Euro-Gruppe scheiterte an Griechenland-Hilfen

21. November 2012 Drucken

Brüssel (APA) Die Euro-Gruppe ist vorerst daran gescheitert, sich auf eine Lösung für Griechenland zu einigen. Nach einer Debatte die gesamte Nacht hindurch brachen die Finanzminister am frühen Mittwochmorgen ihre Beratungen nach 12 Stunden ab, wie die Finanzierungslücken ihres Euro-Partners geschlossen werden sollen. Damit liegt auch die Auszahlung der nächsten Hilfstranche auf Eis. Der Aufschub des […]

EU-Gipfel November, Eurokrise November, Griechnelandhilfe

EZB-Chef Draghi ringt griechischem Minister Yiannis Stournaras (2vr) ein Lächeln ab. Die Verhandlungen blieben dennoch ergebnislos. © APA

Brüssel (APA) Die Euro-Gruppe ist vorerst daran gescheitert, sich auf eine Lösung für Griechenland zu einigen. Nach einer Debatte die gesamte Nacht hindurch brachen die Finanzminister am frühen Mittwochmorgen ihre Beratungen nach 12 Stunden ab, wie die Finanzierungslücken ihres Euro-Partners geschlossen werden sollen. Damit liegt auch die Auszahlung der nächsten Hilfstranche auf Eis. Der Aufschub des Defizitziels um zwei Jahre auf 2016 macht zusätzlich mehr als 30 Milliarden Euro nötig, die nach dem Wunsch von Staaten wie Deutschland und der Niederlande ohne frisches Geld gedeckt werden sollen.

Aufschub ohne zusätzlichen Kapitalzufluss

Die Finanzminister hatten eine ganze Reihe von Konfliktpunkten auf der Tagesordnung, die vor der Zahlung einer weiteren Tranche gelöst werden sollten. Das Ausmaß der Finanzlöcher in der bisherigen Planung für eine Sanierung des öffentlichen Haushaltes in Athen und einen langfristigen Schuldenabbau ist groß: Allein der Aufschub des Defizitziels um zwei Jahre auf 2016 macht zusätzlich mehr als 30 Milliarden Euro nötig, die nach dem Wunsch von Staaten wie Deutschland und der Niederlande ohne frisches Geld gedeckt werden sollen.

Weiterer Schuldenverzicht scheint unausweichlch

Auch der geplante Schuldenabbau auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ist auf keinen Fall ohne Zugeständnisse der Geldgeber zu erreichen, selbst wenn dem Land hierfür ebenfalls zwei Jahre länger bis 2022 Zeit gegeben wird. Gleichzeitig wartet Griechenland dringend auf die nächste Hilfstranche.
Wegen aufgelaufener Zahlungen seit Sommer kann sie bis zu 44 Milliarden erreichen. Euro-Zone und Internationaler Währungsfonds wollten eigentlich bis Mittwoch eine politische Zusage geben, damit das Geld Anfang Dezember fließen kann.

EZB-Zinsen an Athen weitergeben?

Dem Basisszenario zufolge würde der griechische Schuldenstand unter unveränderten Bedingungen 2020 bei 144 Prozent liegen, 2022 auf 133 Prozent sinken und 2030 auf 111 Prozent. Der Schuldenberg würde allerdings um 4,6 Prozentpunkte gesenkt, wenn die EZB die Gewinne aus ihren griechischen Anleihen an die Regierung in Athen weiterreichen würde. Ein Aussetzen der Zinsen auf die 130 Milliarden Euro umfassenden Kredite des Euro-Rettungsschirms EFSF für zehn Jahre brächten weitere 16,9 Prozentpunkte oder 43,8 Milliarden Euro. Eine Senkung der Zinsen könnte je nach Gestaltung dieses Instruments bis zu 5,1 Prozentpunkte wegnehmen.

Auch Rückkauf von Anleihen möglich

Der vorbereitete Gipfelvorschlag, auf den man sich nicht einigen konnte, rechnet auch einen Rückkauf von Anleihen von Privatgläubigern ein, für den verschiedene Szenarien vorgestellt werden. So kämen eine Milliarde Euro oder 0,5 Prozentpunkte zusammen, wenn Griechenland die beim Schuldenschnitt im März ausgegebenen Anleihen zum halben Preis erwerben würde.
Als „derzeit vernünftigen Korridor“ bezeichnet die Troika den Rückkauf von Anleihen im Umfang von zehn Milliarden Euro zu einem Preis zwischen 30 und 35 Prozent ihres nominalen Werts. Sollte das Euro-Land 50 Prozent ihres Werts bieten, würde sich der Schuldenberg bis 2020 dank dieses Schritts um 2,4 Prozentpunkte reduzieren. Die Option, private Gläubiger zu einer Beteiligung an dem Rückkauf zu zwingen, verwirft das Papier.

Rund 50 Milliarden müssten abgebaut werden

Je nach Laufzeit sind griechische Anleihen derzeit zwischen 20 und 30 Cent pro Euro wert. Der Privatsektor hält noch rund 60 Milliarden Euro aller griechischen Staatsanleihen im Umfang von 340 Milliarden Euro. Ein Rückkauf soll EU-Vertretern zufolge 30 bis 40 Milliarden erfassen. Eine Reduzierung des Schuldenstands von etwa 144 Prozent auf 120 Prozent bedeutet den Abbau von gut 50 Milliarden Euro.

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