Sechs von zehn Tirolern wissen nichts von einer Pensionslücke

05. Dezember 2011 Drucken

70% der Tiroler setzen auf das Finanzwissen ihres Bankberaters, da sie sich nur durchschnittlich informiert fühlen. 40% haben dabei mehr als 5.000 Euro als finanziellen Polster jederzeit verfügbar. Und Altervorsorge verträgt kein Risiko: Dies meinen 66% der Befragten, die an einer Umfrage der GfK Austria, der s Versicherung und der Erste Bank & Sparkassen teilgenommen […]

70% der Tiroler setzen auf das Finanzwissen ihres Bankberaters, da sie sich nur durchschnittlich informiert fühlen. 40% haben dabei mehr als 5.000 Euro als finanziellen Polster jederzeit verfügbar. Und Altervorsorge verträgt kein Risiko: Dies meinen 66% der Befragten, die an einer Umfrage der GfK Austria, der s Versicherung und der Erste Bank & Sparkassen teilgenommen haben. Bestätigt wurde das Ergebnis durch die Tatsache, dass 59 Prozent der Befragten zu dem Begriff „Pensionslücke“ falsche oder keine Assoziationen hatte. Und ganze 43% der Tiroler haben sich mit dem Thema Pensionslücke noch überhaupt nicht beschäftigt.

Die neue Studie „Finanzwissen und Vorsorgepraxis“ von GfK Austria im Auftrag von s Versicherung und Erste Bank & Sparkassen bringt erstaunliche Ergebnisse: Von den befragten Tirolerinnen und Tirolern zwischen 15 und 60 Jahren fühlt sich die Mehrheit bei Finanzthemen nur durchschnittlich informiert. Bei den Themen „Sparen und anlegen“ glauben sich die Tiroler ganz gut informiert, doch zu den Themenkreisen „Versicherungen“ und „finanzielle Vorsorge“ sehen die Befragten Nachholbedarf. Männer sind im Durchschnitt deutlich mehr von ihrem Finanzwissen überzeugt als Frauen.

65% betrachten die Familie als wichtige Informationsquelle für Finanzthemen
Die Tiroler sind Familienmenschen. Auch bei Finanzthemen ist für beinahe zwei drittel der Befragten die Familie eine wichtige Informationsquelle. Dabei suchen 75% der weiblichen Befragten Rat im Familienkreis, aber nur 55% der Männer. Hoch im Kurs bei allen Tirolern stehen einschlägige Dienstleister wie zum Beispiel Bank- oder Versicherungsberater. 70% wenden sich an den Bankberater und 43% an den Versicherungsberater. Erstaunlich ist, dass die Tiroler bei Geldfragen Medien (47%) oder Internet (50%) doch deutlich mehr abgewinnen können als das im Österreichschnitt der Fall ist. Öffentlichen Einrichtungen (7%) hingegen wird auch in Tirol nur vergleichsweise wenig Vertrauen entgegengebracht. Acht von zehn Befragten finden, dass Banken zuständig sind für das Thema Finanzbildung. Immerhin jeder Zweite (48%) betrachtet Schulen und Universitäten als verantwortliche Wissensvermittler. Es gibt aber einen deutlichen Unterschied zwischen Stadt und Land. Für 59% aller Österreicher aus urbanen Gebieten sind sehr wohl öffentliche Einrichtungen wie zum Beispiel die Bundesregierung, Ministerien oder die OeNB für die Vermittlung von Finanzwissen zuständig. Anders sieht es auf dem Land aus. Hier sehen nur 39% öffentliche Einrichtungen in der Informationspflicht.

59% der Tiroler wissen nicht, was die „Pensionslücke“ ist
In Politik und Medien ist die Pensionslücke bzw. das Pensionsloch seit Jahren ein vieldiskutiertes Thema. Umso überraschender ist das Ergebnis der vorliegenden Studie: Nur 41% konnten den Begriff richtig zuordnen und wählten die Antwort „Differenz zwischen dem letzten Aktiveinkommen und der staatlichen Pensionsleistung“. Unglaubliche 59% der Befragten konnten den Begriff nicht richtig zuordnen. So interpretierten 21% den Begriff „Pensionslücke“ dahingehend, dass der Staat grundsätzlich keine Pension auszahlt, 8% waren der Meinung, es handle sich dabei um die Verschiebung des Pensionsantrittsalters. Und 21% konnte mit dem Begriff überhaupt nichts anfangen. Im Geschlechtervergleich zeigte sich, dass 25% der weiblichen Befragten und 17% der männlichen Befragten den Begriff „Pensionslücke“ nicht kannten. Als entscheidende Stelle für Informationen rund um das Thema Pensionslücke erachten 28% der Tiroler die Pensionsversicherungsanstalt. Auf den Plätzen folgt mit 23% der Bankberater und mit 20% der Versicherungsberater.

