Niederösterreich: Öffnung des Arbeitsmarktes bleibt ohne große Auswirkungen

06. Juni 2012 Drucken

Weder in Tschechien, der Slowakei, noch in Ungarn wurden die ursprünglichen Expansionspläne der dortigen Unternehmen umgesetzt. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer GfK-Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer NÖ zu den Folgen der Öffnung des Arbeitsmarktes im Mai 2011. Nur zwischen 7% und 12% der tschechischen, slowakischen oder ungarischen Unternehmen haben ihre Geschäftstätigkeit ins Ausland […]

Weder in Tschechien, der Slowakei, noch in Ungarn wurden die ursprünglichen Expansionspläne der dortigen Unternehmen umgesetzt. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer GfK-Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer NÖ zu den Folgen der Öffnung des Arbeitsmarktes im Mai 2011. Nur zwischen 7% und 12% der tschechischen, slowakischen oder ungarischen Unternehmen haben ihre Geschäftstätigkeit ins Ausland ausgeweitet, und nur ein Teil davon nach Österreich. Nur 20 % der befragten heimischen Unternehmen sehen sich ausländischer Konkurrenz ausgesetzt.

Keine starke Expansionsbestrebungen bei den Nachbarn
Auch künftig ist nicht mit einem Ansturm von Arbeitskräften und/oder Betrieben zu rechnen: In der Slowakei und in Tschechien ist generell eine leicht sinkende Expansions-Bereitschaft der Unternehmen zu verzeichnen, die Bereitschaft, ins Ausland oder konkret nach Österreich zu expandieren, ist in etwa auf dem Niveau von 2010 geblieben. Nur in Ungarn zeigt sich eine etwas größere Expansions-Bereitschaft als 2010. Jene Unternehmen, die sich eine Expansion vorstellen können, planen insbesondere über Freunde bzw. bekannte Unternehmen am Markt an Aufträge zu kommen.

Öffnung ist in den Köpfen angekommen
Vor allem Unternehmen in der Slowakei (71%) und in Tschechien (65%) können sich jedoch Kooperationen mit Unternehmen in Österreich vorstellen, in Ungarn sind es 44%. In erster Linie werden Anknüpfungspunkte bei der gemeinsamen Auftragsabwicklung  gesehen, ebenso kommen Unternehmen aus der Nachbarregion als Zulieferer/Lieferant in Frage.

NÖ: Liberalisierung bereitet kaum Probleme
Ein besonders wichtiges Umfrage-Ergebnis ist, dass die Grenzöffnung im Vergleich zu 2010 weniger als Gefahr gesehen wird: 40% der Betriebe können sich vorstellen, Mitarbeiter aus Nachbarländern einzustellen (2010 waren es 33%), 16% haben bereits Mitarbeiter eingestellt (2010: 8%).  Die Betriebe haben übrigens die Reaktionen der heimischen Behörden auf die Arbeitsmarktliberalisierung durchaus wahrgenommen – verstärkte Kontrollen, Anpassungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen, sowie Öffentlichkeitsarbeit und Schulungsangebote.  Besonders interessant ist, dass knapp zwei Drittel die verstärkten Kontrollen positiv bewerten –  und zwar, weil Sicherstellung der Legalität sowie Unterbindung von Schwarzarbeit erhofft werden. Nur 20 % der befragten heimischen Unternehmen sehen sich ausländischer Konkurrenz ausgesetzt; die stärksten ausländischen Mitbewerber kommen aus Deutschland und Tschechien. Sehr starke Konkurrenz spüren die Betriebe vor allem aus dem eigenen Bezirk und Bundesland.

Kooperationsbereitschaft steigt
Die Arbeitsmarkt-Öffnung hat zu mehr grenzüberschreitenden Kooperationen geführt.  12% der befragten Betriebe kooperieren bereits mit Unternehmen in der Slowakei, in Tschechien oder Ungarn: v.a. mit Lieferanten, aber auch in Form von gemeinsamer Auftragsabwicklung.  43% können sich solche Kooperationen künftig  vorstellen: v.a. in den Bereichen gemeinsame Auftragsabwicklung, Kundenakquise sowie mit Lieferanten.  Rund drei Viertel der befragten WK-Mitglieder nehmen Beratung bei der WK in Anspruch.

Die Daten
Die Umfrage zur Liberalisierung wurde von GfK Austria im Auftrag der Wirtschaftskammer NÖ im Zeitraum vom 4. bis 17. April 2012 durchgeführt – bei Betrieben in NÖ, der Slowakei, der Tschechischen Republik und in Ungarn. Es wurden Branchen befragt, die aus heimischer Sicht als „sensibel“ gelten. Nur 20 % der befragten heimischen Unternehmen sehen sich ausländischer Konkurrenz ausgesetzt; die stärksten ausländischen Mitbewerber kommen aus Deutschland und Tschechien. Sehr starke Konkurrenz spüren die Betriebe vor allem aus dem eigenen Bezirk und Bundesland.