Erste Group Research zu Triple-A Ratings: Es steht immer noch 2:1 für Österreich

16. Januar 2012 Drucken

Die Ratingagentur S&P hat die Rating-Bestnote für Österreich von Triple-A auf AA+ gesenkt. Damit ist sie aber nur eine von insgesamt drei weltweit wichtigen Ratingagenturen, die zu diesem Schluss kommt. Die beiden anderen Ratingagenturen Moody’s und Fitch haben jeweils das Best-Rating für Österreich erst vor wenigen Tagen bestätigt, heißt es in einer Stellungsnahme der Group […]

Statt "römischer Eins" ein "Sehr gut" , meint F. Mostböck, Leiter der Erste Group Research. (c) Erste Bank

Die Ratingagentur S&P hat die Rating-Bestnote für Österreich von Triple-A auf AA+ gesenkt. Damit ist sie aber nur eine von insgesamt drei weltweit wichtigen Ratingagenturen, die zu diesem Schluss kommt. Die beiden anderen Ratingagenturen Moody’s und Fitch haben jeweils das Best-Rating für Österreich erst vor wenigen Tagen bestätigt, heißt es in einer Stellungsnahme der Group Research der Erste Bank. Inzwischen hat ein Sprecher von Standard & Poor’s das Downgrading Österreichs öffentlich verteidigt.

Die Herabstufung von S&P ist die Meinung einer Ratingagentur und das muss sich für eine zukünftige Entwicklung erst als richtig herausstellen. S&P ist vielleicht schon in der Vergangenheit dafür bekannt gewesen, etwas „schärfere“ Ratings zu vergeben als die beiden anderen Agenturen. So sind sie die einzige Ratingagentur, die die USA bereits auf AA+ hinunterstufte.
In Summe sind die Österreich-Ratings nach wie vor in einem ausgezeichneten Bereich. S&P hat eine 22-stufige Rating-Skala von AAA/Oberes Ende „Investment Grade“ bis D/Unteres Ende Spekulativer Bereich. Da steht Österreich jetzt statt auf Stufe 1 auf Stufe 2 ganz oben. „Das ist vielleicht in etwa so, als gebe es nach dem Schulnoten-System keine „römisch Eins“ mehr, aber immer noch ein „Sehr gut“, sagt Fritz Mostböck, Leiter des Bereichs Group Research in der Erste Group.

Fundamentaldaten in Ordnung, Reformen aber definitiv notwendig
Für Österreich sprechen nach wie vor einige Fakten für eine vergleichsweise bessere wirtschaftliche Verfassung. Einerseits ist die Wirtschaft strukturell wie branchenmäßig gut diversifiziert. Die relative Stärke der heimischen Konjunktur resultiert aus einer wettbewerbsfähigen Exportwirtschaft sowie einer guten industriellen Kapazitätsauslastung, welche sich auch aus dem gut ausgebildeten Arbeitskräfteangebot und der hohen Technologisierung ergibt. Infolge dessen ist die Arbeitslosigkeit gering und das durchschnittliche Einkommen und die Kaufkraft vergleichsweise hoch. Bei Gesamtverschuldung und Defizit liegt Österreich unter dem Eurozonen-Schnitt. „Dennoch wird es der Regierung – im Umfeld stark angestiegener globaler Staatsverschuldungen – nicht erspart bleiben, jetzt deutliche Budgetkonsolidierungsschritte zu setzen, um langfristig unseren Standort sowie die Wettbewerbs- und Finanzierungsfähigkeit abzusichern. Das Bewusstsein aller, dass sich etwas verändern muss, hat sich denke ich zuletzt deutlich befestigt“, stellt Mostböck fest.

Keine Renditenanstiege erwartet
Infolge der aktuellen Rating-Situation sind keine deutlichen Renditeanstiege zu erwarten. Zweifelsohne werden außerordentliche Umstände, wie z.B. belastende Faktoren in Ungarn, die Renditen vielleicht immer wieder kurzfristig stimmungsmäßig irritieren. In Summe aber sollten österreichische Staatsanleihen einen nach wie vor sicheren Hafen darstellen.
„Wenn es mit rechten Dingen zugeht, so ist ein ausgezeichnetes Rating für Österreich – infolge einer nüchternen Betrachtung von Fundamentaldaten im relativen Vergleich – fachlich nicht in Frage zu stellen. Wir leben in einer globalen Verschuldungskrise, welche uns noch mehrere Jahre herausfordern wird“, so Mostböck abschließend.

S&P begründet Urteil in österreichischem Radio
Inzwischen hat ein wichtiger Mitarbeiter von Standard & Poor’s die eigene Vorgangsweise verteidigt. Hauptgrund für die Herabstufung des Ratings Österreichs und acht anderer Euroländer sei nach Angaben von S&P-Europa-Chefanalyst Moritz Kraemer „die mangelhafte Art und Weise gewesen, wie die europäische Politik mit der Krise umgehe“. Für Österreich hätten die Risiken eines tieferen Abschwungs zugenommen, äußerte sich Kraemer laut APA am Montag im Ö1-„Mittagsjournal“.

„Verwundbarer“
Österreich stehe „verwundbarer“ da, weil seine öffentlichen Finanzen schwächer seien und weil sich höhere Risiken durch Eventualverbindlichkeiten der Banken ergeben könnten. Da der Wirtschaftsraum stark verwoben sei, müssten die heimischen Wirtschaftsmaßnahmen in Verbindung mit den europaweiten gesehen werden, sagte Kraemer: „Es ist wichtig, dass Österreich mitarbeitet an einer europäischen Schuldenlösung, die über den Tag hinausgeht.“ Österreich-spezifisch sei zudem die „relativ schwierige politische Situation“ beim Bemühen, die Schuldenbremse im Verfassungsrang zu verankern, so der Europa-Vertreter von S&P.

Wettbewerbsfähigkeit Europas angeschlagen
Bei der Krise handle es sich gar nicht primär um eine Budgetkrise, sondern eine Krise, die dadurch ausgelöst worden sei, weil sich die Wettbewerbsfähigkeit in der Eurozone diametral auseinander bewegt habe. Das lasse sich durch Schuldenbremsen nicht eindämmen.
Im Schnitt seien die S&P-Ratings in der Eurozone aber weiterhin sehr hoch und würden eine hohe Solidität und Kreditwürdigkeit der Eurozone dokumentieren, so Kraemer. Es stehe aber außer Frage, dass sich die Risiken in den letzten ein, zwei Jahren erhöht hätten. „Verschiedene Analysten können verschiedene Beobachtungen machen“, kommentierte Kraemer das Faktum, dass Moody’s und Fitch ihre AAA-Ratings etwa für Österreich beibehalten haben.