Heizkosten: Die billigsten Energieträger sind CO2-Schleudern

Unter Vollkosten ist Scheitholz der günstigste Energieträger. Bei den Emissionswerten liegt Holz weit vor dem billigen Gas. |© BMLFUW/Bernhard Kern
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Unter Vollkosten zählt Scheitholz zu den günstigeren Energieträgern. Bei den Emissionswerten liegt Holz weit vor dem billigen Gas.

Warme Räume sind für Unternehmen und Haushalt nicht nur in Frostzeiten ein bedeutender Kostenfaktor. Die Österreichische Energieagentur hat berechnet, womit derzeit am billigsten geheizt werden kann. Derzeit sind die günstigsten Energieträger leider auch die klimaschädlichsten.

Pellets gehen durch die Decke

Heizen mit Erdgas ist bei einem Vergleich der Vollkosten am günstigsten, geht aus einem Vergleich der Österreichischen Energieagentur hervor. Teuerste Heizsysteme sind Pelletkessel im Neubau und Sole-Wärmepumpen mit Erdsonde in sanierten und unsanierten Gebäuden. Sie erzielen aber beim CO2-Ausstoß die besten Werte. Die Kälte treibt den Energieverbrauch derzeit nach oben.

Billige Energieträger sind die schädlichsten

Bei den CO2-Emissionen schneiden Heizsysteme mit Scheitholz und Pellets am besten ab, Öl- und Gasbrennwertsystem am schlechtesten. Werden Vollkosten und CO2-Emissionen berücksichtigt, schneide das Scheitzholz-System sehr gut ab.

Versorger liefern unter Volllast

Der Verbrauch liege heuer gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund ein Fünftel höher, sagte Energieagentur-Geschäftsführer Peter Traupmann. Dies habe eine Umfrage unter Energieversorgern ergeben. Die vergangenen beiden warmen Winter seien aber Ausreißer gewesen. Betrachte man den Durchschnitt über mehrere Jahre, liege der Verbrauch im Prinzip im Vergleich zu einem Normaljahr geringfügig höher. Entscheidend für den Gesamtverbrauch in der Heizsaison und damit auch die Kosten werden aber auch noch der Februar und der März sein.

Gas macht derzeit das Rennen

Beim Heizkostenvergleich für ein Einfamilienhaus mit 118 m2 und neuer Heiztechnik schneidet Gas bei den Vollkosten – Energiekosten und Investitionskosten (inklusive Wartung und Instandhaltung) – in allen Gebäudeklassen am besten ab. Die Sole-Wärmepumpe weist durchgehend die geringsten Energiekosten auf, Fernwärme ist von den Energiekosten aktuell durchgehend am teuersten.

Dämmung lohnt sich

Thermische Sanierungen zahlen sich aus: Bei thermisch sanierten Gebäuden sinken die Energiekosten um durchschnittlich 44 Prozent, der CO2-Ausstoß um durchschnittlich 46 Prozent.

Ölpreise sind sehr volatil, auch Pelletpreise schwanken

Bei den Energiepreisen zeigte sich seit 2010 eine hohe Volatilität bei den Ölpreisen, die nun wieder deutlich anziehen. Relativ stabil waren die Strompreise. Schwankungen gab es auch bei den Pelletpreisen. Die Investitionskosten haben sich im Vergleich November 2016 zu November 2015 bei Pelletanlagen vor allem technologiebedingt um 7,8 Prozent verringert, so Energieagentur-Experte Georg Trnka. Alle anderen wurden teurer, den höchsten Anstieg gab es bei Scheitholz (+6,6 Prozent).

