OeNB: Fakten zu Österreich und seinen Banken

09. Januar 2012 Drucken

Die Schulden- und Finanzkrise wird in weiten Diskussionsbereichen wenig faktenbasiert behandelt. Das Oesterreichische Nationalbank publizierte im Herbst eine Unterlage, in der die Daten zu Österreichs Wirtschaftsentwicklung seit Einführung des Euros und die Wettbewerbsposition der heimischen Banken zahlenbasiert wiedergegeben werden. Nach Aussage der OeNB und des Bundesministierums für Finanzen, auf deren Website die Broschüre als Download […]

Die Schulden- und Finanzkrise wird in weiten Diskussionsbereichen wenig faktenbasiert behandelt. Das Oesterreichische Nationalbank publizierte im Herbst eine Unterlage, in der die Daten zu Österreichs Wirtschaftsentwicklung seit Einführung des Euros und die Wettbewerbsposition der heimischen Banken zahlenbasiert wiedergegeben werden. Nach Aussage der OeNB und des Bundesministierums für Finanzen, auf deren Website die Broschüre als Download bereitgestellt ist, werden die Daten den Entwicklungen entsprechend aktualisiert. Die Kernaussagen aus dem Bankenbereich: Das Engagment der Banken in den Ostmärkten ist hoch, aber breit gestreut. Die konsolidierte Kernkapitalquote der heimischen Banken stieg Mitte 2011 auf rund 10,3 % und die Solvabilitätsquote auf 13,5 % an. Dies ist im internationalen Vergleich zwar unterdurchschnittlich, aber deutlich besser als vor der Krise. Die Auslandsforderungen der österreichischen Banken (126 % des BIP) sind im Vergleich zu anderen Ländern, wie z.B. der Schweiz (331 % des nationalen BIP) relativ niedrig.

Höheres Wachstum und mehr Wohlstand in Österreich
Österreich konnte in neun der letzten zehn Jahre ein höheres reales BIP-Wachstum als der Euroraum erzielen. Das durchschnittliche jährliche Wachstumsdifferenzial betrug 0,4 Prozentpunkte. Auf Basis der aktuellen Prognosen ist auch weiterhin mit einem Wachstumsvorsprung zu rechnen. Österreich zeichnet sich aber nicht nur durch eine höhere Wachstumsdynamik, sondern auch durch ein überdurchschnittliches Wohlstandsniveau aus. Gemessen am BIP/Kopf in Kaufkraftstandards konnte Österreich in den vergangenen zehn Jahren einen Vorsprung von durchschnittlich 14 % erzielen.

Österreich hat die niedrigste Arbeitslosenquote in der EU
Von Österreichs mittel- und langfristig guter Wachstumsperformance profitiert der Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote gehört in der EU zu den niedrigsten (im Ende 2011 wies Österreich den geringsten Wert in der EU auf). Der Rückgang der Beschäftigung in der Krise und das Wachstum der Beschäftigung im Zuge der Erholung waren stärker als im Euroraum. Die Arbeitslosenquote ist bereits seit Mitte 2009 rückläufig und liegt nur noch geringfügig über dem Tiefststand vor der Krise.

Moderate Preise auf dem österreichischen Immobilienmarkt keine Überhitzung
Die im EU-Vergleich ohnehin sehr niedrigen Immobilienpreise Österreichs sind in den letzten Jahren nur moderat gestiegen. Im Zeitraum von 1999 bis 2009 betrug die Zunahme in Österreich 1,2 %, während sie im Euroraum 32,5 % erreichte. . Auf EU-Ebene sind vergleichbare Daten erst ab 2004 verfügbar. In diesem Zeitraum sind die Immobilienpreise in Österreich moderat im Euroraum- und EU-Schnitt gestiegen.

Positive Entwicklung der Eigenmittelausstattung der heimischen Banken
Im Jahr 2010 hat sich die Profitabilität der österreischischen Banken nach Einbussen 21008 und 2009 deutlich verbessert. Während die konsolidierten Betriebserträge ungefähr auf Vorjahresniveau lagen, gingen die Risikokosten nennenswert zurück. Dies führte zu einem deutlich besseren konsolidierten Periodenergebnis der österreichischen Banken von rund 4,6 Mrd EUR. Dies entsprach einer Gesamtkapitalrentabilität (RoA) von rund 0,5 %. Eine weitere Erholung der Profitabilität des österreichischen Bankensystems ist allerdings auch von der Entwicklung des Kreditrisikos abhängig.
Die Eigenmittelausstattung der österreichischen Banken ist mit einer konsolidierten Tier I Ratio von rund 10,3 % und einer Solvabilitätsquote von 13,5 % per Mitte
2011 im internationalen Vergleich zwar unterdurchschnittlich, aber deutlichbesser als vor der Krise. Insbesondere im Hinblick auf die Rückzahlung des staatlichen Partizipationskapitals und die neuen aus Basel III resultierenden Anforderungen, stellt die Stärkung der Eigenmittelbasis für die Banken allerdings auch weiterhin eine
Herausforderung dar.

