OECD: Frauen in Österreich verdienen um rund ein Fünftel weniger als Männer

06. März 2012 Drucken

Österreich verfügt im Europa-Vergleich über das fünftgrößte Lohngefälle zwischen Mann und Frau. Eine neue der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt, dass eine vollbeschäftigte Frau in Österreich mehr als 19 Prozent weniger verdient als ein Mann – der OECD-Schnitt liegt bei einem Minus von 16 Prozent. Der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern ist […]

Österreich verfügt im Europa-Vergleich über das fünftgrößte Lohngefälle zwischen Mann und Frau. Eine neue der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt, dass eine vollbeschäftigte Frau in Österreich mehr als 19 Prozent weniger verdient als ein Mann – der OECD-Schnitt liegt bei einem Minus von 16 Prozent. Der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern ist auf Europaebene in Deutschland am größten. Groß ist auch der Gender-Gap in den wirtschaftlichen Entscheidungsgremien: In Österreich sind sechs von 100 Aufsichtsratspositionen weiblich.

Was die Anzahl der Frauen in Führungspositionen angeht, ist Österreich weit abgeschlagen. Im weltweiten Vergleich der OECD-Länder findet sich Österreich im hinteren Fünftel der gelisteten Länder. Laut Datenbank sind sechs von hundert Aufsichtsratsposten (board seats) in Österreich mit Frauen besetzt. In Deutschland sind es gar nur vier. Dagegen mutet der OECD-Durchschnitt beinahe fortschrittlich an, hier liegt die Frauenquote in den Kontrollgremien bei immerhin zehn Prozent.

Den höchsten Anteil an Führungspositionen haben Frauen in Norwegen inne, das im Jahr 2006 eine Frauenquote von 40 Prozent eingeführt hat. Auch in Schweden, Frankreich, Finnland und der Slowakei ist der Anteil von Frauen im Top-Management mit 15 bis 20 Prozent vergleichsweise hoch. Die Schlusslichter Europas bilden neben Deutschland die Tschechische Republik und die Niederlande. Eine Reihe von Ländern versucht inzwischen, mithilfe von Gesetzen eine größere Geschlechterbalance in den Vorstandsetagen zu erzielen: In Spanien, Island, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Italien gelten mittlerweile verschiedene Formen der Frauenquote. Auch die Europäische Kommission will heute Maßnahmen in diese Richtung ankündigen.

OECD stellt eigene Datenbank zur Verfügung
Der “OECD-Geschlechternavigator” arbeitet mit Daten aus dem Jahr 2009, dem jüngsten Jahr, das einen umfassenden Vergleich zulässt. Der Navigator enthält auch andere Indikatoren, die das Verhältnis der Geschlechter beleuchten. Dazu zählen etwa Bildungsabschlüsse, Daten zur Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen und Männern, zur Lebenserwartung oder zum Anteil von Kindern in öffentlichen Betreuungseinrichtungen. Die Datenbank ermöglicht es, verschiedene OECD- und Schwellenländer zu vergleichen und Entwicklungen für das vergangene Jahrzehnt herauszuarbeiten.