Hitze: Die vielen „Krügerl im Schatten“ sind passé – halber Mineralwasserpreis für Leitungswasser

04. Juli 2012 Drucken

Wien (APA/red) Früher, so hört man, seien Sommertemperaturen in die Anzahl der genossenen „Krügerl im Schatten“ umgerechnet worden. „Das ist vorbei, der Trend geht derzeit eindeutig in Richtung alkoholfrei“, sagte Wilhelm Turecek, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer, im APA-Gespräch. Profitieren würden von der Hitzewelle nur Lokale mit Sitzplätzen im Freien. Er empfiehlt […]

Tourismus, Gastgewerbe, NEWSROOM, Glas Leitungswasser

Hitze verkauft kein Bier mehr. Gastgewerbe klagt über rückläufige Umsätze. (c) APA

Wien (APA/red) Früher, so hört man, seien Sommertemperaturen in die Anzahl der genossenen „Krügerl im Schatten“ umgerechnet worden. „Das ist vorbei, der Trend geht derzeit eindeutig in Richtung alkoholfrei“, sagte Wilhelm Turecek, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer, im APA-Gespräch. Profitieren würden von der Hitzewelle nur Lokale mit Sitzplätzen im Freien. Er empfiehlt den Wirten ohne Schanigärten, den Urlaub zu konsumieren. Für das derzeit diskutierte Glas Wasser im Wirtshaus rät Turecek, den „halben Mineralwasserpreis“ zu verrechnen.

Gut für Bäderwirte, schlecht für’s Beisl
„Hitze ist für die Bäderwirte sicher super. In Betrieben ohne Gast- oder Schanigarten – immerhin rund 5.000 Lokale in Wien – herrscht aber oft gähnende Leere“, berichtete Turecek. „Denen geht es jetzt nicht gut. Wer es sich von den Wirten leisten kann, dampft in den Urlaub ab.“ Bier sei bei großer Hitze kein „In-Getränk“. „27 Krügerl im Schatten, das ist passe“, meinte der Gastronomen-Chef. Die „Trendwende“ sei mit der „gesunden Welle“ eingeläutet worden, begleitet von einer steigenden Anzahl von Verkehrskontrollen. „Beides zeigt Wirkung.“

Geschäfts insgesamt rückgängig
Die Wirte spürten aber generell einen Rückgang bei den Umsätzen, unabhängig vom Wetter. „Bei uns wird das frei verfügbare Kapital ausgegeben. Durch gestiegene Fixausgaben und ‚Konkurrenten‘ wie Internet und Handy ist es kleiner geworden.“ Neben dem Trend zu alkoholfreien Durstlöschern sieht Turecek angesichts der großen Hitze „die Wasserdiskussion wieder aufflammen“. Dabei könne man nicht alle 42.000 Gastronomiebetriebe im Land über einen Kamm scheren, betonte der Fachgruppenobmann: „Wenn der Gast für eine Melange 4,70 Euro zahlt, sollte auch ein großes Glas Wasser drin sein, nicht nur ein kleines, sofern der Gast das wünscht.“

Glas Wasser bleibt Dienstleistung
Ein Glas Wasser zu servieren sei aber grundsätzlich „auch eine Dienstleistung. Das Wasser selbst kostet nicht viel, aber man braucht das Service, den Geschirrspüler und so weiter“. Manche Lokalbetreiber, etwa in Ausflugsgegenden, würden sich nicht zu Unrecht übervorteilt fühlen. „Wirte erzählen, dass Ausflügler oder Radfahrer mit der Wasserflasche auf die Toilette gehen, diese dort auffüllen, sich erfrischen und das Handtuch benützen und dann das Lokal wieder verlassen.“
Der Klobesuch, zu welchem Zweck auf immer, ist nur für zahlende Gäste überall uneingeschränkt frei, von Passanten kann der Betreiber einen Obolus kassieren. Für das Glas Leitungswasser, um das es immer wieder Diskussionen gibt, dürfen Wirte etwas verlangen, sofern es mit Preisauszeichnung in der Getränkekarte angeschrieben ist. „Meist wird der halbe Mineralwasserpreis verrechnet“, sagte Turecek.