Versicherungsmarkt in Österreich: Gebundene Vertreter bleiben primärer Vertriebsweg

03. April 2012 Drucken

Versicherungen werden grundsätzlich nur von etwa jedem zehnten Österreicher selbst z.B. über Online-Portale abgeschlossen (12%). Die meisten Versicherungskunden nutzen einen Versicherungsvertreter, hierbei werden vor allem die meist an ein Versicherungsunternehmen gebundenen Vertreter bevorzugt (61%), so die Langzeitmessung der Österreichischen Verbraucheranalyse (ÖVA) vom IMAS Institut. Kostenanpassungen durch höheren Automatisierungsgrad, Assistance-Leistungen und erhöhter Servicebedarf sind nur einige […]

Versicherungen werden grundsätzlich nur von etwa jedem zehnten Österreicher selbst z.B. über Online-Portale abgeschlossen (12%). Die meisten Versicherungskunden nutzen einen Versicherungsvertreter, hierbei werden vor allem die meist an ein Versicherungsunternehmen gebundenen Vertreter bevorzugt (61%), so die Langzeitmessung der Österreichischen Verbraucheranalyse (ÖVA) vom IMAS Institut. Kostenanpassungen durch höheren Automatisierungsgrad, Assistance-Leistungen und erhöhter Servicebedarf sind nur einige der aktuellen Trends.


Vergleichsportale gewinnen an Bedeutung
Auch in der Versicherungsbranche nimmt der Technologisierungsgrad weiter zu. So werden im Rahmen des Versicherungsabschlusses Online-Vergleichsportale als Informationsquelle – vor allem in der Kfz-Sparte – bei Versicherungsnehmern immer relevanter. Versicherungsgeber führen vermehrt sogenannte Online-Polizzierungen ein, bei denen die Versicherungsvertreter die mit dem Kunden abgeschlossenen Verträge über ein Online-Portal selbst polizzieren.

Branchenpositionen werden ausgebaut
Insgesamt kommt es auch zu Bewegungen in den Marktstellungen der Versicherungsunternehmen. In den  Jahren  2008 bis 2011 konnte Uniqa sowohl die Bekanntheit als auch die Kunden-Reichweite (gemessen wurde der Besitz im Haushalt) um sieben Prozentpunkte steigern (auf 86% bzw. 31% im Jahre 2011). Versicherungen, Versicherungsmarkt Österreich, Newsroom von Erste Bank und SparkassenVersicherungsunternehmen mit ähnlich hohen Bekanntheitswerten wie Generali (80%) oder Wiener Städtische (79%) haben dagegen nur einen moderaten Anstieg ihres Kundenstamms erreichen können (um einen Prozentpunkt auf 19% bzw. 23%). Neben Uniqa konnte aber auch Wüstenrot (Bekanntheitswert: 77%) deutlich an Kunden dazugewinnen (plus fünf Prozentpunkte auf 16%). Allgemein recht bekannte Versicherungen  wie   beispielweise Allianz Elementar (72%), Raiffeisen (66%) oder Donau Versicherung (63%) liegen gemessen an den Kunden-Reichweiten nur im Mittelfeld (in dieser Reihenfolge: 14% (+/-0 Prozentpunkte Veränderung zu 2008), 10% (+2%), 9% (+2%)).

Internationale Konzerne auf Österreichmarkt nur schwach
International tätige Versicherungsunternehmen wie Zürich, HDI, D.A.S. oder Skandia verfügen in Österreich nur über einen kleineren Kundenstamm (6%, 4%, 2%, 1%). Ähnlich verhalten sich auch die Reichweiten der österreichischen Banken und Sparkassen, die eigene Versicherungen anbieten: Bank Austria mit 5%, Sparkassen mit 5% sowie Erste Bank mit 3% Reichweite. Eher regional ausgerichtete Versicherungsunternehmen besitzen in den entsprechenden Bundesländern dagegen sowohl hohe Bekanntheitswerte als auch große Reichweiten, wie z.B. die Grazer Wechselseitige (83% Bekanntheit bzw. 30% Reichweite in der Steiermark), die Niederösterreichische Versicherung (77% bzw. 18% in Niederösterreich) oder die Oberösterreichische Versicherung (74% bzw. 18% in Oberösterreich).

Die Spitzenplätze in Österreich
Die bundesweiten Top-5 der österreichischen Versicherer sind demnach (Basis sind die Reichweiten-Werte der Österreichischen Verbraucheranalyse 2011 unter Privatkunden ab 14 Jahren, Besitz im Haushalt): 1. Uniqa (31%), 2. Wiener Städtische (23%), 3. Generali (19%), 4. Wüstenrot (16%) und 5. Allianz Elementar (14%).

Lebens- und Unfallversicherung bleiben vorne
Die Verbreitung klassischer Versicherungsarten in Österreich verhielt sich im Jahre 2011 wie folgt: Eine Private Lebensversicherung oder Rechtsschutzversicherung besitzt etwa jeder zweite Österreicher im Haushalt (je 52%). Private Unfallversicherungen haben zwei Fünftel der Österreicher, Zusatzkrankenversicherung etwa nur jeder vierte Österreicher im Haushalt abgeschlossen (27%). Diese Versicherungsprodukte werden dabei deutlich häufiger von 30-49-Jährigen, Personen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 2.600 € sowie in Haushalten mit vier und mehr Personen (bzw. mit Kindern) besessen. Erwähnenswert ist, dass sich besonders Wiener in allen Bereichen häufig seltener versichern (insbesondere hinsichtlich privater Unfallversicherung oder Rechtsschutz) als die Restösterreicher.

Online-Geschäfte noch wenig attraktiv
Versicherungen werden grundsätzlich dabei nur von etwa jedem zehnten Österreicher selbst z.B. über Online-Portale ausgewählt und abgeschlossen (12%), in Wien ist es jedoch immerhin jeder Fünfte, der selbst abschließt. Die meisten Versicherungskunden nutzen einen Versicherungsvertreter (hier tendenziell etwas stärker Frauen und Personen über 60 Jahre) oder Versicherungsmakler. Hierbei werden vor allem die meist nur an ein Versicherungsunternehmen gebundenen Vertreter bevorzugt (61%), unabhängige Makler, die unterschiedlichste  Versicherungsunternehmen im Portfolio haben, nutzen nur 17%. Nur etwa jeder zehnte Versicherungsnehmer wickelt seine Versicherungen über seine Hausbank ab (11%), auch hier sind die Wiener der eigenen Hausbank jedoch enger verbunden.
Service und entsprechende Unterstützung in Versicherungsangelegenheiten sind aktuell schon und werden auch zukünftig immer wichtigere Kriterien der Kundenbindung. Dementsprechend werden Zusatzangebote wie z.B. Assistance-Leistungen, bei denen Versicherungsunternehmen im Schadensfall auch die Reparaturabwicklung (meist mit festen Handwerksbetrieben) für den geschädigten Versicherungsnehmer übernehmen, eine wesentliche Rolle für die Gewinnung von neuen Kunden bzw. primär für die Loyalisierung bestehender Kunden spielen. Derzeitige Angebote haben aber häufig auch gleichzeitig finanzielle Vorteile für die Versicherungsunternehmen, da mit festen Handwerksbetrieben spezielle Konditionen vereinbart werden können.