Digitalisierung: Wie Umschulungen die Menschen im Job halten

Ein neues Qualifizierungsprogramm soll digitale Kompetenzen durch Umschulungen fördern. |© ruhaltinger
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Ein neues Qualifizierungsprogramm soll digitale Kompetenzen durch Umschulungen fördern.

Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt bleiben Niedrigqualifizierte oder ältere Personen  auf der Strecke.  Das Infrastrukturministerium startet im Herbst ein neues Förderprogramm, das sich an Niedrigqualifizierte in Klein- und Mittelbetrieben (KMU) richtet.

Ab Herbst bei aws

Rund 60.000 Jobs sind gefährdet, da vor allem einfache Routinearbeiten wegfallen oder ins Ausland verlagert werden. Für das Projekt stehen 5 Mio. Euro zur Verfügung, die sich KMU ab Herbst beim Austria Wirtschaftsservice (aws) “abholen” können. “Wir wollen die fit für die Zukunft machen, die keinen großen Abschluss in der Tasche haben”, sagte Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) bei einem Pressegespräch. Leichtfried hofft, dass die negativen Auswirkungen so möglichst gering gehalten werden. Viele Betriebe bauten zwar in der Verwaltung ab, aber dafür im Bereich Kundenbetreuung auf.

Initiative „Fit 4 4

Passende Lernmodule werden gemeinsam mit Unternehmensverbünden und Bildungseinrichtungen erarbeitet. Grundlage für die Initiative „Fit 4 4“ ist eine neue Studie der Prospect Unternehmensberatung, die von Infrastrukturministerium, Austria Wirtschaftsservice GmbH und Arbeiterkammer Wien in Auftrag gegeben wurde. Untersucht wurde, welche Kompetenzen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mitbringen müssen, um auch im Zuge der Digitalisierung am Arbeitsmarkt Erfolg zu haben. „Es geht auch um Fachkompetenzen.

Mangelnde PC-Kenntnisse

“Je höher die Qualifikation, desto geringer das Risiko, arbeitslos zu werden”, sagte AK-Präsident Rudolf Kaske mit Blick auf die kürzlich präsentierten Arbeitslosenzahlen. Zwar sei heutzutage jeder in der Lage, ein Smartphone zu bedienen, doch hätten 900.000 Erwerbsfähige mangelnde Computerkenntnisse. An fast der Hälfte der heimischen Berufsschulen gäbe es kein WLAN, bedauerte Kaske. Ansetzen müsse man bereits in der Schule und bei der Lehre. Doch auch Ältere dürften nicht aus dem Blick geraten. Der AK-Präsident forderte erneut das Recht auf eine bezahlte Weiterbildungswoche pro Jahr für jeden Beschäftigten.

 

Fortbildung direkt im Betrieb

Das neue Förderprogramm setzt auf die Fortbildung direkt im Betrieb. Für viele Beschäftigte sei das einfacher und die Hemmschwelle geringer, als wenn sie irgendwo außer Haus müssten, so aws-Geschäftsführerin Edeltraud Stiftinger. Dabei sollen auch Datenbrillen zu Trainingszwecken zum Einsatz kommen. Piloten lernten schließlich auch in einem Flugsimulator fliegen. Das aws hat seit zwei Jahren ein Programm zur Unterstützung von Klein- und Mittelbetrieben bei der vollständigen Digitalisierung in der Produktion. Von 2015 auf 2016 haben sich die Förderansuchen verdoppelt – allerdings bei niedrigem Ausgangsniveau.

Paket 4.0 in Arbeit

Die österreichische Politik hat sich das Thema Industrie 4.0 schon länger auf ihre Fahnen geheftet. Noch vor dem Sommer will Leichtfried gemeinsam mit Sozialminister Alois Stöger und Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (beide SPÖ) ein Paket zum Thema präsentieren. Derzeit stellt das Infrastrukturministerium jährlich 16 Mio. Euro für Ausbildung rund um Industrie 4.0 zur Verfügung. (APA)

 

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