Studie: Zukunft der Nutzfahrzeugbranche

16. Dezember 2011 Drucken

Der Weltmarkt für Nutzfahrzeuge wächst, bleibt aber volatil. Ein Treiber der Dynamik bleiben E-Trucks, die laut Studie des Beratungsunternehmens Oliver Wyman global zu einem Milliardenmarkt werden.  Noch können sich die optimistischen Prognosen für 2011 bewahrheiten, die einen Absatz von rund 2,6 Millionen LKWs sehen (2008: 2,7 Mio LKWs). In China und Russland entsteht durch den […]

Der Weltmarkt für Nutzfahrzeuge wächst, bleibt aber volatil. Ein Treiber der Dynamik bleiben E-Trucks, die laut Studie des Beratungsunternehmens Oliver Wyman global zu einem Milliardenmarkt werden.  Noch können sich die optimistischen Prognosen für 2011 bewahrheiten, die einen Absatz von rund 2,6 Millionen LKWs sehen (2008: 2,7 Mio LKWs). In China und Russland entsteht durch den Ausbau der Infrastruktur ein attraktives „Mittelklasse-Segment“ für LKWs. Die  Volksrepublik ist bei LKWs über sechs Tonnen mit verkauften 1,2 Millionen Fahrzeugen mittlerweile der größte Markt der Welt.

Der weltweite Nutzfahrzeugmarkt hat sich nach der Krise 2009 erholt. Zwar bremst die Branche gerade ein. Noch aber könnten sich die optimistischen Prognosen für 2011 bewahrheiten, die einen Absatz von rund 2,6 Millionen LKWs sehen – im Spitzenjahr 2007 wurden 2,3 Millionen verkauft, 2009 lediglich 1,8 Millionen. Verantwortlich für die zuletzt  positive Entwicklung sind insbesondere die BRIC-Länder, allen voran China. Die  Volksrepublik ist bei LKWs über sechs Tonnen mit verkauften 1,2 Millionen Fahrzeugen mittlerweile der größte Markt der Welt. Dennoch bleibt der Gesamtmarkt für Nutzfahrzeuge volatil und die Unsicherheit damit groß. Gerade in China lässt die Wachstumsdynamik bereits nach.

Profitabilität sichern
Insgesamt werden die Konjunkturzyklen künftig kürzer und die Ups und Downs stärker.  Entsprechend müssen die etablierten Hersteller in der Lage sein, ihre Produktionskapazitäten flexibel anzupassen. Darüber hinaus sollten sie nichtdifferenzierende  Wertschöpfungsschritte und Aktivitäten, die nicht Kernkompetenz sind, auslagern sowie das After-Sales-Geschäft absichern. Noch wichtiger aber ist, dass sie ihre Profitsituation nachhaltig verbessern. Etablierte Nutzfahrzeugproduzenten schaffen es bislang nicht, ihre Größenvorteile in bare Münze umzusetzen

Globalisierung nimmt neue Dimensionen an
In China und Russland wird die Infrastruktur mehr und mehr ausgebaut. Infolgedessen steigt das Volumen des Straßengütertransports. Auch die Transportunternehmen selbst werden professioneller. Zugleich wachsen ihre Anforderungen an Produkt-und Servicequalität – und damit auch die Budgets.
Dadurch entsteht ein lukratives „Mittelklasse“-Segment. Dieses wird bis zum Jahr 2020 mehr als 30 Prozent des Nutzfahrzeugmarkts beider Länder ausmachen. Um von diesem Geschäft profitieren zu können, müssen sich westliche OEMs mit den richtigen Produkten etablieren und lokale Vertriebs-und Servicenetze aufbauen. Zudem gewinnen neue Wachstumsregionen wie Südostasien, Mittlerer Osten und Afrika an Gewicht.

Afrika gewinnt langfristig an Bedeutung.
Starke Hersteller vor allem aus China verschaffen sich schon heute eine starke Ausgangsposition. Dagegen laufen die westlichen Produzenten Gefahr, die Chancen der Emerging Markets 2.0 zu verpassen. Die etablierten Hersteller müssen schnellstmöglich die Tür zu diesen Märkten aufstoßen und eine klare Produktions-und Absatzstrategie entwickeln.

Schlüsseltrend „grün“
Angesichts wachsender Transportvolumina, verschärfter Abgasregulierung, emissionsfreier Megacitys sowie steigender und schwankender Kraftstoffpreise geraten auch die Nutzfahrzeughersteller unter Zugzwang. Bis 2020 müssen die besten OEMs „grün“ sein – indem sie sowohl „grüne“ Trucks entwickeln, herstellen und vertreiben als auch „grüne“ Prozesse haben und ein entsprechendes Image aufbauen. Dies setzt unter anderem mehr Kraftstoffeffizienz durch beispielsweise bessere Aerodynamik bei XXL-Lastzügen oder eine intelligente, IT-basierte Fahrer-Fahrzeug-Schnittstelle voraus. Ein wichtiger Faktor sind alternative Antriebskonzepte, allen voran die hybrid-elektrische Antriebstechnologie. Entwicklung, Produktion und Vermarktung von hybrid-elektrischen Trucks werden einen wesentlichen Einfluss auf das „grüne“ Image haben. Doch auch Organisationsprozesse und Wertschöpfungskette müssen entsprechend ausgerichtet werden. Strategische Partnerschaften gewinnen in dem Zusammenhang immer mehr an Gewicht. Der Aufwand lohnt sich. Immerhin wird sich laut Oliver Wyman-Studie das weltweite Marktpotenzial der hybrid-elektrischen Antriebssysteme für Trucks bei günstigem Eintrittsszenario im Jahr 2020 auf mehr als sieben Milliarden Euro belaufen.