China steuert um: Pilotprogramm zur Umsatzsteuer wird ausgeweitet

13. August 2012 Drucken

Die Regierung in Peking weitete  mit Wirkung zum 1. August 2012 ihr Shanghaier Pilotprogramm zur Umsatzsteuer auf weitere Wirtschaftszentren aus. Unternehmen, die in China aktiv sind, können von der Reform profitieren, müssen sich aber schnell umstellen. Nach Shanghai werden zehn weitere Städte und Provinzen in das Probeprogramm miteinbezogen, wie das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG auf […]

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Shanghai (Bild) machte den Anfang: Nun sollen zehn weitere Provinzen neues chinesisches Umsatzsteuerrecht testen. (c) Ralf Hanke / pixelio.de

Die Regierung in Peking weitete  mit Wirkung zum 1. August 2012 ihr Shanghaier Pilotprogramm zur Umsatzsteuer auf weitere Wirtschaftszentren aus. Unternehmen, die in China aktiv sind, können von der Reform profitieren, müssen sich aber schnell umstellen. Nach Shanghai werden zehn weitere Städte und Provinzen in das Probeprogramm miteinbezogen, wie das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG auf seiner deutschen Website berichtet. Für Unternehmen bedeutet dies, dass es durch das Programm zu Vorsteuerabzügen kommt. Bisher fiel in den meisten Fällen die chinesische Business Tax in Höhe von fünf Prozent an.

Die neuen Provinzen

Wie der Staatsrat der Volksrepublik China Ende Juli ankündigte, greifen die Reformregelungen bis zum 31. Dezember dieses Jahres nach und nach auch in Peking, Tianjin, Jiangsu, Zhejiang, Anhui, Fujian, Hubei, Guangdong, Xiamen und Shenzhen. Zusammen mit Shanghai gilt die Umsatzsteuerreform damit für die wichtigsten Wirtschaftszentren Chinas.

Ausweitung auf weitere Branchen

Wann genau die Umstellung in den einzelnen Städten und Provinzen erfolgt, ließ die chinesische Führung offen. Es ist aber zu erwarten, dass die jeweils zuständigen lokalen Steuerbehörden dazu zeitnah Bekanntmachungen veröffentlichen werden
Wie der Staatsrat mitteilte, soll das Pilotprogramm im kommenden Jahr auch auf weitere Branchen ausgeweitet werden. Bisher ausgeschlossen sind Financial Services, Versicherungen, Real Estate, Bau, Telekommunikation, Unterhaltung und Postdienste.

Vorteile für Unternehmen

Wie der Pilotversuch in Shanghai gezeigt hat, könnte die Reform für Unternehmen deutliche Vorteile bringen. Nach Angaben des nationalen Statistikamts in China profitierten in Shanghai durch die Reform 70 Prozent der Steuerzahler.
Produzierende Unternehmen zum Beispiel können jetzt einen Vorsteuerabzug für den Bezug von Dienstleistungen beantragen, Dienstleister wiederum zum Beispiel für den Erwerb von Anlagevermögen. Mandanten, die grenzüberschreitende Dienstleistungen erbringen, haben jetzt häufig die Möglichkeit, ihre Transaktionen so zu strukturieren, dass die Umsatzsteuer keine wirtschaftliche Belastung darstellt.

Unerfahrene Behörden

Der Teufel steckt laut KPMG jedoch im Detail: Da die Finanzbehörden häufig noch unerfahren in der Anwendung der neuen Regelungen sind, gewähren sie zum Beispiel Umsatzsteuerbefreiungen manchmal nur zögerlich oder überhaupt nicht, obwohl sie im Pilotprogramm vorgesehen sind.
Bisher fiel in den meisten Fällen die chinesische Business Tax in Höhe von fünf Prozent an (plus lokale Zuschläge), die aufgrund eines fehlenden Erstattungsverfahrens eine echte wirtschaftliche Belastung bedeutete.

Auswirkungen auf Preise und Profitabilität

Für Unternehmen, die in China aktiv sind, hat dieser Reformschritt große Bedeutung. Der Vorstoß des chinesischen Staatsrats kommt kurzfristig, daher ist zu prüfen, wo Anpassungen notwendig sind, etwa mit Blick auf die Preisgestaltung, bestehende Verträge und die Profitabilität insgesamt.