ÖHT: Tourismusbranche steigert Investitionen dramatisch

Fixe 0-Prozent-Finanzierungen haben in Kärnten die Tourismusinvestitionen um das Fünffache ansteigen lassen. |© ruhaltinger
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Fixe 0-Prozent-Finanzierungen haben in Kärnten die Tourismusinvestitionen um das Fünffache ansteigen lassen.

Nach eher verhaltener Investitionstätigkeit setzte die Tourismus- und Freizeitwirtschaft im vergangenen Jahr deutliche Akzente. Von 2015 auf 16 wuchsen die Branchenausgaben um 63 Prozent, wie die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) in ihrem Jahresrückblick mitteilte. In Kärnten gibt es Investitionsfinanzierungen mit “0 Prozent fix”. 

Mehr als 660 Millionen Euro

2016 gab die österreichische Tourismusbranche bei ihren Investitionen wieder ordentlich Gas. 2015 mobilisierten die Förderungen der Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) Ausgaben in Höhe von EUR 406 Millionen. 2016 stiegen die Brancheninvestitionen, die mit Mitteln der ÖHT unterstützt wurden, auf über EUR 660 Millionen ab. Das ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr von rund 63 Prozent. Die ÖHT verweist dabei auf Analysen, dass 60% aller Investitionenim Umkreis von 60 Kilometer um den Investitionsstandort wertschöpfungswirksam wurden. Bis auf etwa 6% bleibe die Wertschöpfung aus der Investitionstätigkeit der Tourismuswirtschaft im Inland. 94,3% aller Fördermittel der ÖHT kommen dabei Kleinbetrieben zugute und unterstützen die klassische österreichische Familien- und Ferienhotellerie.

Mehr Qualität für anspruchsvollere Gäste

Während in den Vorjahren die Betriebsgrößenoptimierung ganz oben auf der Investitionshitliste der Hotellerie stand, überwiegen 2016 wieder Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung. Zu kurz kommen nach Meinung der ÖHT-Experten Maßnahmen zur Verbesserung und Erweiterung der betrieblichen Infrastruktur. Seit 2010 sei der Anteil der Investitionen, die sich damit auseinandersetzen von 19% auf 6% der Gesamtmaßnahmen gesunken. Auch die geförderten Investitionen in Beschneiungsanlagen und überbetriebliche Freizeitinfrastrukturen gehen zurück.

Österreichs Hotellerie lässt die Krise  hinter sich Wien

Die aktuellen Auswertungen der ÖHT zeigen eine deutliche Gesundungsphase seit 2011 und bestätigen der Hotellerie stabile wirtschaftliche Bonität mit dem Bilanzjahr 2015. Mit einer Auswertung von fast 16.000 Jahresabschlüssen zeigt die ÖHT die Branchenentwicklung der letzten Jahre auf. Demnach ist es der Hotellerie gelungen, die negativen Auswirkungen der Wirtschaftskrise hinter sich zu lassen und sich nachhaltig zu stabilisieren. Seit 2011 hat sich das pro verfügbarem Gästezimmer erzielte GOP – das operative Betriebsergebnis – im Jahresdurchschnitt über der Inflationsrate entwickelt. Bei den 4- und 5-Stern-Betrieben ist diese Entwicklung deutlicher, aber auch für die 3-Stern-Häuser war diese entwicklung spürbar.

Risikoübernahme immer wichtiger

Aufgrund der regulatorischen Bedingungen, mit denen Banken konfrontiert sind, steigt die Bedeutung geförderter Finanzierungen. Aktuell scheinen in einer typischen Finanzierungsstruktur für Hotelinvestitionen bereits mehr als 54% geförderte Bestandteile auf, wobei die Haftungsübernahme durch Bund/ÖHT die tendentiell stärksten Zuwächse ausweist. Durch dieses Förderinstrument werden finanzierende Hausbanken von ihrer Eigenmittelunterlegungspflicht befreit. Die Finanzierung von Tourismusunternehmen wird damit für Banken wieder attraktiver.

Vielfältige Finanzierungsformen

Aber auch die Kreditmodelle der ÖHT werden vielfältiger. Die aus Bundesmitteln zinsgestützten „TOP-Tourismus-Kredite“ liegen im Zinssatz bei oder nahe an null Prozent und mit den „ERP-Krediten“ stehen langfristig zinsstabile Finanzierungen zur Verfügung. 2016 konnte aufgrund schwacher Nachfrage aus anderen Wirtschaftszweigen die ERP-Quote für den Tourismus von geplanten EUR 50 Mio. auf über EUR 90 Mio. angehoben werden. Bewährt haben sich auch die über eine Haftung der Republik bei der Europäischen Investitionsbank aufgenommenen „TOP-Impuls-Kredite“. Mit ihnen kann ÖHT grundbücherlich besicherte Darlehen zu besonders günstigen Konditionen vergeben.

