Steiermark: Öffnung des Arbeitsmarktes konnte Fachkräftemangel nicht lindern

30. Mai 2012 Drucken

Die Öffnung des Arbeitsmarktes mit 01. Mai 2011 brachte die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit für die Länder Ungarn, Slowenien, Polen, Tschechien, Slowakei, Estland, Lettland und Litauen. Ein befürchteter Verdrängungseffekt von Inländern konnte nicht beobachtet werden. Die Wirtschaftskammer Steiermark untersuchte gemeinsam mit dem Institut für Wirtschafts- und Standortentwicklung (IWS) die volkswirtschaftlichen Effekte der Arbeitsmarktliberalisierung ab 01. Mai. 2011. . Das […]

Die Öffnung des Arbeitsmarktes mit 01. Mai 2011 brachte die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit für die Länder Ungarn, Slowenien, Polen, Tschechien, Slowakei, Estland, Lettland und Litauen. Ein befürchteter Verdrängungseffekt von Inländern konnte nicht beobachtet werden. Die Wirtschaftskammer Steiermark untersuchte gemeinsam mit dem Institut für Wirtschafts- und Standortentwicklung (IWS) die volkswirtschaftlichen Effekte der Arbeitsmarktliberalisierung ab 01. Mai. 2011. . Das Hauptergebnis: Im Zeitraum  von Mai 2011 bis März 2012 brachte die Arbeitnehmerfreizügigkeit 2.300 zusätzliche Arbeitsplätze  und 150 Millionen Euro an zusätzlicher Wertschöpfung.

Hoffnung auf neue Fachkräfte
Der Liberalisierung des Arbeitsmarktes in Richtung der neuen Mitgliedsstaaten wurde im Vorfeld sowohl mit Hoffnung als auch mit Sorgen entgegengesehen. Während seitens der Arbeitnehmerseite ein Verdrängungswettbewerb am Arbeitsmarkt befürchtet wurde, gab es auf der Arbeitgeberseite die Hoffnung, dass es mittels neuer, zusätzlicher Fachkräfte aus den Nachbarländern gelingen kann, dem Phänomen des Fachkräftemangels zumindest die „Reisszähne“ zu ziehen.

Keine Verdrängungseffekte
Positiv wird in der Studie vermerkt, dass es zu keinerlei Verdrängungseffekten am heimischen Arbeitsmarkt gekommen ist, sprich heimische Arbeits- bzw. Fachkräfte nicht durch ausländische ersetzt wurden. Immerhin gelang es durch die Öffnung netto 2.280 Arbeitsplätze zusätzlich zu schaffen bzw. offene Stellen zu besetzen. Dies entspricht letztlich auch einem Wertschöpfungseffekt von 148 Mio. €/Jahr.

Keine Lösung des Fachkräftemangels 
Allerdings wird festgehalten, dass das Fachkräftemangelproblem durch die Öffnung nur unmerklich behoben werden konnte. Die Anzahl von 2.280 zusätzlichen Arbeitsplätzen liegt letztlich noch unter den vorab gestellten Erwartungen. Österreich, respektive die Steiermark, scheint für Personen aus den neuen Mitgliedsländern der EU doch weniger attraktiv zu sein als ohnedies schon angenommen.

Die Fakten
Ab 1. Mai 2011 gilt in Österreich die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit für die Staatsbürger der Länder:

  • Ungarn
  • Slowenien
  • Polen
  • Tschechien
  • Slowakei
  • Estland
  • Lettland
  • Litauen

Das bedeutet, dass diese in Österreich ohne arbeitsmarktpolitische Bewilligung als Arbeitnehmer tätig werden dürfen. Die Beschränkungen der Dienstleistungsfreiheit im Hinblick auf das Entsenden von Arbeitnehmern aus den oben genannten acht Ländern nach Österreich fallen zu diesem Zeitpunkt auch weg. Damit können auch in den bisher geschützten Wirtschaftsbereichen Arbeitnehmer ohne Bewilligung nach Österreich entsandt werden. Bei der Entsendung von Arbeitnehmern innerhalb der EU sind aber trotzdem Formalerfordernisse zu beachten (wie Info-Melde-Anzeige-Aufzeichnungspflichten und österreichische lohn- und arbeitsrechtliche Mindestbedingungen). Die „EU – Entsenderichtlinie“ legt im Ergebnis fest, dass Österreich darauf zu achten hat, dass für die aus einem anderen EU – Land entsandten Arbeitnehmer die in Österreich geltenden lohn– und arbeitsrechtlichen Mindestbedingungen eingehalten werden!