Chemische Industrie kämpft mit unberechenbarer Geschäftsentwicklung

China bleibt vorrangiges Investitionsziel der Chemiebranche. Westeuropa und Nordamerika bleiben aber auf der Agende der Chemie-Bosse. | ©  Alfred Teske/pixelio.de
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China bleibt vorrangiges Investitionsziel der Chemiebranche. Westeuropa und Nordamerika stehen aber weiterhin im Fokus.

Die europäische Chemie-Konjunktur bleibt hinter den Erwartungen der Branche zurück, die auf stärkeres Wachstum gesetzt hatte. Immerhin haben noch 60 % der Unternehmen aber ihren Umsatz um bis zu zehn Prozent steigern können, heißt es in einer Analyse von A.T. Kearney. Grund der Enttäuschung: 25 % der Betriebe mussten einen Nachfragerückgang hinnehmen.

Unberechenbare Entwicklung

Die Märkte der chemischen Industrie sind in den letzten 12 Monaten volatil geblieben. Den meisten Chemieproduzenten ist es dennoch gelungen, ihren Absatz zu steigern: 60 Prozent haben ein Wachstum von bis zu zehn Prozent verzeichnet. Positiv hat sich die moderate, teilweise rückläufige Entwicklung bei den Rohstoffkosten ausgewirkt. Dennoch: Insgesamt hat sich das vergangene Jahr schwächer entwickelt, als die Branche es vor einem Jahr vorausgesagt hatte. Jedes vierte Chemieunternehmen musste einen Nachfragerückgang hinnehmen; Das sind deutlich mehr als noch vor einem Jahr. Zu diesen Ergebnissen kommt die C3X-Studie (Chemical Customer Connectivity Index), die die Unternehmensberatung A.T. Kearney, CHEManager Europe und die Westfälische Wilhelms-Universität Münster im Juni und Juli 2013  durchgeführt haben. Dazu wurden rund 150 Führungskräfte aus Chemie- und Kundenindustrien aus Europa, den USA, Indien, Südkorea und China befragt.

2014 soll besser werden

Für das kommende Jahr sind die Studienteilnehmer wieder optimistischer. Rund drei Viertel der Chemieproduzenten gehen davon aus, dass ihr Geschäft erneut um bis zu zehn Prozent wachsen wird. Die Rohstoffkostenentwicklung wird weiter moderat bleiben. Außerdem bestätigt die Studie: Chemieproduzenten setzen zunehmend auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit ihren Kunden, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Trotz eines wechselhaften Marktumfelds ist es den meisten Chemieproduzenten in den letzten 12 Monaten gelungen, ihren Absatz zu steigern. 60 Prozent haben ein Wachstum von bis zu zehn Prozent in ihren Auftragsbüchern verzeichnet. Dazu beigetragen hat die moderate, teilweise rückläufige Entwicklung bei den Rohstoffkosten. Dennoch blieb das Geschäft hinter den Erwartungen der Branche zurück. Bei jedem vierten Chemieunternehmen schrumpfte die Nachfrage.
Der Ausblick ist positiv: Rund drei Viertel der Chemieproduzenten gehen davon aus, dass ihr Geschäft in den kommenden 12 Monaten um bis zu zehn Prozent zulegen wird.

Verfügbarkeit von Rohstoffen entspannt
Noch vor einem Jahr stand der Zugang zu alternativen Rohstoffen an der Spitze der Anforderungen, die Kunden der Chemieindustrie in punkto Nachhaltigkeitsmanagement an ihre Lieferanten stellen. In diesem Jahr rangiert dieses Thema nur noch im Mittelfeld. Dass die Rohstoffversorgung an Bedeutung eingebüßt hat, ist auch auf die geringeren Energiekosten infolge des Schiefergas-Booms in den USA, niedrigere Rohölkosten und die erhöhte allgemeine Verfügbarkeit von Rohstoffen zurückzuführen.