Vollkosten: Energiekosten werden mit Investitionskosten gekoppelt

In einem unsanierten Gebäude belaufen sich bei einer Gas-Brennwert-Heizung die Energiekosten (Jänner 2017) auf 2.957 Euro im Jahr. Die Investitionskosten – pro Jahr durchgerechnet auf 20 Jahre – werden von der Energieagentur mit 1.011 bis 1.509 Euro angegeben. In einem sanierten Gebäude liegen die Energiekosten bei 1.619 Euro und die Investitionskosten 1.011 bis 1.409 Euro. Im Neubau betragen die Energiekosten nur mehr 1.247 Euro. Die Investitionskosten für eine Gasheizung im Neubau beziffert die Energieagentur mit 1.637 Euro.

Neubau: Systemkosten von Pellets am höchsten

Das teuerste Heizsystem im Neubau ist eine Pelletheizung wegen der hohen Investitions- und Wartungskosten sowie einem schlechten Systemnutzungsgrad bei geringer Wärmeanforderung. Die Energiekosten werden mit 1.005 Euro angegeben, die Investitionskosten mit 2.831 Euro. Dahinter liegen im Vollkosten-Vergleich Wärmepumpe Sole/Wasser, Brennholz, Öl-Brennwert, Fernwärme, Wärmepumpe Luft/Wasser und Gas. Die höchsten Energiekosten im Neubau entfallen auf Fernwärme (1.319 Euro), gefolgt von Öl (1.297 Euro) und Gas (1.247 Euro). Die höchsten Investitionskosten weist die Wärmepumpe Sole/Wasser (2.850 Euro) auf, die dafür mit den niedrigsten Energiekosten (719 Euro) punkten kann.

Saniertes Gebäude: Wärmepumpe durch Technologiekosten ganz vorne

Im sanierten Gebäude ist eine Wärmpumpe Sole/Wasser insgesamt am teuersten. Diese Heizform liegt auch an der Spitze bei den Investitionen (2.435 bis 3.117 Euro), aber am niedrigsten bei den Energiekosten (953 Euro). Dahinter liegen zu Vollkosten die Wärmepumpe Luft/Wasser, Öl-Brennwert, Pellets, Brennholz, Fernwärme und Erdgas. Bei unsanierten Gebäuden kostet Heizen mit einer Wärmepumpe Sole/Wasser am meisten, gefolgt von Ölheizungen, Pellets, Wärmepumpe Luft/Wasser, Fernwärme, Brennholz und Gas.

Fernwärme vor Gas und Biomasse am häufigsten im Einsatz

Von den 3,75 Millionen Heizungen in Österreich wurden 2013/14 laut Statistik Austria der größte Teil mit Fernwärme (27,4 Prozent) betrieben. Dahinter folgten Gas (23,7 Prozent), Biomasse (18,6 Prozent), Heizöl und Flüssiggas (16,6 Prozent), Umgebungswärme (7,6 Prozent) und Strom (5,8 Prozent). Im 10-Jahresvergleich gibt es bei den einzelnen Heizkesseln deutliche Zuwächse bei Umgebungswärme (v.a. Wärmepumpen), die sich verzehnfacht haben, sowie Fernwärme (+66 Prozent) und Biomasse (+ 9 Prozent). Gas war relativ stabil (-1,8 Prozent). Deutliche Rückgänge verzeichneten Heizöl/Flüssiggas (-31 Prozent) sowie Strom (-19 Prozent). Praktisch keine Rolle mehr spielen mittlerweile Kohle und Koksheizungen. Traupmann rechnet damit, dass Elektroheizungen wieder eine Renaissance erleben werden, offen sei noch mit welcher Technologie.

Was ist der HWB?

Die Energieagentur möchte bei Wohnbauten den HWB (Kilowattstunden/m2) stärker ins Bewusstsein rücken. Bei einer mit Gas oder Fernwärme beheizten Wohnung von rund 64 m2 können in fünf Jahren kumuliert bis zu 3.000 Euro gespart werden, wenn sie saniert ist (HWB von rund 60 gegenüber rund 130 unsaniert). Im aktuellen Heizkostenvergleich wird für das thermisch unsanierte Einfamilienhaus ein HWB von 175 angenommen, für das sanierte von 75 und für den Neubau von 50. (APA)

 

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