Konsumverhalten: Wofür die ÖsterreicherInnen ihr Geld ausgeben

ÖsterreicherInnen geben mehr für Erotikartikel als für Weiterbildung aus. Wir haben uns für ein Bild zum Thema Weiterbildung entschieden. |© ruhaltinger
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ÖsterreicherInnen geben mehr für Erotikartikel als für Weiterbildung aus. Und private Schulausgaben sind niedriger als Begräbniskosten.

Die Ausgaben für Bauen und Wohnen stellt in den meisten Haushaltsbudgets den größten Brocken dar. Die hohen Privatausgaben für ärztliche Leistungen lassen das vielgelobte österreichische Gesundheitssystem immer mehr zum Mythos werden, heißt es im Branchenradar von Kreutzer, Fischer und Partner.

46.900 Euro pro Haushalt

Mit 179,1 Milliarden Euro erreichten die privaten Ausgaben und Investitionen im vergangenen Jahr ein All-time-High. Auch der Anstieg von +1,6% war signifikant. Allerdings beruhte der Zuwachs kaum auf tatsächlichen Mehrausgaben bezogen auf den einzelnen Haushalt. Mit durchschnittlich 46.900 Euro pro Haushalt lagen die Aufwendungen nur geringfügig über dem Wert aus 2014 (+0,3% ). Treiber war vielmehr ein Plus bei der Anzahl der Privathaushalte auf 3,82 Millionen (+1,3% ).

Das meiste Geld für Dach über dem Kopf

Den mit Abstand größten Ausgabenblock stellte einmal mehr der Bereich Bauen & Wohnen mit 49,1 Mrd. Euro oder 27,4% der Gesamtausgaben. Dahinter folgten mit einem Anteil von 15,9% die Ausgabengruppen Freizeit/Urlaub(28,4 Mrd. Euro), Institutionalisierte Einkäufe (Lebensmittel, Drogeriewaren etc.) mit 14,9% (26,6 Mrd. Euro) sowie Mobilität (Privater und Öffentlicher Verkehr) mit 11,4% (20,5 Mrd. Euro). Weitere 16,6 Milliarden Euro (9,3% ) wurden für Persönliche Gebrauchsgegenstände wie bspw. Bekleidung oder Persönliche Dienstleistungen (z.B. Friseur) ausgegeben, 12,6 Milliarden Euro (7,0% v.T.) flossen in Kredit- und Darlehensrückzahlungen sowieSonstigen Finanzaufwand (z.B. Kontogebühren, Strafen, Gebühren, Spenden etc.). Mit annähernd derselben Summe, nämlich 12,2 Milliarden Euro (6,8% v.T.), stützten die privaten Haushalte aus ihrem Nettoeinkommen das heimische Gesundheits- und Pflegesystem, das im Prinzip eigentlich aus Sozialabgaben und Steuermitteln zu finanzieren wäre. Die restlichen rund 13 Milliarden Euro wurden u.a. für Kommunikation (Telefon/Internet), Medienkonsum, Bildung oder Kinderbetreuung außer Haus verwendet.

Billiger Treibstoff beflügelt Gastronomie

Hinsichtlich der Entwicklung gab es im Jahr 2015 keinen einheitlichen Trend. So sanken etwa die Ausgaben für Mobilität um -2,7% , nicht zuletzt wegen der deutlich günstigeren Mineralölpreise. Durch den Preisverfall wurden 835 Millionen Euro an Kaufkraft freigegeben, wovon wiederum die Gastronomie und Freizeitwirtschaft sowie die Modeindustrie überproportional profitierten.

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Keine Langfristplanung möglich

Starke Zuwächse gab es auch in der Wohnraumbeschaffung (+5,2% ), der Renovierungsmarkt entwickelte sich hingegen rückläufig (Baubedarf für Gebäudesanierung:-2,5% ), im Wesentlichen als Folge des vergleichsweise schwachen Zukunftsvertrauens in breiten Teilen der Bevölkerung, zumal Sanierungen in der Regel nicht zeitgebunden sind. Die Wohnraumbeschaffung wird indessen vielerorts als Zukunftsinvestition verstanden (z.B. Vorsorgewohnung) und durch günstige Finanzierungs-konditionen angeschoben. Aber auch die Ausgaben für Gesundheit(medizinische Leistungen, Medikamente etc.) oder Pflege-Dienstleistungen wuchsen mit +4,0%  robust. Bei niedergelassenen Ärzten (ohne Zahnärzte) lag das Plus sogar bei +6,3% .

Begräbniskosten höher als private Schulausgaben

Neben Angaben zu Volumen und Entwicklung liefert die Untersuchung kuriose Einblicke in die Ausgaben-Prioritäten der heimischen Haushalte. So wurden beispielsweise im letzten Jahr Erotikartikel im Wert von 178 Millionen Euro erstanden (+7,1% ). Die Investition in Berufliche Weiterbildung lag indessen gerade einmal bei 133 Millionen Euro (-1,5% . Offensichtlich geht man hierzulande davon aus, dass Bildung entweder vom Staat oder aber vom Arbeitgeber zu finanzieren ist, denn insgesamt wurden am Markt für berufliche Weiterbildung mehr als 600 Millionen Euro umgesetzt (ohne AMS-Schulungen). Oder: Die Ausgaben für Totengedenken (Begräbniskosten, Friedhofsgebühr, Grabpflege) betrugen zuletzt 814 Millionen Euro, für Schulgeld, Studiengebühren und ÖH-Beitrag wurden 540 Millionen Euro ausgegeben. Und mit einem Augenzwinkern lässt sich auch das Ausgabenverhältnis zwischen Damen- und Herrenbekleidung(jeweils inkl. Schuhe) betrachten. Männer haben sich um insgesamt 2,4 Milliarden Euro eingekleidet, Frauen gab es um 5,4 Milliarden mehr. Und während die Ausgaben für Männer stagnierten, gab es bei den Damen ein Plus von gut fünf Prozent .

Private Mobilität geht voll ins Geld

Aufschlussreich sind auch die Proportionen zwischen den Ausgaben für den privaten und öffentlichen Verkehr. Urlaubsreisen werden in dieser Darstellung nicht berücksichtigt dafür sind beim privaten Verkehr auch die KFZ-Anschaffungskosten inkludiert. So summieren sich die Ausgaben für Jahr 2015 auf 18,9 Milliarden Euro. Demgegenüber stehen die Aufwendungen für den öffentlichen Verkehr mit lediglich 1,6 Milliarden Euro. Die enorme Differenz resultiert laut KFP aus der Tatsache einer asymmetrischen steuerlichen Belastung des Individualverkehrs zu Gunsten des öffentlichen Verkehrs (Tarifstützungen).

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