Rohstoffkosten bleiben konjunkturbestimmend

Doch in dem Maße, wie sich die Verfügbarkeit von Rohstoffen verbessert hat, rückt auch der Preis wieder stärker in den Vordergrund. Rohstoffkosten machen in der Chemieindustrie mitunter weit mehr als die Hälfte aller beeinflussbaren Kosten aus. Beschaffung kommt daher eine entscheidende Rolle zu. Auch im weiteren Verlauf der Lieferkette wird eine erstklassige Beschaffung eine immer wichtigere Rolle spielen. Bereits heute arbeiten viele Chemieunternehmen sowohl mit ihren Lieferanten als auch mit ihren Kunden an einer Verbesserung ihres Beschaffungsmanagements sowie an Zukunftsthemen etwa im Bereich Forschung und Entwicklung.

Zusammenarbeit entlang der Lieferkette nimmt zu
Eine intensive Zusammenarbeit zwischen Chemieproduzenten und ihren Kunden nimmt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle ein. Seit der Vorjahresbefragung hat der Anteil der Chemieunternehmen, deren Zusammenarbeit mit ihren Kunden „hoch“ oder „sehr hoch“ ist, von 74 auf 84 Prozent zugelegt.
Auch die Kommunikation nimmt zu: 90 Prozent der befragten Kunden bestätigen, dass sie in regelmäßigem Kontakt mit ihren Lieferanten aus der Chemieindustrie stehen. Noch vor zwei Jahren waren dies lediglich zwei von drei befragten Unternehmen. Verbesserungswürdig ist indes nach wie vor der Austausch über die direkten Kunden hinaus.
Der Nutzen einer verstärkten Zusammenarbeit ist klar: Die Produzenten schätzen, dass sich allein in der rund 650 Milliarden Euro großen europäischen Chemieindustrie Umsatz- und Kostenvorteile von 30 Milliarden Euro und mehr erzielen lassen. Einer intensiveren Zusammenarbeit stehen laut der Studienteilnehmer vor allem zwei Faktoren im Weg: Das Fehlen der „richtig“ qualifizierten Mitarbeiter (48 Prozent) und fehlendes Vertrauen zu Dritten (46 Prozent).
Alle anderen Gesichtspunkte sind weitgehend unter Kontrolle: Nur jedes fünfte Chemieunternehmen nennt eine mangelnde Unterstützung durch das TopManagement, fehlende Strategie oder Steuerung sowie fehlende Mechanismen zur Erfolgskontrolle als wesentliche Hindernisse.
Die Studie untertreicht, dass Chemieproduzenten den Themen Marktbeobachtung und Vertriebseffizienz eine wesentlich größere Bedeutung beimessen, als es die Kunden tun. Worauf es Letzteren hingegen stärker ankommt, ist der Preis.

Neue Energiequellen haben keinen Einfluss auf Investitionsentscheidungen
Neue Energiequellen haben einen überraschend geringen Einfluss auf die Investitionsentscheidungen der Unternehmen. Nur ein Viertel der Chemieproduzenten und weniger als jeder zehnte Kunde geben an, dass die Verfügbarkeit neuer Energiequellen ihre Investitionsentscheidungen bedingt beeinflusst hat. Die Chemieindustrie plant, insbesondere in China weiter zu investieren; Dies sagen 70 Prozent der Produzenten. Weitere Investitionsziele sind Westeuropa (50 Prozent) und Nordamerika (43 Prozent). Die Befragung im Jahr 2011 hatte für Amerika einen deutlich niedrigeren Wert hervorgebracht.
Auch auf Kundenseite führt China mit 46 Prozent der Antworten die Liste an, gefolgt von Indien und Westeuropa (je 42 Prozent) sowie Südamerika (27 Prozent).

Chemical Customer Connectivity Index
Zum siebten Mal haben die Unternehmensberatung A.T. Kearney, CHEManager Europe und die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (Institut für betriebswirtschaftliches Management im Fachbereich Chemie und Pharmazie) das Kunden-Lieferanten-Verhältnis in der europäischen Chemieindustrie analysiert.

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