Ärzte: Aushändigen von Merkblättern ersetzt nicht die Aufklärungspflicht

20. Juli 2012 Drucken

Die Pflicht, Patienten vor einem Eingriff über damit einhergehende, mögliche Komplikationen und Risiken ordnungsgemäß aufzuklären, ist bekannt. Üblicherweise erfolgt die ärztliche Aufklärung anhand der gängigen Vor drucke („Aufklärungsbögen“). Die bloße Aushändigung und Unterzeichnung von Merkblättern oder Aufklärungsbögen ersetzt das persönliche Gespräch zwischen Arzt und Patient aber nicht, berichtet die Klientenzeitschrift der E. Hypothetische Einwilligung? Ist […]

Die Aufklärung von Patienten über Diagnose und Therapie bedarf eines dokumentierten Gespräches. (c) Helene Souza/pixelio.de

Die Pflicht, Patienten vor einem Eingriff über damit einhergehende, mögliche Komplikationen und Risiken ordnungsgemäß aufzuklären, ist bekannt. Üblicherweise erfolgt die ärztliche Aufklärung anhand der gängigen Vor drucke („Aufklärungsbögen“). Die bloße Aushändigung und Unterzeichnung von Merkblättern oder Aufklärungsbögen ersetzt das persönliche Gespräch zwischen Arzt und Patient aber nicht, berichtet die Klientenzeitschrift der E.

Hypothetische Einwilligung?
Ist ein Patient nicht oder unzureichend aufgeklärt worden – z.B. nicht rechtzeitig oder fehlerhaft –, kann der behandelnde Arzt immer noch geltend machen, dass Ersterer dem Eingriff auch bei ordnungsgemäßer Aufklärung über dessen Risikopotenzial zugestimmt hätte und sich die fehlerhafte Aufklärung daher nicht ausgewirkt habe (so genannte hypothetische Einwilligung). Ob die hypothetische Einwilligung eines Patienten angenommen werden kann, wird vor Gericht nicht automatisch geprüft. Das Gericht darf dieser Frage erst dann nachgehen, wenn sich der Behandler darauf beruft. Der Behandler ist also insoweit darlegungs- und beweispflichtig. Es ist hingegen nicht Aufgabe des Patienten nachzuweisen, dass er nicht eingewilligt hätte. Für ihn genügt die bloße Behauptung.

Fazit
Die ärztliche Aufklärung ist keine Nebensache, sondern eine zentrale ärztliche Pflicht. Die Aufklärung hat in einem persönlichen Gespräch des Arztes mit dem Patienten zu erfolgen. Das Aufklärungsgespräch sollte auf jeden Fall dokumentiert werden, um u.a. der Beweislast des Arztes Rechnung zu tragen.

Merkblätter helfen zu dokumentieren
Als schriftliche Dokumentation sind Merkblätter und Aufklärungsbögen hilfreich, anhand derer die konkrete – persönliche – Aufklärung erfolgen kann. Die Bögen können als Checkliste für die vorzunehmende Aufklärung dienen und dabei helfen, Versäumnisse zu vermeiden und die Aufklärung korrekt und umfassend vorzunehmen. Gleichzeitig sind sie aber auch ein Nachweis für die Art, den Umfang und den Inhalt der durchgeführten Aufklärung.

„Anzeichen“ von Beratung
Idealerweise sollte mit den Aufklärungsbögen „gearbeitet“ werden: Handschriftliche Anmerkungen, Schaubilder oder eigene Skizzen können eingefügt werden. Auf diese Weise sind Aufklärungsbögen und Merkblätter als ideale Ergänzung zum persönlichen Aufklärungsgespräch zu sehen. Eine Einwilligung allein anhand eines Vordruckes ist unwirksam und schafft keine hinreichende Grundlage für die Ausübung des Selbstbestimmungsrechts des Patienten.