Griechenland einigt sich mit Privatgläubigern auf 70prozentigem Abschlag

13. Februar 2012 Drucken

London/Frankfurt (APA/ag.) – Griechenland hat sich mit seinen privaten Gläubigern offenbar über deren Beitrag zur Rettung des pleitebedrohten Landes geeinigt. Die Einigung solle vermutlich nach dem Treffen der Euro-Gruppe am Mittwoch verkündet werden, sagten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Dies gelte unter der Annahme, dass es keine überraschenden Rückschläge […]

London/Frankfurt (APA/ag.) – Griechenland hat sich mit seinen privaten Gläubigern offenbar über deren Beitrag zur Rettung des pleitebedrohten Landes geeinigt. Die Einigung solle vermutlich nach dem Treffen der Euro-Gruppe am Mittwoch verkündet werden, sagten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Dies gelte unter der Annahme, dass es keine überraschenden Rückschläge mehr gebe. Im Rahmen eines freiwilligen Anleihentausches müssten die Gläubiger vermutlich Belastungen von 70 Prozent auf ihre griechischen Bonds verkraften, sagte ein mit dem Vorgang vertrauter Banker.

Die neuen Bonds sollten eine durchschnittliche Verzinsung von 3,5 Prozent haben und eine zusätzliche Vereinbarung in Abhängigkeit vom griechischen Wachstum. Die Gläubiger sollen durch diese Klausel davon profitieren können, wenn sich die Lage der griechischen Wirtschaft verbessert. Die Regierung in Athen verhandelt seit Monaten mit dem internationalen Bankenverband IIF über einen Forderungsverzicht der privaten Gläubiger.

Parlament in Athen stimmt für Sparpaket
Am Vormittag hatte das griechische Parlament nach hitziger Debatte das umstrittene Sparpaket gebilligt und damit den Weg für ein weiteres Milliarden-Hilfspaket freigemacht. Eine Mehrheit der 300 Abgeordneten stimmte in der Nacht zum Montag für die von den internationalen Geldgebern erzwungenen Maßnahmen.
Die Zustimmung aus Athen ist Voraussetzung dafür, dass die EU-Finanzminister am Mittwoch ein weiteres Hilfspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro Athen bewilligen. Die Entscheidung des griechischen Parlaments wurde von stundenlangen Ausschreitungen im Zentrum von Athen überschattet.

Schwere Ausschreitungen in Athen
Aus Protest gegen die geplanten Lohnkürzungen und Massenentlassungen im Staatsapparat richteten Randalierer schwere Verwüstungen im Zentrum der Hauptstadt an. Vermummte lieferten sich bis weit in die Nacht Straßenschlachten mit der Polizei. Mindestens 80 Menschen, darunter 30 Polizisten wurden verletzt.

Ablaufdatum
Griechenland benötigt die Finanzhilfen spätestens zum 20. März. Dann müssen 14,5 Milliarden Euro refinanziert werden. Bei dem neuen Sparprogramm geht es um 3,3 Milliarden Euro. Demnach sollen Zusatzrenten gekürzt, Mindestlöhne um 22 Prozent gekappt und bis 2015 rund 150.000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst entlassen werden.