Mobilität der Zukunft: Warum Regionalzüge bald ausgedient haben

Google-Test des autonomen Fahrens: in 25 Jahren private Ausgaben für eigene Autos um 25 bis 30 Prozent zurückgegangen  |© Michael Shick/-wikipedia
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Google-Test des autonomen Fahrens: Autonome Kleinbusse sollen Mobilität in ländliche Regionen verbessern.  

Mobilität wird sich in den nächsten 25 Jahren grundlegend verändern. Das autonome Fahren bringe frische Optionen, meint eine Studie von der Münchner Unternehmensberatung Oliver Wyman. Traditionelle Verkehrsunternehmen übernehmen neue Rollen.

Regionale Zugverbindungen werden ersetzt

Die Entwicklung des Verkehrssektors wird vom Verzicht vieler Menschen auf das eigene Auto geprägt. „Shared Mobility“ mit individualisierten Mobilitätslösungen werde die Bedarfslücke schließen, heißt es in der Studie. Darüber hinaus ist ein endgültiger Abschied des Schienenverkehrs aus dünn besiedelten Regionen zu erwarten. Automatisiert fahrende Elektro-Kleinbusse werden deren Rolle übernehmen. Durch die flächendeckende Anwendung intelligenter Technologien könnten neue Akteure optimale Reiseketten zusammenstellen und die traditionellen Verkehrsunternehmen dazu zwingen, ihr Geschäftsmodell zu verändern.

Kein eigenes Auto

In den kommenden Jahren und Jahrzehnten werden sich immer mehr Menschen individuelle Mobilitätswünsche mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrrad oder Mietwagen – vom klassischen Angebot bis zum Car Sharing –  ohne eigenes Auto erfüllen. Die “Shared Mobility” wird in den nach wie vor weiter wachsenden Städten und Ballungsgebieten einen nennenswert größeren Anteil erreichen – in Europa und in der ganzen Welt, heißt es bei Oliver Wyman. Diese Entwicklung habe erhebliche Konsequenzen für die Automobilindustrie: Es sei zu erwarten, dass in 25 Jahren private Ausgaben für eigene Autos um 25 bis 30 Prozent zurückgegangen sein würden.

„Shared Mobility“ auf dem Vormarsch

Vor allem in den hoch entwickelten Industrieländern werde dieser Trend spürbar werden, ermittelte die Untersuchung. So würden in Deutschland die Ausgaben für die individuelle Automobilität von derzeit rund 75 Prozent aller Ausgaben für den Personentransport auf 56 Prozent zurückgehen. Ähnliche Entwicklungen seien auch in den anders strukturierten Ländern USA und China zu verzeichnen. Bei der Shared Mobility erwartet die Studie „dramatische Zuwächse“, vor allem mit der weiteren technischen Entwicklung des autonomen Fahrens. Annähernd zwei Drittel der befragten Verkehrsexperten waren einstimmig überzeugt, dass dies die Sharing-Entwicklungen beschleunigen werde.

Autonomes Fahren verbessert öffentlichen Nahverkehr

Die Möglichkeiten des autonomen Fahrens werden den öffentlichen Nahverkehr in dünn besiedelten Regionen nicht nur erhalten, sondern verbessern.  Automatisiert fahrende Elektro-Kleinbusse werden künftig viele regionale Strecken mit geringer Verkehrsnachfrage flexibler und weitaus kundengerechter bedienen können als heute – wenn überhaupt noch fahrende – Nahverkehrszüge. Dies betreffe besonders Dörfer und kleine Städte, aber auch Verbindungen, die außerhalb des Pendler-Berufsverkehrs nur wenig ausgelastet sind.

Rückzug aus dem regionalen Schienenverkehr

Die Studie erwartet einen weit gehenden Rückzug des Schienenverkehrs aus der Fläche – nicht zuletzt auch wegen der hohen Investitionen in Infrastruktur, Rollmaterial und Kosten des laufenden Betriebs. Bis 2040 würden allein in Deutschland 20 bis 30 Prozent der Ausgaben für Schienen und Züge eingespart werden. Eisenbahnen werden in der Mobilitätswelt der Zukunft jedoch gleichwohl ihre Berechtigung haben: Auf den großen Verkehrsachsen und in den Ballungszentren wird die Arbeitsteilung genau anders herum funktionieren. Hier wird man das Eisenbahnnetz weiter ausbauen müssen. Gerade im Hinblick auf die Klimaschutzziele der Pariser Klimakonferenz von 2015 stellten moderne, leistungsfähige und hochwertige Bahnangebote das Rückgrat der Mobilität dar. Sharing-Angebote oder autonome Elektrobusse würden dann häufig die individuelle Zubringer-Funktion zu Mobilitäts-Hubs übernehmen.

Intelligente Lösungen, mangelnde Vorbereitung

Intelligente Lösungen, insbesondere selbstlernende Systeme und vermehrte Vernetzung aller Verkehrsträger, werden der Studie zufolge das Mobilitätsverhalten völlig verändern. Verstärkt würden spezielle Dienstleister für die Kunden über Apps individuelle Pakete zusammenstellen, die das Verkehrsangebot zur kompletten, optimalen Reisekette verbinden, losgelöst von der Verkehrsmittelwahl. Damit rechnet ein Großteil der befragten Experten. Zwei Drittel erwarten zudem eine Zunahme der Mobilität, veranlasst durch bessere, individuellere Angebote. Die Mobilitätsdienstleister könnten nach dem Vorbild der heute bereits existierenden Buchungsportale für Hotels, Flüge und Urlaubsreisen durchaus branchenfremde Newcomer sein. Die heutigen Player in der Verkehrsbranche sind noch weit davon entfernt, sich strategisch auf die neue Situation einzustellen. Besonders deutlich werde das in einem Punkt der Befragung: Zwar hätten 58 Prozent ihre Veränderungsbereitschaft formuliert, doch nur fünf Prozent daraus die dafür nötigen Schlüsse für zukünftige Investitionen oder Geschäftsfelder gezogen.

 

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