Städtetourismus bleibt Wirtschaftsmotor in der Krise

08. Februar 2012 Drucken
Städtetourismus bleibt Wirtschaftsmotor in der Krise
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Der Städtetourismus ist in den vergangenen Jahren zu einer treibenden Kraft in Europas Volkswirtschaften geworden. Eine führende Rolle spielt dabei Wien: Vor allem im Kongresstourismus liegt die Bundeshauptstadt unangefochten an erster Stelle. Deutlich wird, dass sich all jene Hauptstädte besser entwickeln, die in den letzten Jahren konkrete Tourismuskonzepte erarbeitet haben und diesen nachgehen. Dazu gehören […]

Der Städtetourismus ist in den vergangenen Jahren zu einer treibenden Kraft in Europas Volkswirtschaften geworden. Eine führende Rolle spielt dabei Wien: Vor allem im Kongresstourismus liegt die Bundeshauptstadt unangefochten an erster Stelle. Deutlich wird, dass sich all jene Hauptstädte besser entwickeln, die in den letzten Jahren konkrete Tourismuskonzepte erarbeitet haben und diesen nachgehen. Dazu gehören neben Wien auch Amsterdam, Berlin und London. Insgesamt belegt Wien gemeinsam mit Berlin hinter Stockholm und vor Rom den vierten Rang im Tourismus-Ranking der europäischen Hauptstädte.
An der Spitze steht Paris, gefolgt von Amsterdam. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „European Capital City Tourism“ von Roland Berger Strategy Consultants, die 24 europäische Hauptstädte unter die Lupe genommen hat.

Wirtschaftskrisen haben auf den Städtetourismus keine so dramatischen Auswirkungen wie auf andere Bereiche. In Zahlen bedeutet das: 2009 ließ die Krise das BIP in den untersuchten europäischen Ländern durchschnittlich um 4,3 Prozent fallen, der Städtetourismus in den Metropolen hingegen ging nur um 3,5 Prozent zurück. Im darauffolgenden Jahr legte das BIP nur moderat zu, während die europäischen Hauptstädte ein Nächtigungs-Plus von 6,8 Prozent verzeichnen konnten.

„Nächtigungs-Kaiser“ in Europa
London und Paris sind mit 48,7 und 35,8 Millionen Nächtigungen die Spitzenreiter 2010. Dahinter folgen Berlin (20,8), Rom (20,4), Madrid (15,2) und Prag (12,1 Millionen). Wien kommt mit 11,7 Millionen Nächtigungen auf Platz 6. Die größten Steigerungen zwischen 2005 und 2010 erzielten Berlin (+7%), Stockholm (+5,7%) und Laibach (+5,2%). Wien konnte in diesen fünf Jahren um 4,3 Prozent zulegen. „Städte wie Wien, Berlin, Amsterdam oder London haben sich in der Vergangenheit eine klare Strategie und Positionierung erarbeitet. Das wurde belohnt, indem sich seit 2005 sowohl die Ankünfte als auch die Nächtigungen hier deutlich besser entwickelt haben“, heißt es in der Studie. In Städten mit sehr hohem touristischem Wachstum geht es auch um Marketing und Umsetzung der Maßnahmen ’nach innen‘: Insgesamt haben nur 7 der 24 untersuchten Städte entsprechende Tourismuskonzepte, also nicht einmal ein Drittel.

Betten und Kapazitäten im Vergleich
Die Entwicklung der Bettenkapazität ist ein guter Indikator für das Vertrauen privater Investoren in den Markt. Mehr Betten bedeuten jedoch nicht automatisch höhere Preise und eine bessere Auslastung. In Berlin sind die zahlreichen Hotelbetten nur wenig ausgelastet. Zusätzlich treiben sehr niedrige Zimmerpreise viele Berliner Hotels an den Rand der Insolvenz. Paris und London können auf dem Gebiet punkten: Sie führen das Ranking beim Ertrag pro verfügbarem Zimmer („revenue per available room“) an. Wien belegt hinter Stockholm und vor Istanbul nur den sechsten Rang und liegt sogar unter dem Durchschnitt., Paris und London erzielen sowohl die höchsten Zimmerpreise als auch die größte Auslastung. Die Korrelation zwischen diesen Faktoren zieht sich wie ein roter Faden durch die Untersuchung. Für Wien wird hier ein Strukturdefizit deutlich. Entscheidend für die positive Entwicklung einer Destination ist auch der Gäste-Mix: Der Anteil internationaler Gäste – speziell aus Übersee – ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor: Er weist auf die Diversifizierung und die breite Positionierung auf dem globalen Markt hin.In Wien machte dieser internationale Anteil im vergangenen Jahr 77 Prozent aus (davon 19 Prozent aus Übersee). Zum Vergleich: In Prag sind es 90 (18), in London 79 (39), in Zürich 77 (29) und in Paris 63 Prozent (28 Prozent aus Übersee).

Wien: Kongressdestination Nummer 1
Die Bundeshauptstadt konnte ihre Position als Kongressdestination zwischen 2004 und 2009 weiter ausbauen (+7%). Dahinter folgen Paris und Berlin. Die Studie zeigt einen direkten Zusammenhang zwischen Direktflügen in eine Stadt und der Anzahl der Kongresse auf. Nach den Erkenntnissen von Roland Berger muss eine Stadt von mindestens 60 Destinationen aus non-stop erreichbar sein, damit sie als Kongressstandort reüssiert. Umgekehrt gibt es bei mehr als 180 Direktverbindungen keinen eindeutigen positiven Effekt mehr. Der Flughafen Wien wird von rund 130 Städten aus direkt angeflogen (Sommerflugplan 2011).

Erreichbarkeit durch Low Cost-Carrier zählt
London und Paris sind die Städte in Europa, die man am weitaus besten mit dem Flugzeug erreicht. Das liegt auch an den Low Cost Carriers, die sich in der letzten Dekade als wichtiger Wachstumsmotor für den Tourismus einer Metropole etabliert haben. Alle Städte ohne Flughafen-Knotenpunkt werden es in Zukunft sehr schwer haben, auf den Wachstumszug im Städtetourismus aufzuspringen.
Damit Wien eine der ersten Adressen im europäischen Städtetourismus bleibt, müssen die internationalen Verbindungen weiter ausgebaut werden. „Hier geht es auch um das öffentliche Verkehrsnetz. Zusätzlich müssen in Wien Gebiete und Bezirke promotet werden, die neben den Klassikern Schönbrunn, Riesenrad oder Stephansdom die Stadt prägen und künftig repräsentieren“, so die Studie.