FinTechs: So nützen Banken innovative Start ups

Aktuell sehen FinTech-Gründer die besten Bedingungen für ihr Geschäft in Großbritannien, Irland und Frankreich. Österreich ist nicht erste Wahl. |© Marc Boberach/pixelio.de
© Marc Boberach/pixelio.de
Aktuell sehen FinTech-Gründer die besten Bedingungen in Großbritannien, Irland und Frankreich. Österreich ist nicht erste Wahl.

FinTechs setzen auf Kooperationen mit etablierten Finanzdienstleistern. Sie erwarten dadurch Vorteile beim Zugang zu Kunden und in der Stärkung ihrer Vertrauenswürdigkeit, heißt es in einer Studie von Roland Berger.  

Kooperationen mit Banken und Versicherungen

Rund 19 Milliarden Dollar an Investitionen flossen 2015 weltweit in FinTechs – ein Plus von fast 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei setzen 86 Prozent der jungen Firmen nicht auf Konfrontation, sondern auf Kooperation mit den Branchenführern. Zudem glauben zwei Drittel nicht, dass sie klassische Finanzinstitute ersetzen können. Von einer Zusammenarbeit versprechen sich die Gründer vor allem Zugang zu einer breiten Kundenbasis (78%). Das sind Ergebnisse der neuen Studie “FinTechs in Europe – Challenger and Partner” von Roland Berger. Im Rahmen der Untersuchung befragte die Unternehmensberatung 248 FinTechs aus 18 europäischen Ländern.

Banken nützen FinTechs für Veränderungen

„FinTechs schätzen ihre Rolle auf dem Markt realistisch ein: Sie verändern die Finanzindustrie, können aber nicht im Alleingang eine Revolution einläuten”, heiß es in der Studie. Banken und Versicherungen nützen durch Kooperationen mit FinTechs Chancen, die eigene digitale Transformation voranzutreiben. Dabei geht es für sie nicht nur um einen technischen, sondern vor allem um einen kulturellen Wandel. „Neben FinTechs werden mittelfristig auch Schwergewichte aus dem Technologiebereich etablierte Finanzdienstleister unter Druck setzen – dafür müssen sich die Unternehmen wappnen“,  unterstreichen die Autoren von Roland Berger.

Erwartete Übernahmen

FinTechs zielen in erster Linie auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Branchengrößen ab. Accelerator- (14%) und Inkubatormodelle (9%) sind unter ihnen weniger gefragt. Allerdings rechnen die befragten Jungunternehmer mehrheitlich damit, dass Banken und Versicherungen mit Übernahmen auf die neue Konkurrenz reagieren.

Etablierte Finanzdienstleiter genießen höheres Kundenvertrauen

FinTechs erachten das Vertrauen der Kunden (71%) als wichtigsten Faktor für den Erfolg in der Finanzbranche. Sie sehen sie eine Stärke der etablierten Dienstleister. Die klassischen Anbieter bleiben erste Anlaufstelle für viele Firmen und Privatkunden. Bei anderen wichtigen Kriterien wie der Transparenz von Angeboten und dem Komfort von Services wähnen sich FinTechs im Vorteil.

Außerhalb des regulierten Bereiches

Darüber hinaus gehen 91 Prozent der jungen Unternehmen davon aus, die Bedürfnisse ihrer Kundschaft sehr gut bedienen zu können. Bereiche, in denen Banken und Versicherungen stark aufgestellt sind, wie finanzielle Ressourcen oder die Bekanntheit ihrer Marken, spielen für FinTechs hingegen eine untergeordnete Rolle. Fast drei Viertel meinen, dass umfassende Kenntnisse über regulatorische Rahmenbedingungen keine große Bedeutung für den Firmenerfolg haben, positionieren sie sich doch überwiegend in bisher weniger regulierten Bereichen. Junge Unternehmen sollten regulatorische Aspekte aber auf keinen Fall unterschätzen”, warnt Roland Berger.

FinTech-Stärken: Asset Management, Zahlungsverkehr und Crowdfunding

Für die Studienteilnehmer versprechen die Segmente Investitionen und Asset Management (55%), Zahlungsverkehr (54%) und Crowdfunding (52%) das größte Wachstumspotenzial. Zwei Drittel der Unternehmen rechnen mit einem starken Marktwachstum in ihrem jeweiligen Bereich, wobei Anbieter von Crowdfunding- und Crypto/Blockchain-Lösungen am optimistischsten sind. Dabei konzentrieren sich Jungunternehmer vor allem auf B2B-Angebote. Vermehrt sind die Startups aber interessiert, ihre Services neben Geschäfts- auch Privatkunden zur Verfügung zu stellen.

Österreich ist nicht erste Wahl

Geht es um die wichtigsten Kriterien für die Standortwahl, so achten FinTechs in erster Linie auf die gute Möglichkeit, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Danach folgen die Aufgeschlossenheit der Regulierungsbehörden sowie starke Netzwerke und Investoren vor Ort. Aktuell sehen Gründer die besten Bedingungen für ihr Geschäft in Großbritannien, Irland und Frankreich. “Starre Regulierung und eine überschaubare Investorenlandschaft verhindern ein besseres Abschneiden von Österreich im europäischen Vergleich”, urteilt die Studie. FinTechs fanden hierzulande genügend vielversprechende Talente. Um sie und damit Innovationen zu fördern, seien klare Vorgaben der Regulatoren notwendig.

 

 

 

FacebookTwitterGoogle+LinkedIn
Tags: , , ,