Frankreichs Hotellerie kämpft mit Sterne-System

31. Juli 2012 Drucken

Paris (APA) – Die Hotels in Frankreich müssen sich derzeit an ein neues Klassifizierungssystem gewöhnen. Seit dieser Woche ist das veränderte Bewertungssystem Pflicht. Im Gegensatz zu jenem in Österreich, ist es für alle Beherbergungsbetriebe kostenpflichtig. Außerdem steht auf die Verweigerung der umstrittenen Besternung eine Geldstrafe von 15.000 Euro. In Österreich herrscht Freiwilligkeit. Derzeit macht aber […]

Paris (APA) – Die Hotels in Frankreich müssen sich derzeit an ein neues Klassifizierungssystem gewöhnen. Seit dieser Woche ist das veränderte Bewertungssystem Pflicht. Im Gegensatz zu jenem in Österreich, ist es für alle Beherbergungsbetriebe kostenpflichtig. Außerdem steht auf die Verweigerung der umstrittenen Besternung eine Geldstrafe von 15.000 Euro. In Österreich herrscht Freiwilligkeit. Derzeit macht aber erst jedes zweite französische Hotel mit. Frankreich ist nicht bei der „Hotelstars Union“, die vom Fachverband Hotellerie der Wirtschaftskammer Österreich 2010 gegründet wurde und mittlerweile elf Länder umfasst. Zwei weitere – Belgien und Malta – könnten bald folgen, sagte Fachverbands-Geschäftsführer Matthias Koch zur APA.

Aufbau einer europaweiten Qualitätsbemessung

„Nachdem Frankreich gerade dabei ist, ein neues System einzuführen, wird es schwierig, jetzt auf die Hotelstars Union zu wechseln“, erklärte Koch. „Wir haben als deutschsprachige Initiative begonnen und uns rascher entwickelt als ursprünglich gedacht.“ Derzeit versucht man, auch Spanien und Italien an Bord zu holen. Die Schwierigkeit sind dort die vielen regionalen Besternungssysteme, sodass nicht einmal innerhalb des Landes ein einheitliches System herrscht, geschweige denn ein internationales einfach zu installieren wäre.
In Frankreich finden sich derzeit erst auf 8.000 der insgesamt 20.000 Hotels die neuen Sterneplaketten. Für 2.000 weitere laufe zumindest das Prüfverfahren, das von privaten Unternehmen – und nicht mehr von der staatlichen Touristikagentur Atout France – durchgeführt werde, berichtete die Online-Plattform „orf.at“ am Freitag unter Berufung auf die französische Tageszeitung „Le Nouvel Observateur“.

„Diskretion und Pädagogik“

Die französische Tourismusministerin Sylvia Pinel soll mehr als unzufrieden sein. „Das ist ungenügend.“ Der Direktor des für Betrugsbekämpfung zuständigen Amtes im Finanzministerium habe laut „Le Parisien“ zudem auf die drohenden Geldstrafen verwiesen. Davon wolle man aber vorerst noch absehen und auf „Diskretion und Pädagogik“ setzen, heißt es auf „orf.at“ unter Verweis auf französische Quellen.
Das 250 Kriterien umfassende Bewertungssystem in dem Land ist umstritten. Vor allem ärgert die Hoteliers, dass sie nun für die Sterne zahlen müssen. Befürchtet werde zudem eine Diskontschlacht der insgesamt 50 Prüffirmen, welche die Sterne vergeben, übt Hotelfachmann Mark Watkins in der „Süddeutschen Zeitung“ Kritik. Außer Frage stehe, dass jene Firma mehr Aufträge erhalte, welche „die meisten Sterne für den niedrigsten Preis springen lässt“.

In Österreich kostenlos

In Österreich ist die Besternung für Mitglieder der Wirtschaftskammer kostenlos – der Betrag gilt durch die Kammerumlage als abgedeckt. Eine Klassifizierung kostet normalerweise zwischen 2.000 und 3.000 Euro und ist in einem Intervall von zwei bis fünf Jahren fällig. Die kürzeren Abstände gelten für die Fünf-Sterne-Hotels.

Die Hotel-Union

Der „Hotelstars Union“ gehören derzeit laut Fachverbands-Obmann Klaus Ennemoser die Mitglieder Deutschland, Estland, Lettland, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Schweden, Schweiz, Tschechien und Ungarn an. Eine Fehlentwicklung wie in Frankreich sei für Österreich unvorstellbar – die 270 Kriterien des hiesigen Klassifizierungssystems seien transparent und ermöglichten eine nachvollziehbare Vergabe der Sterne. Die 8.000 hierzulande klassifizierten Beherbergungsbetriebe könnten auf berechenbare Richtlinien zurückgreifen.
Foto: (c) Katharina Wieland Müller/Pixelio.de