Zusammenspiel von Bund un Ländern: Kärnten bei “0 Prozent fix”

Die ÖHT unterstreicht dabei die intensivierten Förderkooperationen mit den Bundesländern. Als best-practice-Beispiel gilt das Zusammenspiel mit Kärnten, wo es gelungen ist, über eine enge Zusammenarbeit mit dem Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds den Investitionsstau in den Kärntner Tourismus- und Freizeitbetrieben zu beenden. Zur Finanzierung von touristischen Investitionen stellt ÖHT extrem zinsgünstige Kredite bereit, die mit einer ÖHT-Haftung nachrangig besichert werden. Der KWF übernimmt den gesamten Zinsendienst über die Laufzeit der Kredite – auch bei eventuellen Anstiegen des Zinsniveaus bleiben die Kreditkonditionen bei „null-Prozent-fix“ und zusätzlich kommt vom KWF – je nach Projektqualität – ein Barzuschuss zwischen 5% und 10% der Investitionskosten. Mit diesem Modell wurden in Kärnten 2016 Investitionen von über EUR 130 Millionen ausgelöst und damit die im Jahr zuvor in Kärnten getätigten Investitionen verfünffacht. Kärnten ist damit in der Förderstatistik der ÖHT vom vorletzten Platz auf Rang 3.

Kredite für Landgasthäuser

Für Landgasthäuser hat die ÖHT ein Fördermodell entwickelt, in dem das Wirtschaftsministerium zu einem von der ÖHT abgewickelten ERP-Kleinkredit den gesamten Zinsendienst übernimmt, alle Gebühren und Spesen abdeckt und auch die Kosten für eine Haftung trägt. Den Betrieben können damit zins- und kostenfreie Kredite zur Verfügung gestellt werden.

Förderungen für digitale Marketing-Angebote

Die ÖHT bietet eine Förderaktion, in der Betrieben und vor allem auch Regionen und Kooperationen zwischen 50% und 70% Barzuschuss auf alle Investitionen gegeben werden, die mit Digitalisierung zu tun haben. Dies kann die Erstellung von Apps sein oder die Stärkung von Direktbuchungen betreffen.

Verdoppelung der Mittel der Tourismusförderung

Die im Ministerrat 2016 beschlossene Investitionszuwachsprämie für KMU’s kann bereits seit 9.1.17 beantragt werden. Dabei stehen Mittel von jährlich 20 Millionen Euro für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft zur Verfügung. In Kombination mit den  Finanzierungsangeboten der ÖHT ist die Prämie ein  konjunktureller Anreiz.  Dabei ist die ÖHT Anlaufstelle für sämtliche Maßnahmen der Investitionszuwachsprämie ab und stellt sicher, dass antragstellende Unternehmerinnen und Unternehmer nicht nur die Prämie, sondern auch ein optimiertes Förderpaket aus einer Hand bekommen. Das Einreichportal der ÖHT zur Investitionszuwachsprämie (IZP) ist bereits offen.

Wofür gibt es die Investitionszuwachsprämie?

Gefördert werden materielle aktivierungspflichtige Neuinvestitionen in das abnutzbare Anlagevermögen von KMU’s, die bei Kleinst- und Kleinunternehmen zumindest um EUR 50.000 (Investitionszuwachs) und bei mittleren Unternehmen zumindest um EUR 100.000 höher liegen als der Wert der durchschnittlichen aktivierten Anschaffungs- und Herstellungskosten der letzten drei Geschäftsjahre; die Förderung besteht in einem 10%igen (mittlere Unternehmen) bis 15%igen (kleine Unternehmen) Barzuschuss. Die ÖHT prüft in jedem einzelnen Fall, ob nicht durch andere Förderungen des Hauses oder im Rahmen von Länderkooperationen zusätzliche Unterstützungen für die Tourismusbetriebe möglich sind.

Aufstockung des Haftungsrahmens im Laufe des Jahres

Wirtschaftsminister nReinhold Mitterlewhgner kündigte anlässlich der Jahrespressekonferenz der ÖHT auch an, dass es zu einer Aufstockung des bereits nahezu aufgebrauchten Haftungsrahmens für die ÖHT kommen werde. Er spricht dabei von weiteren EUR 250 Millionen, die im ersten Halbjahr 2017 beschlossen werden sollen.

 

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