Mittelstandsbarometer: Facharbeitermangel bedroht gute Geschäfte

Trotz hoher Arbeitslosigkeit: Der facharbeitermangel macht den Unternehmen zunehmend zu schaffen. Ansonsten sind KMU mit ihren Geschäften zufriedener als in den Jahren zuvor. | © FMMI
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Trotz hoher Arbeitslosigkeit: Der Facharbeitermangel bremst die Dynamik der heimischen Unternehmen 

Der Mittelstandsbarometer der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY zeigt nach oben: Mehr als die Hälfte der anlaysierten Unternehmen in Österreich sei mit der Geschäftslage uneingeschränkt zufrieden. Dies stelle den höchsten Wert seit fünf Jahren dar. Alarmierend ist aber der Facharbeitermangel, der die Dynamik brachen lässt.

Zunahme von 7 Prozent

Die wachsende Zufriedenheit im österreichischen Mittelstand lässt die Stimmung auf ein neues Hoch klettern: 57 Prozent der heimischen Unternehmen – und damit um sieben Prozentpunkte mehr als noch im Jänner 2016 – sind uneingeschränkt zufrieden mit ihrer derzeitigen Geschäftslage. Insgesamt 88 Prozent sind grundsätzlich zufrieden. So hoch war die Zufriedenheit der heimischen Unternehmen zuletzt vor genau fünf Jahren im Jänner 2012. Besonders gut ist die Geschäftslage derzeit im Handel: Dort sind 65 Prozent der Befragten uneingeschränkt zufrieden.

Höhere Investitionen – mehr Jobs

Demensprechend wollen Österreichs Unternehmen auch so stark investieren und so viele zusätzliche Mitarbeiter einstellen wie seit Jahren nicht mehr. Getrübt wird das Stimmungshoch hingegen durch den weiter verschärften Fachkräftemangel und eine aus Sicht der meisten Unternehmen nicht zufriedenstellende Standortpolitik. Für die Erstellung des Mittelstandsbarometers der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY.wurden insgesamt 900 mittelständische Unternehmen in Österreich im Dezember 2016 telefonisch befragt.

EU-weite Erholung

“Die Erholung in der Eurozone beflügelt die Geschäfte im österreichischen Mittelstand. Das spiegelt sich auch in der Beschäftigungspolitik wider: Nur zwölf Prozent reduzieren voraussichtlich ihren Personalstand, fast jeder Dritte möchte schon in der ersten Jahreshälfte zusätzliche Mitarbeiter einstellen – so viele neue Stellen wollten heimische Unternehmen zuletzt vor neun Jahren schaffen“, so Helmut Maukner, Country Managing Partner bei EY Österreich.

Fachkräftemangel verschärft sich: Drei Viertel können Stellen nicht besetzen

Der weiter steigende Fachkräftemangel könne der positiven Beschäftigungsdynamik im österreichischen Mittelstand allerdings einen Strich durch die Rechnung machen. „Der Arbeitsmarkt in Österreich kann derzeit nicht mit den Personalplänen der Unternehmen Schritt halten. Der Fachkräftemangel wird immer bedrohlicher: Drei Viertel der österreichischen Unternehmen und damit mehr als je zuvor haben derzeit Probleme, geeignete Fachkräfte für offene Stellen zu finden“, so EY Österreich.

Techniker bleiben Mangelware

Fast jeder zweite Betrieb in Österreich kann derzeit Positionen in der Produktion nicht mit geeigneten Mitarbeitern besetzen. Der Technikbereich ist dabei ganz klar die größte Baustelle bei vakanten Stellen.

Erfolglose Suche nach geeigneten Bewerbern verursacht Umsatzeinbußen

Bei immer mehr Unternehmen schlägt sich der Mangel an qualifizierten Fachkräften für offene Stellen auch auf die Umsatzentwicklung nieder: Mehr als jeder Zweite (56%) beklagt derzeit Umsatzeinbußen infolge des Fachkräftemangels – vor einem Jahr lag der Anteil mit 59 Prozent allerdings noch etwas höher. Besonders angespannt ist die Situation bei Finanzdienstleistern und Handelsunternehmen, wo 21 bzw. 20 Prozent sogar erhebliche Umsatzeinbußen von mehr als fünf Prozent hinnehmen müssen. Dementsprechend betrachten österreichische Unternehmen den Fachkräftemangel auch als größte Gefahr für die Entwicklung ihres Unternehmens. Knapp die Hälfte (48%), und damit deutlich mehr als noch vor einem Jahr (39%), sieht darin eine eher große oder sogar sehr große Gefahr. Eine mögliche schwache Konjunkturentwicklung im Inland sowie volatile Rohstoffpreise werden von je 42 Prozent als größte Gefahr gesehen.

Investitionen steigen stark – moderates Umsatzplus erwartet

Trotz des Fachkräftemangels ist die Stimmung im österreichischen Mittelstand gut. Das lässt sich auch an den Investitionsplänen ablesen. Mehr als jedes vierte Unternehmen (27%) wird in den kommenden sechs Monaten stärker investieren – so viele waren es zuletzt vor über sechs Jahren. Nur jedes neunte Unternehmen plant die eigenen Investitionen zurückfahren. Von diesen Investitionen würden sich die befragten Unternehmen zumindest ein moderates Umsatzplus erwarten: Jeder Zweite verspricht sich für 2017 höhere Umsätze als im Vorjahr, nur jeder Zehnte geht von Einbußen aus.  Im Durchschnitt rechnen die heimischen Betriebe mit einem Umsatzplus von 1,5 Prozent. Dafür soll vor allem eine weitere Verbesserung der Geschäftslage, mit der mehr als ein Drittel rechnet, sorgen.

Schlechte Noten für Österreichs Standortpolitik – Vorarlberg mit bestem Zeugnis

Von der Politik erwarten sich dabei aber nur die Wenigsten Unterstützung: Lediglich 14,5 Prozent der heimischen Betriebe stellen der Standortpolitik in Österreich ein positives Zeugnis aus: Nur jeder Hundertste (1,1%) vergibt einen „Einser“, 13,4 Prozent vergeben ein „Gut“. Die Mehrheit (50,3%) bewertet die Standortpolitik als „Befriedigend“ (Note 3), mehr als jeder Dritte (35,4%) vergibt sogar eine negative Bewertung. Damit ist die Zufriedenheit der österreichischen Unternehmen mit der Standortpolitik im Vergleich zum Vorjahr, wo immerhin 17,7 Prozent eine positive Bewertung abgegeben haben, weiter gesunken.

Lokale und regionale Politik wird besser bewertet

Deutlich zufriedener sind die heimischen Betriebe hingegen mit der Standortpolitik in ihrem jeweiligen Bundesland: Für diese vergeben immerhin 35,8 Prozent eine gute Note, nur 18,8 Prozent sind unzufrieden. Das beste Zeugnis verteilen die ansässigen Betriebe für die Standortpolitik der Landesregierungen in Vorarlberg (52% „positiv“), gefolgt von Oberösterreich (41%) und Tirol (39%). Besonders unzufrieden mit der Standortpolitik in ihrem Bundesland sind Betriebe aus Kärnten: Dort bewerten nur 17 Prozent die Wirtschaftspolitik als gelungen.

 

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