Österreichische Einzelhandelsbranche liefert Vorreiter-Konzepte für rückläufige Märkte

19. Oktober 2012 Drucken

Die  sinkenden Bevölkerungszahlen und die schwindende Kaufkraft  in Europa stellen den Einzelhandel vor bislang nicht gekannte Probleme. Österreichs Einzelhandelsbranche gilt laut Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger als „Vorreiter“ bei innovativen Konzepten für rückläufige Märkte.  Die Consulter empfehlen die Strategie, in ganz Westeuropa weg von anonymen Großmärkten hin zu freundlichen, qualitativ hochwertigen Ladenkonzepten mit umfangreichem Serviceangebot […]

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Österreichs Einzelhandels-branche ist gut gegen Europakrise aufgestellt. © Viktor Mildenberger / pixelio.de

Die  sinkenden Bevölkerungszahlen und die schwindende Kaufkraft  in Europa stellen den Einzelhandel vor bislang nicht gekannte Probleme. Österreichs Einzelhandelsbranche gilt laut Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger als „Vorreiter“ bei innovativen Konzepten für rückläufige Märkte.  Die Consulter empfehlen die Strategie, in ganz Westeuropa weg von anonymen Großmärkten hin zu freundlichen, qualitativ hochwertigen Ladenkonzepten mit umfangreichem Serviceangebot und Eigenmarken zu gehen. Österreich habe diesen Prozess bereits hinter sich.

Europaweit rückläufige Umsätze

Der westeuropäische Einzelhandel war über Jahrzehnte ein boomender Wachstumsmarkt mit großen Umsatzsteigerungen. Unterschiedliche Konzepte und Formate in den einzelnen Ländern sorgten für ständig neues und schnelleres Wachstum. So herrschen auch heute in Westeuropa verschiedene Einzelhandelsmodelle: Discounter in Deutschland, Einkaufszentren in Frankreich und großformatige, großflächige Supermärkte in Österreich. Doch aufgrund des rückläufigen Bevölkerungswachstums sowie der gesunkenen Kaufkraft in Europa nehmen die Umsätze der Branche ab. Der Einzelhandel steht daher vor der wichtigen Aufgabe, neue Wachstumsstrategien für bestehende wie neue Märkte zu entwickeln. Die neue Roland Berger-Studie „Western European Retailers – At cross-roads between revolution or evolution“ beleuchtet vier Wachstumsstrategien für den Einzelhandel. Österreich ist hier im internationalen Vergleich ein Vorreiter. Hier setzen viele Supermärkte schon heute auf innovative Konzepte, beim Produktmix aus lokalen und internationalen Angeboten ist eine positive Entwicklung zu beobachten“, heißt es in der Studie.

Spürbare Rückschläge

In Westeuropa haben die Sättigung vieler Märkte und Konsumzurückhaltung in einigen Ländern vielen großen Einzelhandelsketten in den letzten Jahren Aktienkursrückgänge von bis zu 34 Prozent beschert. Auch die Möglichkeiten durch Akquisitionen weiter zu wachsen, sind begrenzt, denn oft werden Übernahmen kartellrechtlich verwehrt.

In Österreich verwirklicht: Neue Ladenkonzepte und Eigenmarken

In den saturierten Märkten reichen traditionelle Retail-Konzepte im Einzelhandel nicht mehr aus, um weiter zu wachsen. Vielmehr müssen Einzelhändler aus bestehenden Ladenflächen moderne, kundenfreundliche Einkaufswelten schaffen, um neue Kundschaft zu gewinnen. Große Einzelhändler sollten in ganz Westeuropa weg von anonymen Großmärkten hin zu freundlichen, qualitativ hochwertigen Ladenkonzepten mit umfangreichem Serviceangebot. In Österreich hat der Handel diesen Schritt schon großteils hinter sich.
Einer der Haupttreiber für Umsatzwachstum im Einzelhandel ist außerdem der Verkauf von Eigenmarken. Denn mit eigenen Produkten können Retailer bis zu 25 Prozent höhere Margen erzielen und Preise anbieten, die um 15 Prozent günstiger sind als der Durchschnitt.
Vorreiter beim Einsatz von Eigenmarken ist die Schweiz; doch auch andere europäische Länder folgen bereits diesem Modell. So gehen die Roland Berger-Experten davon aus, dass der Anteil von Eigenmarken am Gesamtangebot in den nächsten Jahren im westeuropäischen Durchschnitt auf 45 Prozent steigen und in Österreich rund ein Drittel erreichen wird. „Der wachsende Anteil von Eigenmarken kann dazu führen, dass der Umsatz der Markenartikel in wichtigen Märkten wie Frankreich, England, Deutschland, Italien in den kommenden Jahren um 55 bis 88 Milliarden Euro schrumpft“, warnt die Studie

Neue Märkte und innovative Retail-Modelle

Um in neuen Märkten zu expandieren, sollte der Einzelhandel vor allem auf die lokalen Kundenbedürfnisse achten. So ist die Entscheidung, einen Großteil der Produkte lokal zu beziehen, oft eine sehr erfolgreiche Strategie, die in Österreich schon umgesetzt wird. Wichtig ist aber auch – sowohl in neuen, als auch in traditionellen Märkten – neue Einkaufsmodelle zu etablieren.   Waren früher die Hard Discounts ein erfolgreiches Retail-Modell, so etablieren sich heute zunehmend Drive-In-Einkaufsmöglichkeiten oder 24-Stunden-Geschäfte in den Innenstädten.
Eine immer wichtigere Rolle spielt außerdem das Online-Shopping: 2011 stieg der Anteil europäischer Online-Shopper auf 40 Prozent, Tendenz steigend. So erwarten die Roland Berger-Strategen, dass der europäische Markt für Online-Shopping im laufenden Jahr um weitere 16 Prozentpunkte zulegen wird. Für den europäischen Markt stellt das eine hervorragende Wachstumsmöglichkeit direkt vor Ort dar. Denn Online können rund 500 Millionen europäische Verbraucher erreicht werden.