Neuer Journalisten-KV: Kluft zwischen Print- und Online-Schreibern geschlossen

11. März 2013 Drucken

Nach vierjährigen Verhandlungen haben sich der Verband Österreich-ischer Zeitungen (VÖZ) und die Journalisten-gewerkschaft in der GPA-djp auf einen neuen Kollektivvertrag für Journalisten geeinigt. Er wird für Print-Journalisten ebenso gelten wie für Online-Journalisten, die bislang nach anderen KVs bezahlt wurden. Dafür entfallen das 15. Monatsgehalt sowie sinken  die Einstiegsgehälter. Vorbehaltlich der Zustimmung der gewerkschaftlich organisierten JournalistInnen […]

Der 15. Gehalt angestellter Print-Journalisten wird gegen verbesserte KV-Bedingungen der Online-Kollegen abgetauscht. © Christian Evertsbusch / pixelio.de

Nach vierjährigen Verhandlungen haben sich der Verband Österreich-ischer Zeitungen (VÖZ) und die Journalisten-gewerkschaft in der GPA-djp auf einen neuen Kollektivvertrag für Journalisten geeinigt. Er wird für Print-Journalisten ebenso gelten wie für Online-Journalisten, die bislang nach anderen KVs bezahlt wurden. Dafür entfallen das 15. Monatsgehalt sowie sinken  die Einstiegsgehälter. Vorbehaltlich der Zustimmung der gewerkschaftlich organisierten JournalistInnen soll der KV am 1. Juli in Kraft treten.

Das Wichtigste aus dem neuen Journalisten-Kollektivvertrag:

  • Geltungsbereich: Der  neue KV gilt für Tages- und Wochenzeitungen sowie für digitale redaktionelle Angebote (Online, Mobile), wenn sie mit Tages- und Wochenzeitungen vergleichbar sind. Auch vom KV erfasst ist der „technisch-redaktionelle Dienst“ – also Layouter, Grafiker, Bildbearbeiter oder Cutter, soweit sie am redaktionellen Teil mitarbeiten. Für diese gelten aber teilweise andere Regelungen.
  • Anzahl der Gehälter: Der KV Neu sieht (wie in allen anderen Branchen üblich) 14 statt bisher 15 Gehälter vor. „Alt-Dienstnehmer“ erhalten das bisherige 15. zunächst auf 14 Gehälter umgerechnet. Die Gehälter dieser Gruppe werden aber in den nächsten Jahren im Rahmen der jährlichen KV-Erhöhung durch schrittweise Gegenrechnung langsamer wachsen als die Gehälter neu eintretender Dienstnehmer.
  • Gehaltsstufen: Die Einstiegsgehälter sind im neuen KV niedriger als bisher. Nach dem „alten“ Journalisten-KV verdient ein Redakteur im ersten Jahr rund 2.541 Euro, im zweiten 2.687 Euro, im dritten 2.837 Euro und im fünften Jahr 3.132 Euro – jeweils 15 mal jährlich.Künftig soll es im ersten Jahr 2.185 Euro, im zweiten 2.285 Euro und im dritten 2.385 Euro geben. Dann gibt es nur mehr eine „Regelstufe“ mit 2.610 Euro (Brutto-NettoRechner). Die Bezüge werden vierzehn mal pro Jahr ausgezahlt. Für die technisch-redaktionellen Dienste gibt es 2.060 Euro (1. Jahr), 2.160 Euro (2. Jahr) und 2.335 Euro (Regelstufe). Die neue Gehaltstabellen gelten für Neueintretende.
  • Quinquennien: Die Gehaltssprünge mittels Quinquennien bestehen ab Erreichen der Regelstufe weiter, werden jedoch abgeflacht. Wobei beispielsweise das dritte und das vierte Quinquennium noch immer jeweils Gehaltssteigerungen von acht Prozent vorsehen.
  • Arbeitszeit: Die Normalarbeitszeit beträgt wie bisher 38 Wochenstunden und ist auf fünf tunlichst zusammenhängende Tage zu verteilen. Arbeiten, die am sechsten Tag erbracht werden, fallen unter die Überstundenregelung (50 Prozent Zuschlag). Sonn-, Feiertagsüberstunden sowie Nachtüberstunden werden mit einem Zuschlag von 100 Prozent vergütet.
  • Urlaub: In Zukunft ist dieser für alle Journalisten nach Journalistengesetz geregelt, demnach beträgt der Mindesturlaub 30 Tage, nach zehnjähriger Dauer des Arbeitsverhältnisses 39 Tage. Der Urlaubsanspruch von 41 tagen nach 20 Jahren Dienstverhältnis entfällt. Für Altverträge soll die bisherige Regelung bestehen bleiben
  • Sabbaticals: Sie können einvernehmlich vereinbart werden, wobei der vereinbarte KV-Text Mustermodelle mit bis zu einjähriger Dauer ermöglicht.

Die Regeln für die Anstellung freier Dienstnehmer und die Eingliederung von in Konzernen von VÖZ-Mitgliedern tätigen Journalisten ist darüber hinaus festgeschrieben. Wie diese Regelungen zu den Freien Mitarbeitern aussehen, ist derzeit noch nicht bekannt.

Gültigkeit
Im Laufe des März werden die finalen Formulierungen ausgearbeitet. In der Folge wird der Kollektivvertrag den Mitgliedern der Journalistengewerkschaft zur Urabstimmung vorgelegt. Eine positive Urabstimmung durch die Mitglieder der Journalistengewerkschaft vorausgesetzt, wird das Vertragswerk von VÖZ und Gewerkschaft im Mai unterzeichnet. Mit 1. Juli 2013 könnte dann der Journalisten-Kollektivvertag Neu in Kraft treten.

 

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