Forderungen der österreichischen Banken vergleichsweise niedrig
Ende März 2011 belief sich das konsolidierte Auslandsobligo (Aktiva) der heimischen Banken auf 380 Mrd EUR oder 134 % des BIP.1 Zum Vergleich: Die Auslandsforderungen in % des BIP der französischen Banken waren etwas geringer (rund 121 %), jene britischer Banken lagen bei 173 % des BIP, und jene der Schweizer Banken beliefen sich sogar auf 323 % des BIP.
Da sich die österreichischen Banken stark auf die sogennanten CEE-Länder konzentrieren, sind sie – im Unterschied zu den deutschen, französischen, britischen oder niederländischen Banken – in den derzeit schwierigen Märkten Irland, Spanien, Griechenland und Portugal kaum exponiert.

Engagement der österreichischen Banken in CEE stark, jedoch breit diversifiziert
Die konsolidierten Forderungen der mehrheitlich im österreichischen Besitz befindlichen Banken gegenüber Ländern in der Region CEE betrugen im ersten Quartal 2011 rund 223,9 Mrd EUR. Rund 73 % davon entfielen auf Staaten innerhalb der EU. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist das österreichische Engagement somit vergleichsweise hoch. Die Forderungen sind jedoch über die gesamte Region breit diversifiziert, wodurch sich eine Risikostreuung ergibt. Dies wurde auch mehrfach vom Internationalen Währungsfonds bestätigt, der im Zuge seiner jährlichen Analysen die Entwicklung genau verfolgt.

Heimische Banken setzen im Osten auf Retailbanking
Mitte 2011 hatten die heimischen Banken 69 vollkonsolidierungspflichtige Auslandstochterbanken in CEE-Ländern, die eine Bilanzsumme von 286,6 Mrd EUR aufwiesen. Die größten Anteile entfielen dabei auf die Länder Tschechien, Kroatien, Rumänien und Ungarn.
Kredite gegenüber Kunden (Nichtbanken) sind in der Region im Durchschnitt zu rund 92 % mit lokalen Einlagen refinanziert, die Werte in einzelnen Ländern weichen allerdings z.T. erheblich davon ab. Insgesamt zeigt der vergleichsweise hohe Wert allerdings, dass die österreichischen Tochterbanken in Osteuropa ihr Geschäftsmodell vor allem auf Retailbanking ausgerichtet haben.

Gewinne aus der CEE-Region liefern hohen Ergebnisbeitrag
Im ersten Halbjahr 2011 erwirtschafteten die österreichischen Tochterbanken in den Znetral, Ost-und Südosteuropa ein Periodenergebnis nach Steuern von knapp 1,6 Mrd EUR. Das Zinsgeschäft aus Ausleihungen ist mit Abstand der wichtigste Ertragsfaktor in der Region. Dagegen spielen die Erträge aus dem Eigenhandel der Banken nur eine untergeordnete Rolle. Aufgrund der Bedeutung des Zinsgeschäfts sind die Tochterbanken gegenüber dem Zins- aber auch dem Kreditrisiko (also der Gefahr der Zahlungsunfähigkeit eines Schuldners) exponiert. Dies wurde im Zuge der Finanzmarktkrise deutlich, als sich die makroökonomische Verschlechterung der Region in steigenden Wertberichtigungsquoten der Banken niederschlug. Während die Wertberichtigungsquote bei Kundenkrediten in der Region zu Beginn der Krise bei rund 2,8 % lag, stieg der Wert in den darauffolgenden Quartalen deutlich an und betrug im Juni 2011 etwa 6,8 %. Von der Verschlechterung der Kreditqualität besonders betroffen waren dabei die Länder der GUS-Region.

Die Ost-Region bleibt Wachstumsmarkt für Bankdienstleistungen
Auch wenn die CEE-Länder kurz- und mittelfristig vor enormen Herausforderungen stehen, ist die Region langfristig dennoch ein bedeutender Wachstumsmarkt für die dort tätigen Banken. In puncto finanzwirtschaftlicher Entwicklung liegt diese Region noch weit unter dem Niveau der westlichen Industriestaaten. Selbst Länder wie Rumänien, Polen, Slowakei und Tschechien, die bereits der EU angehören, kommen nur auf eine Kreditquote von rund 60 % des BIP – zum Vergleich: in Österreich liegt diese Kennzahl bei rund 110 %. Daher betrachten die österreichischen Banken die Region als Zukunftsmarkt, und daher haben sie ihr Engagement vor Ort langfristig ausgelegt.