Jeder Dritte unterschätzt die Pensionslücke
Die Frage nach der Höhe der zu erwartenden Pensionslücke zeigt deutlich, dass die Erwartungen der Befragten hier tendenziell zu optimistisch sind. Jeder Dritte (31%) erwartet bei Pensionsantritt „nur“ einen Verdienstentgang von brutto 400 bis 800 Euro. Experten rechnen aber bei einem durchschnittlichen Arbeiter bzw. Angestellten zwischen 30 und 45 Jahren mit einem durch die Pensionslücke bedingten monatlichen Verdienstausfall von 800 bis 1.000 Euro. Und ganze 43% haben sich mit dem Thema Pensionslücke noch überhaupt nicht beschäftigt.

Zwei Drittel der Befragten wollen bei der Veranlagung kein Risiko eingehen
Die Finanzkrise zeigt beim Thema der finanziellen Vorsorge landesweit noch immer Nachwirkungen. 66% der Studienteilnehmer wollen nur „geringes bzw. kein Risiko in der Veranlagung“. 55% wollen gar eine „Kapitalgarantie“. Interessant ist, dass 64% der Männer Wert auf „Kapitalgarantie“ legen, aber nur 47% der Frauen. Mit nur 25% Zustimmung sind „hohe Rendite bzw. hohe Zinsen“ vergleichsweise unwichtig bei der Altersvorsorge. Gleichzeitig sind 36% der Tiroler eher bzw. sehr unsicher, ob die eigene finanzielle Vorsorge den gewohnten Lebensstandard auch in der Pension weiterhin garantieren kann.

54% schwören auf die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge
Als bestes Produkt für die Altersvorsorge wird von 54% der Befragten die „Pensionsvorsorge mit staatlicher Förderung“ betrachtet. Knapp gefolgt von der privaten Krankenversicherung (40%). Auf ähnlich hohem Niveau rangieren bei den Befragten die „Private Zusatzpensionsversicherung“ mit 33% Zustimmung und die „Lebensversicherung“ mit 30%. „Sehr skeptisch hingegen stehen die Tiroler der „Firmenpension“ gegenüber. Nur 12% halten diese für das beste Produkt für die Altersvorsorge“, so Schuster zu diesem überraschenden Ergebnis.

Dominanz des Sparbuchs ist ungebrochen
Eine echte Überraschung lieferte die Befragung beim Thema Sparbuch. Nur 31% erachten dieses als geeignetes Altersvorsorgeinstrument. Wobei gleichzeitig 81% angeben, bereits ein Sparbuch als Vorsorge angelegt zu haben. Sehr beliebt sind bei den Österreichern aber auch klassische Vorsorgeprodukte wie der Bausparer (58%) und die Lebensversicherung (42%). Mit einigem Abstand folgen die private Zusatzpensionsversicherung (27%) und die Firmenpension (15%). Jene Personen, die angeben, sehr bzw. eher informiert zu einzelnen Finanzthemen zu sein, haben auch überdurchschnittlich häufig das Produkt Lebensversicherung oder die Pensionsvorsorge mit staatlicher Förderung abgeschlossen.

Nur 53 Euro fließen in die Altersvorsorge
2010 meinten die Tiroler, sie wollten durchschnittlich 104 Euro im Monat für die eigene Vorsorge zur Seite legen. Tatsächlich sind es aber aktuell nur 53 Euro. Dabei ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen durchaus gegeben: Männer geben 61 Euro pro Monat für die Altersvorsorge aus, Frauen mit 44 Euro doch klar weniger. Immer noch knapp jeder Dritte (30%) gibt an, nichts für die eigene Altersvorsorge zur Seite zu legen.
51% der Tiroler rechnen mit einer Einkommenssteigerung
Die Meinung der Tiroler zu ihrer künftigen Einkommensentwicklung ist eher optimistisch. Immerhin 51% (das sind um 10% mehr als im Österreichschnitt) rechnen mit einer Einkommenssteigerung in den nächsten drei Jahren. 22% rechnen mit einem gleichbleibenden Einkommensniveau, und nur acht von hundert Befragten glauben an eine Einkommenssenkung. Von den 51% der Tiroler, die mit einer Einkommenssteigerung rechnen, ist jeder Zweite (51%) bereit, auch die monatliche Prämie seiner privaten Altersvorsorge zu erhöhen. Jeder Dritte (33%) würde den Betrag allerdings gleich belassen.

40% der Befragten haben mehr als 5.000 Euro verfügbar
Die Tiroler sind finanziell sehr solide aufgestellt. Wie groß ist aber jetzt der finanzielle Polster für unvorhergesehene Ereignisse wie z.B. eine kaputte Waschmaschine oder eine Autoreparatur? 24% der Befragten können sofort bis zu 5.000 Euro abrufen. 40% und damit um 10% mehr als im Österreichschnitt können im Notfall sogar darüber hinaus Geld rasch locker machen. Nur 6% verfügen über kein finanzielles Polster.