Österreich liegt bei mittlerem Haushaltsvermögen weit hinter Spanien, Frankreich und Italien

25. März 2013 Drucken

Die Deutsche Bundesbank hat mit einer wissenschaftlichen Studie ein Bild der wirtschaftlichen Situation privater Haushalte in Europa  gezeichnet – mit einem erstaunlichen Ergebnis: Der Median – für diese Position gibt es ebenso viele reichere wie ärmere Haushalte – liegt in Deutschland netto bei 51.400 Euro, in Österreich bei 76.400 Euro. In Frankreich liegt das Median-Nettovermögen mit 113.500 Euro mehr […]

Spanier und Italiener haben mehr Immobilienbesitz als Österreicher. © Thorben Wengert/ pixelio.de

Die Deutsche Bundesbank hat mit einer wissenschaftlichen Studie ein Bild der wirtschaftlichen Situation privater Haushalte in Europa  gezeichnet – mit einem erstaunlichen Ergebnis: Der Median – für diese Position gibt es ebenso viele reichere wie ärmere Haushalte – liegt in Deutschland netto bei 51.400 Euro, in Österreich bei 76.400 Euro. In Frankreich liegt das Median-Nettovermögen mit 113.500 Euro mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. In Spanien (178.300 Euro) und Italien (163.900) ist der Wert sogar mehr als drei Mal so hoch. Vermögen ist in Österreich und Deutschland weitaus stärker konzentriert als in Spanien oder Italien. 

Österreichs Median-Vermögen liegt weit hinter jenem in I, FR, ESP
Die Deutsche Bundesbank hat mit einer wissenschaftlichen Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen“ (PHF) ein Bild der wirtschaftlichen Situation privater Haushalte in Deutschland und Österreich  gezeichnet. Durch eine komplizierte, aber die Realität

Studie weist ungleiche Vermögensverteilung in DE und AUT aus. (zum Vergrößern bitte anklicken)

besser beschreibende statistische Methode kommt die Bundesbank zu einem erstaunlichen Ergebnis: Interessant ist, dass in Österreich und Deutschland sowohl der Durchschnittswert als auch der Median des Nettovermögens niedriger liegt als in anderen großen Ländern des Euro-Raums, für die es vergleichbare Angaben gibt. In Frankreich liegt das Median-Nettovermögen mit 113.500 Euro mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. In Spanien (178.300 Euro) und Italien (163.900) ist der Wert sogar mehr als drei Mal so hoch. In Österreich liegt er bei 76.400 Euro.

Spanier verfügen über höchstes Durchschnittsvermögen
In der Regel wird mit dem Durchschnittseinkommen argumentiert: Dies ist der Mittelwert, das heißt die hochgerechnete Summe aller Vermögenswerte, dividiert durch die Anzahl der Haushalte. In Österreich verfügt ein Haushalt  laut Studie über ein geschätztes durchschnittliches Vermögen von 265.000 Euro netto (abzüglich Verschuldung), in Deutschland netto von 195.200 Euro. Die spanischen Haushalte führen das Listin der deutschen Bundesbank mit 285.800 Euro an. Frankreich liegt bei 229.300, Italien lieferte dazu keine Daten.

Was ist ein „Median-Einkommen“
Durchschnittliche Vermögenswerte beschreiben die Summe aller Vermögenswerte geteilt durch die Anzahl der Haushalte. Doch eine solche Zahl hat nur beschränkte Aussagekraft. Die Süddeutsche Zeitung zeichnet dafür ein eingängiges Bild: Wenn von zwei Menschen einer ein ganzes Hähnchen isst und der andere gar nichts, dann verspeisen im Schnitt beide ein halbes Hähnchen.

Die Verteilung führt in DE zu großen Unterschieden zwischen Durchschnitt und Median-Einkommen. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Daher beschritt die Untersuchung der Deutschen Bundesbank einen neuen Weg: Das Vermögen des „mittleren“ Haushalts ist besser durch den Median beschrieben. Werden Haushalte nach ihren Vermögenswerten aufgereiht, so nimmt der Medianwert die mittlere Position ein: Es gibt ebenso viele reichere wie ärmere Haushalte. Diese Mediane liegen typischerweise deutlich unter den entsprechenden Durchschnitten: Die meisten Haushalte, in Gesamtdeutschland rund 73 %, haben ein „unterdurchschnittliches“ Nettovermögen. Sowohl der Durchschnitt als auch der Median des Nettovermögens in Deutschland liegen damit niedriger als in anderen großen Ländern des Euro-Raums, für die es vergleichbare Angaben gibt. Hinsichtlich der Medianwerte sind die Unterschiede deutlicher ausgeprägt als bei den Durchschnitten.

Die Interpretation
In der Untersuchung fehlen die Ansprüche gegenüber den gesetzlichen Sozialversicherungen, während private Rentenversicherungen und Lebensversicherungen berücksichtigt wurden. Es ist davon auszugehen, dass dies zu einer Überzeichnung der Ungleichverteilung des Vermögens führt. Noch genereller erlauben Aussagen zum privaten Vermögen der Haushalte nur eingeschränkt Rückschlüsse auf den Lebensstandard oder das Vermögen einer Gesellschaft.
Die Erhebung des PHF ermöglicht Aussagen darüber, welche Haushalte besonders von Preisveränderungen bestimmter Vermögen wie Immobilien oder Aktien betroffen werden, oder wie sie für das Alter Vorsorge treffen.

Ausgeprägte Mietinfrastruktur bremst Vermögensbildung in AUT und DE
Der bedeutendste Aktivposten deutscher Haushalte stellt der eigengenutzte Immobilienbesitz dar. Im Durchschnitt über alle Immobilieneigentümer liegt er bei 205.800 Euro (Median: 168.000 Euro). Die Eigentümerquote in Deutschland beträgt 44,2 %. Der Anteil des von Eigentümern selbstgenutzten Wohnraums ist im europäischen Vergleich eher gering. In Frankreich wohnen etwa 58 % der Haushalte in der eigenen Immobilie, in Spanien (83 %) und Italien (69 %) noch deutlich mehr. Im Gegensatz zu diesen Ländern hat der deutsche Median-Haushalt keine eigengenutzte Immobilie. Eine ähnliche Quote wie in Deutschland gilt für Österreich (48 %). In der Schweiz wird sie mit 40 % noch niedriger geschätzt. Rund 18 % der deutschen Haushalte besitzen Immobilien, in denen sie nicht selbst wohnen – darunter sind auch Mieterhaushalte.

Immobilienbesitz macht vermögend
Deutsche Hauseigentümer sind meist deutlich reicher als Haushalte ohne Wohneigentum. Der Medianwert des Nettovermögens von Eigentümern einer entschuldeten Immobilie liegt in Deutschland bei 255.600 Euro. Bei Eigentümern einer mit Schulden belasteten Immobilie ergibt sich ein Medianwert von 160.200 Euro. Bei Mieterhaushalten sind es gerade mal 10.300 Euro.  Wie die Studie ausdrücklich festhält, sind die Trends in Deutschland und Österreich sehr ähnlich.

 

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