Mails als Beweismittel für US-Klage gegen S&P

07. Februar 2013 Drucken

New York (APA/dpa) Interne E-Mails gehören zu den wichtigsten Beweismitteln in der 5 Mrd. Dollar (3,7 Mrd. Euro) schweren US-Betrugsklage gegen S&P. Die Notizen geben einen Einblick in die Gedankenwelt der Rating-Experten. Was der Leser hier erfährt, ist nicht immer schmeichelhaft.   Büro-Tratsch liefert Hintergründe Im März 2007 dichtet ein Mitarbeiter der Ratingagentur Standard & Poor’s […]

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US-Regierung wirft Standard & Poor's vor, aus Profitsucht viel zu lange viel zu gute Bonitätsnoten für Hypothekenpapiere vergeben zu haben. © APA

New York (APA/dpa) Interne E-Mails gehören zu den wichtigsten Beweismitteln in der 5 Mrd. Dollar (3,7 Mrd. Euro) schweren US-Betrugsklage gegen S&P. Die Notizen geben einen Einblick in die Gedankenwelt der Rating-Experten. Was der Leser hier erfährt, ist nicht immer schmeichelhaft.

 

Büro-Tratsch liefert Hintergründe
Im März 2007 dichtet ein Mitarbeiter der Ratingagentur Standard & Poor’s auf die Melodie des „Talking Heads“-Hits „Burning Down the House“ von 1983 ein paar hochaktuelle neue Liedzeilen: „Passt auf! Der Häusermarkt ist schwächer geworden. Kühlt sich ab. Der starke Markt ist nun viel schwächer. Zweitklassige Hypotheken kochen über. Lassen das Haus einstürzen.“
Der Krisen-Song ging per E-Mail an einige Kollegen. Fünf Jahre später finden sich die Zeilen für jedermann lesbar in der Klage des US-Justizministeriums gegen S&P. Und sie belegen nach Ansicht der Regierung in Washington, dass die Finanzfachleute schon früh wussten, wie schlecht es um den amerikanischen Immobilienmarkt bestellt ist.

Beschönigende Bewertungen für besseren Geschäftsgang
Die Mailwechsel und Chatprotokolle zählen zu den wichtigsten Beweismitteln des Justizministeriums, das der Ratingagentur vorwirft, aus Profitsucht viel zu lange viel zu gute Bonitätsnoten für Hypothekenpapiere vergeben zu haben – und damit letztlich eine Mitschuld daran zu tragen, dass die Finanzkrise 2008 ausuferte.
Denn S&P bekam seine Bewertungsaufträge wie in der Branche üblich von den Banken, die die Hypothekenpapiere an Investoren verkaufen wollten. Dieser Interessenkonflikt war auch innerhalb von S&P ein Thema, wie die Aufzeichnungen zeigen: Würde S&P zu schlecht bewerten, könnten die Banken zu einer anderen Ratingagentur abwandern und sich dort eine bessere Note abholen. Würde S&P wider besseren Wissens zu gut bewerten, wäre das Betrug am Käufer der Hypothekenpapiere.

5 Mrd. Dollar stehen am Spiel
Für Standard & Poor’s und die Mutterfirma McGraw-Hill geht es nicht nur um die Reputation, sondern auch um viel Geld. Justizminister Eric Holder will der Ratingagentur eine Zivilstrafe von 5 Milliarden Dollar aufbrummen (3,7 Mrd Euro). Das wäre ein vielfaches des Jahresgewinns.