Wachstum der heimischen Industrieregionen lag auch 2011 über jenem der Dienstleistungszentren

04. Juni 2012 Drucken

Das regionale Wachstumsmuster war in Österreich 2011 durch das Anspringen der Investitionskonjunktur und eine großteils rege Entwicklung des Warenaußenhandels geprägt. Laut WIFO entwickelten sich die Bundesländer mit hohem Industrieanteil damit insgesamt günstiger als die  stärker dienstleistung-sorientierten Regionen. Vor diesem Hintergrund verzeichneten Oberösterreich und die Steiermark wie schon im Vorjahr die höchsten Wertschöpfungs-zuwächse. In Tirol, Kärnten und Wien […]

Das regionale Wachstumsmuster war in Österreich 2011 durch das Anspringen der Investitionskonjunktur und eine großteils rege Entwicklung des Warenaußenhandels geprägt. Laut WIFO entwickelten sich die Bundesländer mit hohem Industrieanteil damit insgesamt günstiger als die  stärker dienstleistung-sorientierten Regionen. Vor diesem Hintergrund verzeichneten Oberösterreich und die Steiermark wie schon im Vorjahr die höchsten Wertschöpfungs-zuwächse. In Tirol, Kärnten und Wien blieb das Ergebnis unter der gesamt-wirtschaftlichen Dynamik, erreichte oder übertraf das mittelfristige Trendwachstum aber ebenfalls.

Brancheneinflüsse stärker als Regionalbefindlichkeit
Das regionale Konjunkturmuster wurde 2011 wesentlich stärker durch Unterschiede zwischen den Sektoren als durch regionale Wachstumsunterschiede innerhalb der Sektoren geprägt. In allen Bundesländern lieferte die Sachgütererzeugung den größten Wachstumsbeitrag. Die Eintrübung der Exportkonjunktur in der zweiten Jahreshälfte dämpfte die zunächst erheblichen regionalen Wachstumsunterschiede, die Industriebundesländer verzeichneten aber auch im Jahresergebnis die stärkste Expansion.

Oberösterreich und Steiermark wuchsen 2011 am stärksten
Nach der WIFO-Schätzung zur realen Bruttowertschöpfung (ohne Land- und Forstwirtschaft) erzielten wie schon im Vorjahr Oberösterreich (+4,5%) und die Steiermark (+4,4%) das höchste regionale Wirtschaftswachstum. Hier beschleunigte sich die Erholung nach der Krise 2008/09 nochmals, weil massive Impulse aus der Industrie auf damit verbundene Dienstleistungsbereiche ausstrahlten. Auch Vorarlberg (+4,0%) und Niederösterreich (+3,8%) profitierten vom großen Wertschöpfungsanteil der Industrie und der Energieproduktion, zumal in Niederösterreich die Sachgütererzeugung besonders stark expandierte. In Vorarlberg setzte auch der Handel positive Akzente. Unter den stärker dienstleistungsorientierten Regionen verzeichneten das Burgenland (+3,3%) und Salzburg (+2,9%) Wachstumsraten um den österreichischen Durchschnitt. In beiden Bundesländern profitierte die Wirtschaft von der guten Konjunktur im Handel, im Burgenland kamen eine günstige Industrieentwicklung und Spitzenwerte in kleineren Dienstleistungsbranchen, in Salzburg Erfolge in Bauwirtschaft und Tourismus hinzu. In Tirol, Kärnten und Wien entsprach der Wertschöpfungszuwachs 2011 ebenfalls weitgehend dem langfristigen Trendwachstum, blieb aber hinter der gesamtwirtschaftlichen Dynamik zurück.

Tirol und Kärnten bleiben unter dem Durchschnitt
In Tirol (+2,6%) verlor die zunächst kräftige Industriekonjunktur im Jahresverlauf besonders deutlich an Kraft, sodass das Ergebnis für 2011 insgesamt durch das mäßige Abschneiden des (dominierenden) Tourismus und von Teilen des Dienstleistungsbereichs bestimmt wurde. In Kärnten (+2,6%) wurden die Strukturvorteile aus dem großen Anteil des produzierenden Bereichs nicht wirksam, weil die Industrieentwicklung wohl auch wegen der stärkeren Ausrichtung auf die (derzeit schwachen) Exportmärkte Italien und Südosteuropa zurückblieb und sich auch die meisten anderen Wirtschaftsbereiche unterdurchschnittlich entwickelten. Das nur mäßige Wachstum in Wien (+2,4%) spiegelt nicht zuletzt den Strukturnachteil der stark tertiärisierten Stadtwirtschaft in der derzeitigen Konjunkturlage wider. Spitzenwerte in Tourismus und Energieproduktion und eine Erholung der Industrie wirkten hier positiv, die unterdurchschnittlichen Ergebnisse von Handel, Informationsdiensten sowie Grundstücks- und Wohnungswesen dämpften die Wertschöpfungsentwicklung.