Erste Group mit Milliardengewinn

Erste-CEO Andreas Treichl: "Wir haben die Risikokosten wirklich in den Griff bekommen". |© APA
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Erste-CEO Andreas Treichl: “Wir haben die Risikokosten wirklich in den Griff bekommen”.

Erstmals seit Jahren verzeichnet die Erste Group wieder einen Milliardengewinn. 2016 kletterte der Nettoertrag von 968 Millionen auf 1,26 Mrd. Euro. Hauptgrund: Kreditrisiko und Wertberichtigungen sanken um gut 500 Mio. Euro. 

Finanzkrise bewältigt

Noch nie musste dafür so wenig Geld zurückgelegt werden: “Nicht einmal 200 Millionen Euro bei weit mehr als 130 Milliarden Euro Kreditvolumen”, sagt Erste-Chef Andreas Treichl. Das waren weniger als zehn Prozent der mehr als 2 Mrd. Euro Risikokosten vom Verlustjahr 2014. “Wir haben die Risikokosten wirklich in den Griff bekommen”, sagte der Banker bei der Vorlage der vorläufigen Zahlen für 2016. Das habe “wirklich harte und unangenehme Maßnahmen” erfordert. 2016 gab es laut Treichl nun den höchsten Nettogewinn “seit überhaupt. Ein Zeichen, dass wir die Finanzkrise hinter uns gelassen haben”. Viel Geld fließt in nächster Zeit in eine Digitalisierungsoffensive, zugleich sollen die Kosten – das waren zuletzt pro Jahr mehr als 4 Mrd. Euro – sinken.

Das politische Szenario zeigt sich verdüstert

Wirtschaftlich hätten sich die Aussichten durchwegs verbessert, sagte Treichl. Die politische Situation in ganz Europa sei aber unsicher. Treichl hofft nun, dass die Inflationsentwicklung wenigstens das Thema der Negativzinsen wegräumt. Obwohl es für die Kunden in den meisten Ländern fürs Ersparte kaum Zinsen gibt, nahmen die Kundeneinlagen 2016 um fast 10 Mrd. Euro zu. Die Bank selbst hat weiter an Zinsmargen eingebüßt.

Potential bei operativen Ergebnissen

Mit der Entwicklung des Betriebsgewinns, der 2016 um 8,3 Prozent auf 2,66 Mrd. Euro sank, ist Treichl “natürlich nicht zufrieden”, wie er sagte. Eine Besserung der operativen Ergebnisse werde die große Aufgabe der nächsten Jahre. “Ich bin sicher, dass wir es schaffen werden.” Zwei Drittel des Betriebsergebnisses stammten aus Zentral-/Osteuropa. Auch aus Ungarn gab es 2016 keine Verluste mehr.

Mitten im digitalen Umbau

Investiert werde gerade massiv in die Datenqualität, IT und Infrastruktur, ins “digitale” Banknetz. Da sei es im Wesentlichen eine Frage des Risikos, wie lange man alte und neue Systeme nebeneinander laufen lasse bzw. wann man “analoge” Back-Office-Systeme ganz abschalte. Ihm sei es lieber, Systeme länger parallel laufen zu lassen und 20 Millionen mehr auszugeben als zu früh umzusteigen. Zwei bis drei Jahre soll der “digitale” Umbau auf jeden Fall dauern.

Cernkos erster Auftritt für die Erste

Wie eine gruppenweite und umfangreiche IT-Umstellung funktionieren muss, hat der neue Erste-Risikovorstand Willibald Cernko in seiner Zeit als Bank-Austria-Chef erfahren. Cernko hatte bei der Bilanz-PK seinen ersten öffentlichen Auftritt als neuer Erste-Vorstand. Er appellierte an die Behörden, bei regulatorischen Vorgaben einmal Pause zu machen. Treichl glaubt nicht, dass der neue US-Präsident Donald Trump mit seinen Banken-Deregulierungsplänen scheitert. “Wenn er so weitermacht, wird er das durchziehen.” Und die EU werde das wohl relativ unbeeindruckt lassen, fürchtet der Banker. Die Erste glaubt nicht, dass Eigenkapitalvorschriften zurückgenommen werden.

Senkung des Verwaltungsaufwands

die Bank genau die Hebel zur Kostenreduktion ansetzen wird, um den jährlich Verwaltungsaufwand deutlich unter 4 Milliarden zu drücken, wurde nicht im Detail gesagt. Ende 2016 lag das Verhältnis der Kosten zu den Einnahmen (Cost/Income-Ratio) bei mehr als 60 Prozent. Die Quote soll in den nächsten Jahren sinken, wohl noch nicht heuer, aber jedenfalls 2018 und 2019. Treichl nannte 55 Prozent als Ziel.

Bankensteuer hat sich erledigt

Gelegt hat sich mittlerweile der politische Lärm um die Bankensteuer. 2016 hat die Erste Group ihren Teil der “Abschlagszahlung” (200 Mio. Euro) im Voraus gezahlt. Damit sinkt in Österreich die Bankensteuer für die nächsten Jahre signifikant. Insgesamt zahlte die Bank für die österreichischen Bankenabgaben voriges Jahr 306,7 Mio. Euro, in Ungarn waren es 57 Millionen und in der Slowakei 25 Mio. Euro.

Verdoppelung der Dividende

Für die Aktionäre gibt es eine Dividendenverdopplung auf 1 Euro je Aktie. Der Erste-Vorstand sieht diesen Wert als gute Ausgangsbasis für künftige höhere Ausschüttungen. Ökonomisch habe das Jahr 2017 ziemlich gut begonnen, sagte Treichl. In Jubelschreie breche man jetzt aber nicht aus. (APA)

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