EZB-Studie: Vermögen in Österreich und Deutschland am stärksten konzentiert

11. April 2013 Drucken

Wien (APA/ruh) Österreich ist nach Deutschland das Land mit der größten Ungleichverteilung von Vermögen. Und Zyprioten verfügen über ein Mehrfaches des Vermögens, das den Haushalten hierzulande zur Verfügung steht. Dieses Ergebnis einer Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) rief am Mittwoch zahlreiche Reaktionen hervor. In Österreich besitzen 5 % der Bevölkerung 45 % des Vermögens Die reichsten zehn […]

EZB-Vermögensstudie, Finance and Consumption Survey

Mieser Befund für Österreich: Laut EZB zählt Österreich zu den Ländern mit der größten Ungleichverteilung von Vermögen. © Lupo/pixelio.de

Wien (APA/ruh) Österreich ist nach Deutschland das Land mit der größten Ungleichverteilung von Vermögen. Und Zyprioten verfügen über ein Mehrfaches des Vermögens, das den Haushalten hierzulande zur Verfügung steht. Dieses Ergebnis einer Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) rief am Mittwoch zahlreiche Reaktionen hervor.

In Österreich besitzen 5 % der Bevölkerung 45 % des Vermögens
Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung besitzen laut EZB-Studie in der Eurozone die Hälfte des gesamten Vermögens. Die obersten fünf Prozent der Haushalte besitzen demnach im Schnitt 37,2 Prozent des gesamten Nettovermögens, in Österreich hingegen sind es über 45 Prozent.

Österreicher liegen beim Immobilienbesitz in Europa weit hinten. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Der Median des Nettovermögens liegt in Österreich bei 76.400 Euro und der durchschnittliche Wert bei 265.000 Euro. Für die Berechnung des Median werden die einzelnen Werte in aufsteigender Reihenfolge geordnet und dann der Wert in der Mitte genommen. Je größer der Unterschied zwischen den beiden Werten, desto ungleicher ist das Vermögen verteilt.

Unterschied zwischen Median und Mittelwert
An der Vermögensstudie der EZB waren alle Statistikämter und Notenbanken in den einzelnen Euro-Staaten beteiligt, die EZB stellte dabei die einheitliche Methode bei der Zusammenstellung der Daten sicher. Die ersten Erhebungen zur Studie wurden 2006 in die Wege geleitet. Wie schon in der Veröffentlichung der Bundesbank beschrieben, nützt die Vermögensstudie für ihre Aussagen in erster Linie zwei Daten: den Median (Mittelwert) und den Mean (Durchschnittswert). Beide Werte unterscheiden sich markant.
So lag das Median-Nettovermögen der zyprischen Haushalte bei 266.000 Euro – das bedeutet, dass 50 Prozent der Zyprer mehr als 266.000 Euro besitzen und 50 Prozent der Zyprer weniger. Der österreichische Median liegt bei 76.400, der deutsche bei 51.400 Euro. Ganz anders ist es beim Durchschnitt. Hier wird das gesamte Nettovermögen eines Landes durch die Zahl der Haushalte geteilt. Hier kommt man für Zypern auf die ungleich höhere Summe von 670.900 Euro. Diese markante Differenz belegt, dass die Vermögensverteilung in der Euro-Zone sehr ungleich ist. In Österreich liegt der Durchschnitt laut Studie bei 265.000 Euro, in Spanien bei 290.000 Euro, in Italien bei 275.000 Euro. Dagegen liegen die Deutschen nur bei 195.000 Euro, bei den Niederländern und den Finnen ist es sogar noch weniger.

Rechenmethode
Immobilien spielen bei der Berechnung des Vermögens eine entscheidende Rolle. Österreicher und Deutsche besitzen viel weniger Immobilien als die meisten anderen Bürger in der Euro-Zone. Dies hat historische, kulturelle und ökonomische Gründe: Die Zerstörungen des zweiten Weltkriegs brachten den Aufbau neuer Miethäuser in großem Umfang mit sich, um den Wohnbedarf rasch decken zu können. Genossenschaften und Kommunen nutzen außerdem eine Förderlandschaft, die den Mietern billigen Wohnraum zur Verfügung stellt.
Weiters bemerkenswert: Bei der Berechnung der Immo-Vermögen wurde nicht die Marktpreise unterlegt. Es wurden die ausgewählten 62 000 Haushalte in der Euro-Zone gefragt, für wie wertvoll sie selbst ihr Haus halten würden.

Pensionsansprüche nicht berücksichtigt
In der Studie unberücksichtigt bleiben geldwerte Ansprüche aus dem Sozialversicherungssystem. Österreichische Pensionsansprüche oder Krankenversicherungsbeiträge fließen bei der Studie nicht ein.

Vermögen in Europa – eine Studie der EZB from Unternehmer Newsroom (zum Vergrößern bitte auf „Bildschirmgröße“ im Slideshare-Fenster klicken)

 

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