Rehn sieht Gefahr eines Abwertungswettlaufs

11. Februar 2013 Drucken

Berlin/Rom (APA/dpa) Erst hatte EZB-Präsident Draghi mit vagen Äußerungen über den starken Euro die Devisenmärkte bewegt. Nun legt EU-Währungskommissar Rehn nach und warnt sehr viel deutlicher vor einem globalen Währungskrieg – ohne indes das Wort selbst in den Mund zu nehmen. „Eine Anhebung des Euro-Wechselkurses wäre vor allem für die südlichen Euroländer sehr schädlich“, sagte Rehn […]

EU-Währungskommissar Olli Rehn sieht fragiles Währungssystem durch Abwertung gefährdet. © APA

Berlin/Rom (APA/dpa) Erst hatte EZB-Präsident Draghi mit vagen Äußerungen über den starken Euro die Devisenmärkte bewegt. Nun legt EU-Währungskommissar Rehn nach und warnt sehr viel deutlicher vor einem globalen Währungskrieg – ohne indes das Wort selbst in den Mund zu nehmen. „Eine Anhebung des Euro-Wechselkurses wäre vor allem für die südlichen Euroländer sehr schädlich“, sagte Rehn dem Magazin „Profil“. „Deutschland, Österreich, Niederlande, Finnland könnten das noch verkraften. Aber die südlichen Länder würden Probleme bei ihren Exporten in andere Teile der Welt bekommen“, warnte Rehn vor den Folgen eines überhöhten Euro-Wechselkurses.

 

Kein Währungskrieg
Auf die Gefahr eines „Währungskrieges“ zulasten der Eurozone angesprochen, sagte Rehn: „Ich erkenne die Gefahr einer kompetitiven Abwertung. Wir haben erst kürzlich die Regierung Japans vor entsprechenden Schritten Richtung Abwertung des Yen gewarnt.“ Zugleich forderte er Reformen im Weltwährungssystem, „damit es nicht zu negativen Einflüssen auf den Welthandel kommt“.

In Eurokrise das Schlimmste vorbei
Die Eurozone hat nach Einschätzung des finnischen EU-Kommissars in der Schuldenkrise das Schlimmste hinter sich. „Die Krise wirft einen langen Schatten, vor allem was die sozialen Folgen betrifft“, sagte Rehn. „Aber das Horrorszenario, also der Zerfall der Eurozone, ist gebannt.“ Allerdings mahnte er, dass die Eurostaaten weiter an der Sanierung ihrer Haushalte arbeiten und strukturelle Reformen vorantreiben müssten.

Nervosität bleibt
Wie nervös die Finanzmärkte weiterhin reagierten, habe sich erst in der vergangenen Woche gezeigt, als der spanische Skandal um angebliche schwarze Kassen der regierenden Volkspartei (PP) sowie die nahenden italienischen Parlamentswahlen in den Fokus der Investoren gerieten. „Die Märkte haben sofort reagiert, und die Zinsen für die Staatsanleihen der beiden Länder sind wieder in die Höhe geschnellt“, sagte Rehn. „Das sollte uns daran erinnern, dass wir den Kampf gegen die Krise noch nicht gewonnen haben.“
Mit Blick auf Italien mahnte der EU-Kommissar: „Welche Farbe die neue Regierung in Italien auch haben wird, es ist wichtig, dass sie den Reformkurs beibehält. Sie darf sich nicht zurücklehnen.“