Österreich: Stimmungslage im Mittelstand weiterhin gut

16. Mai 2012 Drucken

Die Stimmung unter Österreichs Mittelständlern ist gut. Dies signalisiert das Creditreform Klimabarometer, das im Vergleich zum vergangenen Herbst um 6,7 Zähler auf 17,4 Punkte anstieg (Frühjahr 2011: 18,3 Punkte).  Der österreichische Mittelstand sei gut aufgestellt und habe im europäischen Vergleich die Nase vorn, heißt es. Die Auftrags- und Umsatzerwartungen sind immer noch aufwärts gerichtet, auch […]

Die Stimmung unter Österreichs Mittelständlern ist gut. Dies signalisiert das Creditreform Klimabarometer, das im Vergleich zum vergangenen Herbst um 6,7 Zähler auf 17,4 Punkte anstieg (Frühjahr 2011: 18,3 Punkte).  Der österreichische Mittelstand sei gut aufgestellt und habe im europäischen Vergleich die Nase vorn, heißt es. Die Auftrags- und Umsatzerwartungen sind immer noch aufwärts gerichtet, auch wenn die befragten Unternehmen der künftigen Entwicklung nicht mehr ganz so optimistisch entgegenblicken wie vor Jahresfrist.

Auftragsbücher nicht mehr so gut gefüllt wie im Vorjahr
Allerdings zeigt die Entwicklung der harten Konjunkturindikatoren wie etwa die Auftrags- und Umsatzlage, dass sich die wirtschaftliche Dynamik langsam abzuschwächen scheint. Sind im vergangenen Frühjahr noch bei 36,1 Prozent der Befragten die Auftragseingänge gestiegen, liegt der Anteil aktuell bei 27,1 Prozent. Weniger Auftragseingänge verzeichnen 21,3 Prozent der Mittelständler (Vorjahr: 18,4 Prozent). Ähnlich stellt sich die Situation bei der Umsatzentwicklung dar. Während im vergangenen Jahr noch bei 37,5 Prozent der Betriebe die Umsätze gestiegen sind, ist dies aktuell nur noch bei 31,5 Prozent der Unternehmen der Fall. Gesunken sind die Umsätze bei jedem Fünften (22,2 Prozent; Vorjahr: 20,5 Prozent). Der Umsatzsaldo fällt auf plus 9,3 Punkte (Vorjahr: plus 17,0 Punkte). Die Arbeitsmarktsituation bleibt entspannt und hat sich im Vergleich zum Vorjahr sogar etwas verbessert: Fast jedes vierte Unternehmen (23,1 Prozent) hat seinen Mitarbeiterstamm in den vergangenen Monaten aufgestockt (Vorjahr: 20,2 Prozent). Personal entlassen mussten 18,7 Prozent (Vorjahr: 16,0 Prozent) der befragten Betriebe.

Konjunkturelle Dynamik intakt, Aussichten dennoch deutlich eingetrübt
Die Auftrags- und Umsatzerwartungen sind immer noch aufwärts gerichtet, auch wenn die befragten Unternehmen der künftigen Entwicklung nicht mehr ganz so optimistisch entgegenblicken wie vor Jahresfrist. 26,2 Prozent der Unternehmen rechnen mit volleren Auftragsbüchern (Vorjahr: 39,8 Prozent) und 10,6 Prozent mit sinkenden Auftragszahlen (Vorjahr: 9,6 Prozent). Eingetrübt haben sich auch die Umsatzerwartungen: 32,2 Prozent der mittelständischen Betriebe rechnen mit einem Umsatzanstieg, nachdem im Frühjahr 2011 noch jeder Zweite (47,9 Prozent) ein Umsatzplus erwartete. Dagegen befürchtet jeder siebte Unternehmer (13,9 Prozent) Umsatzrückgänge; im vergangenen Jahr lag dieser Wert bei 10,6 Prozent. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Umsatzerwartungen hat sich somit fast halbiert (18,3 Punkte; Vorjahr: 37,3 Punkte).

Personalpolitik und Investitionsbereitschaft deuten Abschwächung an
Für die kommenden Monate planen die Mittelständler weniger Personal ein. Während 18,7 Prozent der befragten Unternehmen neue Stellen besetzen wollen, rechnen 12,9 Prozent der Unternehmen mit Entlassungen. Damit hat sich der Saldo von plus 14,1 Punkten im Vorjahr auf plus 5,8 Punkte verringert. Ebenso lässt sich eine leichte Abschwächung der Investitionsbereitschaft feststellen: Im Frühjahr 2012 sind nur noch 52,5 Prozent der Mittelständler bereit, Investitionen zu tätigen, während es im Vorjahr noch 54,0 Prozent waren.

Ertragserwartungen lassen auf liquidere Zeiten hoffen
Die Ertragslage im österreichischen Mittelstand bleibt angespannt. Jedes dritte Unternehmen (31,4 Prozent; Vorjahr: 31,9 Prozent) hat in den vergangenen Monaten sinkende Erträge verbucht. Gestiegen sind die Erträge bei jedem Fünften (21,2 Prozent; Vorjahr: 23,3 Prozent). Zwar fällt der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Ertragserwartungen mit plus 6,9 Punkten schlechter aus als im Vorjahr (plus 16,3 Punkte), befindet sich aber im positiven Saldenbereich.

Weniger Insolvenzen – solide Eigenkapitalausstattung
Der österreichische Mittelstand ist solide kapitalisiert: So ist der Anteil der schwach kapitalisierten Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent von 23,6 Prozent auf 21,9 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist jedes dritte Unternehmen (36,6 Prozent; Vorjahr: 35,3 Prozent) mit einer ausreichend hohen Eigenkapitalquote (Eigenkapitalanteil im Verhältnis zur Bilanzsumme) von über 30 Prozent ausgestattet. Aktuell ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in den ersten drei Monaten 2012 um 0,7 Prozent von 1.692 auf 1.680 Fälle gesunken. Die Auswirkungen der schwelenden Finanz- und Staatsschuldenkrise in Europa sind auch im österreichischen Mittelstand zu spüren. Insgesamt hat sich der Zugang zu Finanzierungsmitteln bei 58,7 Prozent der Unternehmen verschärft. Die Art der Verschärfung ist vielfältig: 90,5 Prozent dieser Unternehmen berichten, dass bei der Einreichung ihres Kreditantrages mehr Sicherheiten von den Banken verlangt werden. Eine Erhöhung der Kreditzinsen musste fast jeder dritte Mittelständler (28,9 Prozent) hinnehmen. Und 10,0 Prozent der befragten Unternehmen haben ihren Kredit nicht in der gewünschten Höhe erhalten.