EZB zieht riesige Brandmauer gegen Krise hoch

07. September 2012 Drucken

Frankfurt (APA) – Die Europäische Zentralbank (EZB) packt im Kampf um den Euro das ganz große Geschütz aus und bricht endgültig mit der Tradition der deutschen Bundesbank. Um das Funktionieren ihrer Geldpolitik in allen 17 Euro-Ländern zu garantieren, werde die EZB unter bestimmten Bedingungen an den Finanzmärkten unbegrenzt Staatsanleihen von Mitgliedsländern der Währungsunion kaufen, sagte […]

Die Funktionäre der Euro-Krise : Mario Draghi und Jean-Claude Juncker © APA

Frankfurt (APA) – Die Europäische Zentralbank (EZB) packt im Kampf um den Euro das ganz große Geschütz aus und bricht endgültig mit der Tradition der deutschen Bundesbank. Um das Funktionieren ihrer Geldpolitik in allen 17 Euro-Ländern zu garantieren, werde die EZB unter bestimmten Bedingungen an den Finanzmärkten unbegrenzt Staatsanleihen von Mitgliedsländern der Währungsunion kaufen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi.

„Was immer nötig ist“

Draghi sprach am Donnerstag nach der Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt von einem „effektiven Schutzschild“ für die Euro-Zone gegen die Stürme an den Märkten. Die EZB werde tun, „was immer nötig ist“, um den Euro zu retten. Deutschlands Notenbankchef stimmte als einziges Mitglied des EZB-Rats gegen den Plan. Der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung zog nach Bekanntwerden der Entscheidung deutlich an, am Aktienmarkt legte der Dax kräftig zu, und am Rentenmarkt fielen die Zinsen für spanische und italienische Anleihen deutlich. Den Leitzins beließ die EZB unverändert bei 0,75 Prozent.

Iberer in Not

Erster Kandidat für die Unterstützung per Notenpresse aus Frankfurt könnte Spanien sein. Dessen Regierungschef Rajoy erklärte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Deutschlands Bundeskanzlerin Merkel in Madrid, er könne noch nicht sagen, ob sein Land Hilfe in Anspruch nehmen werde. Merkel betonte, die EZB handele „im Rahmen ihres Mandats“. Die Kanzlerin erklärte aber auch, dass die Aktionen der Notenbank politisch nötige Reformen nicht ersetzen könnten. Dies erklärte auch EZB-Präsident Draghi im Frankfurter Euro Tower nach dem womöglich wichtigsten Treffen seit Beginn der Währungsunion und spielte den Ball zur Politik zurück.

ESFS-Schirm als Bedingung

Wichtigste Bedingung für ein Eingreifen der EZB sei, dass ein Land, dessen Anleihen gekauft würden, zuvor unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft sei, betonte der Italiener. Dies sei nötig, um sicherzustellen, dass die Interventionen an Bedingungen, vor allem eine Sanierung der Staatsfinanzen, geknüpft sei. Der Internationale Währungsfonds (IWF) könne dabei helfen, dass die Bedingungen auch erfüllt würden, falls er dies wolle, sagte der EZB-Chef. IWF-Chefin Christine Lagarde lobte den Kurs der EZB. Der Fonds werde die Notenbank im Rahmen seines Regelwerkes dabei unterstützen.

Monti begrüßt EZB-Weichenstellung bei Anleihen

Italiens Regierungschef Monti bewertet den EZB-Plan zum unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen positiv und blickt optimistisch in die Zukunft des Landes. „Wenn Italien sich weiterhin mit einem Bewusstsein für Disziplin und Reform bewegt, könnten diese Hilfen nicht notwendig werden“, zitieren die italienischen Medien am Freitag Monti. „Ich glaube, sie werden nicht notwendig sein“, fügte er an.

Nach der Entscheidung der EZB zum Aufkauf von Staatsanleihen der Euro-Krisenländer gehen unterdessen die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen zurück. Die Zinsen für zehnjährige spanische Anleihen sanken am Freitag um 0,21 Prozentpunkte auf 5,80 Prozent. Es war das erste Mal seit Mai, dass der Risikoaufschlag unter die Marke von sechs Prozent fiel.
Anleger rechnen damit, dass Madrid in den nächsten Wochen die EZB formell bitten wird, spanische Anleihe aufzukaufen. Die Erwartungen eines solchen Schritts haben dazu geführt, dass die Zinsen für spanische Papiere in den vergangenen Wochen gesunken sind.