Bildungskarenz Neu: Finanzielle Unterstützung für Weiterbildung neben Teilzeitjob vorgeschlagen

06. August 2012 Drucken
Bildungskarenz Neu: Finanzielle Unterstützung für Weiterbildung neben Teilzeitjob vorgeschlagen
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Die Bildungskarenz soll künftig attraktiver, treffsicherer und flexibler werden. Ein konkreter Vorteil der geplanten „Bildungskarenz Neu“ liegt laut darin, dass die an einer Bildungskarenz interessierten Beschäftigten künftig auch aktiv im Beruf bleiben und sich gleichzeitig durch Bildungsmaßnahmen weiter qualifizieren können. Sofern der Arbeitgeber einverstanden ist, kann der Mitarbeiter seine Arbeitszeit verkürzen und Bildungsmaßnahmen ergreifen. Der […]

Die Bildungskarenz soll künftig attraktiver, treffsicherer und flexibler werden. Ein konkreter Vorteil der geplanten „Bildungskarenz Neu“ liegt laut darin, dass die an einer Bildungskarenz interessierten Beschäftigten künftig auch aktiv im Beruf bleiben und sich gleichzeitig durch Bildungsmaßnahmen weiter qualifizieren können. Sofern der Arbeitgeber einverstanden ist, kann der Mitarbeiter seine Arbeitszeit verkürzen und Bildungsmaßnahmen ergreifen. Der Verdienstentgang und die Weiterbildungskosten werden nach diesen Plänen teilweise vom AMS ersetzt.

Eckpunkte des geplanten Reformkonzepts „Bildungskarenz Neu“

Wenn ein Arbeitnehmer neu einsteigen, umsteigen oder aufsteigen möchte, eine Bildungskarenz Neu anstrebt, und auch der Arbeitgeber mit der Inanspruchnahme einer (Teilzeit-) Bildungskarenz einverstanden ist, dann prüft das AMS die Sinnhaftigkeit der durch den Arbeitnehmer angestrebten Bildungsmaßnahme, und zwar anhand zweiter Kriterien:

  • erstens anhand der Frage, ob die Bildungsmaßnahme zur gegenwärtigen Qualifikation des Arbeitnehmers passt,
  • zweitens anhand der Frage, ob die Bildungsmaßnahme zu einer Qualifikation führt, die auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich nachgefragt wird.
    Wenn der Arbeitnehmer nicht eine spezielle Bildungsmaßnahme anstrebt, kann das AMS auch eine vorschlagen, die den Kriterien entspricht.

Wenn die Kriterien erfüllt sind, der Arbeitnehmer die Bildungsmaßnahme absolviert und dabei Teilzeit-beschäftigt bleibt, fördert das AMS die Lebenshaltungskosten des Arbeitnehmers mit einem Teil des Arbeitslosengeldes, das im Fall der Arbeitslosigkeit zustehen würde, und übernimmt die Kosten für die Bildungsmaßnahme bis zu einer maximalen Höhe.

Ablauf bei einer Bildungskarenz nach diesem Vorschlag:

  • Der Arbeitnehmer wendet sich an das AMS, nach einem Beratungsgespräch wird ein individueller Bildungsplan erstellt
  • Wenn der Arbeitnehmer sich für eine vom AMS für geeignet befundene Bildungsmaßnahme entscheidet, übernimmt das AMS aus dem Förderbudget einen Teil der Lebenshaltungskosten (in der Höhe der Hälfte des Arbeitslosengeldes im Fall einer 50 Prozent Teilzeit-Beschäftigung) und das AMS unterstützt aus dem Förderbudget die Bildungsmaßnahme („gedeckelt“)
  • Der Arbeitnehmer kann die Bildungskarenz Neu in Anspruch nehmen, wobei er während der Absolvierung der Bildungsmaßnahme die Arbeitszeit verringert und dabei beschäftigt bleibt
  • Die Bildungsmaßnahme muss insgesamt mindestens 20 Wochenstunden in Anspruch nehmen, bei Betreuungspflicht eines Kindes unter sieben Jahren mindestens 16 Wochenstunden
  • Die Teilnahme an der Bildungsmaßnahme muss durch den Arbeitnehmer nachgewiesen werden

Beispiel für eine Bildungskarenz Neu in einer Teilzeitvariante

Arbeitnehmer verdient 2.500 Euro (brutto) = 1.700 Euro (netto), reduziert seine Arbeitszeit auf die Hälfte und verdient dann 1.250 Euro (brutto) = 1.035 Euro (netto). Das AMS finanziert in diesem Fall durch die Hälfte des Arbeitslosengeldes die Lebenshaltungskosten: Arbeitnehmer hätte Anspruch auf 955 Euro Arbeitslosengeld, davon die Hälfte sind 476,50 Euro. Das sind im Endeffekt 1.502 Euro im Monat, die der Arbeitnehmer zur Verfügung hat, um für die Dauer der Bildungsmaßnahme den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Keine Auslagerung der Ausbildung

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) kann sich mit der ÖVP-Idee durchaus anfreunden und will sie auch verhandeln. Gegenüber dem KURIER verweist man in Hundstorfers Büro aber auf zwei Probleme: „Es muss verhindert werden, dass Unternehmen die Ausbildung der Mitarbeiter ganz auslagern und die Kosten der Allgemeinheit aufbürden.“ Zudem sei offen, wie das neue Modell überhaupt finanziert werden soll.