergrenze fundamental das größte Aufwertungspotenzial, doch könnte der extrem hohe Bestand an CZK-Long-Positionen, die zu schließen sein werden, den Aufwärtstrend beschränken oder sogar deutliche Korrekturen auslösen. Die Analysten sehen auch für den Polnischen Zloty gegenüber dem Euro bis Jahresende Spielraum für eine Aufwertung, da Polen angesichts seiner Fundamentaldaten interessante Carry-Möglichkeiten bietet. Gleichzeitig könnte der polnische Markt auch schon damit beginnen, die erste Zinsanhebung im ersten Halbjahr 2018 einzupreisen. In Rumänien und Ungarn, wo beiden Zentralbanken zu einer akkommodierenden Haltung neigen, könnten sich die Währungen leicht abschwächen, was den Zentralbanken jedoch keine Sorgen bereiten wird und derzeit als durchaus erwünscht gilt.

 

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