Globaler Baumaschinenmarkt wächst am Äquator

16. April 2013 Drucken

In den nächsten zwei Dekaden werden 50 Prozent der globalen Baumaschinen-hersteller ihre Eigen-ständigkeit verlieren, prophezeit der internationale Beratungskonzern Oliver Wyman. Chinesische Konzerne sind dabei, bedeutende Wachstumsmärkte mit einfachen, robusten und für die Eigenreparatur geeigneten Baumaschinen aufzurollen. Der Absatzmarkt in China verliert dabei seine Zugkraft. Die neuen Märkte liegen entlang des Äquators.   Der Aufmarsch einer […]

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Baumaschinenbranche: Länder wie Vietnam, Kambodscha, Malaysia haben erst rund 20 Prozent ihres Marktpotenzials erreicht. © Atze Baumann/pixelio.de

In den nächsten zwei Dekaden werden 50 Prozent der globalen Baumaschinen-hersteller ihre Eigen-ständigkeit verlieren, prophezeit der internationale Beratungskonzern Oliver Wyman. Chinesische Konzerne sind dabei, bedeutende Wachstumsmärkte mit einfachen, robusten und für die Eigenreparatur geeigneten Baumaschinen aufzurollen. Der Absatzmarkt in China verliert dabei seine Zugkraft. Die neuen Märkte liegen entlang des Äquators.  

Der Aufmarsch einer neuen Industrie
Chinesische Unternehmen dominieren zunehmend die globale Baumaschinenindustrie. Für den Weltmarkt und insbesondere für die Emerging Markets der Zukunft sind sie ideal aufgestellt und setzen ihren Wachstumskurs konsequent fort. Sie verfügen über das, was in den neuen Märkten vorrangig gebraucht wird: ein robustes, technisch einfaches Produkt zu erschwinglichen Preisen

Wo wächst die Baubranche,

Chinas Baumaschinenmarkt ist gesättigt. Frische Potentiale entstehen in den Staaten entlang des Äquators (zum Vergrößern bitte anklicken).

mit der Möglichkeit zur Selbstreparatur. Westliche Unternehmen agieren zwar zum Teil ebenfalls in den aufstrebenden Regionen, sind jedoch stark in ihrer Nische verhaftet. Zudem mangelt es ihnen an Aggressivität und Tempo bei der Umsetzung ihrer Wachstumsziele. Um mithalten zu können, müssen die westlichen Hersteller ihre globalen Standortnetze und ihre Produktportfolios anpassen. Darüber hinaus steht der Baumaschinenindustrie eine gewaltige Konsolidierungswelle bevor. In den nächsten zwei Dekaden werden bis zu 50 Prozent aller Baumaschinenhersteller ihre Eigenständigkeit verlieren. Für westliche Unternehmen besteht dringender Handlungsbedarf. Dies sind Ergebnisse der

China-Markt wird satt
Die globale Baumaschinenindustrie wird in den kommenden Jahren weiter wachsen, wenn auch nicht so stark wie vor und nach der Wirtschaftskrise. Mit einem durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 2,6 Prozent legt das Gesamtmarktvolumen von 2012 bis 2020 um knapp 25 Prozent zu. Dabei wachsen die etablierten Märkte in Westeuropa, Nordamerika, Japan und Südkorea bis 2020 allerdings nur um durchschnittlich 1,6 Prozent im Jahr. An Dynamik einbüßen wird auch der chinesische Baumaschinenmarkt, der Wachstumsmotor der letzten Jahre schlechthin. Die herben Marktrückgänge in einigen Sektoren im Jahr 2012 haben bereits zu einer ersten Korrektur des Booms geführt. Auch in den kommenden Jahren ist hier von deutlich geringeren Zuwachsraten auszugehen – ein wesentlicher Faktor ist ein auf Sicht potenziell gedämpftes gesamtwirtschaftliches Wachstum. Hinzu kommen die erheblichen Produktivitätsreserven sowohl im Maschinenpark als auch in der gesamten chinesischen Bauwirtschaft. Die Anzahl der Baumaschinen pro Kopf liegt in China in etwa auf westlichem Niveau. Würden diese Maschinen auch westliche Produktivität aufweisen, könnte in China erheblich mehr Bauleistung erbracht werden, ohne dass die aktuellen Verkaufszahlen gesteigert werden müssten.

Vietnam, Malaysia, Kambodscha - neue Märkte für robuste und einfache Maschinen (zum Vergrößern bitte anklicken).

Wachstumsmärkte Vietnam, Kambodscha, Malaysia
Da die klassische Triade sowie China als Treiber künftig eine geringere Rolle spielen werden, findet das Wachstum der globalen Baumaschinenindustrie vor allem entlang des Äquators statt. Hier sind bis 2020 durchschnittliche jährliche Wachstumsraten von vier bis fünf Prozent möglich, in Einzelfällen wie in Indonesien auch mehr. Dabei tun sich neben den ungebrochen wachstumsdynamischen Märkten Brasilien und Indien insbesondere Länder wie Vietnam, Kambodscha, Malaysia sowie Teile des afrikanischen Kontinents hervor. Letztere haben erst rund 20 Prozent ihres langfristigen Marktpotenzials erreicht. Zum Vergleich: Die Triademärkte sind bereits bei 85 Prozent angekommen, China bei 75 Prozent. In Summe werden die neuen Schwellenländer entlang des Äquators ihr Marktvolumen bis 2020 um rund ein Drittel steigern und dann einen Anteil von fast 30 Prozent am Weltmarkt aufweisen.

Caterpillar und Komatsu bleiben vorne - aber dann dreht sich die Welt (zum Vergrößern bitte anklicken).

Chinesische Hersteller im Vorteil
Besonders die chinesischen Baumaschinenhersteller sind laut aktueller Oliver Wyman-Analyse gut aufgestellt, um die klassischen Schwellenländer und die Nachfrage in den neuen Märkten zu bedienen. Sie verfügen über sehr breite Produktprogramme, die den gesamten Maschinenbedarf im Tief- und Hochbau abdecken – sowohl für schwere als auch für leichtere Arbeiten. Zudem sind die Produkte weniger als westliche Maschinen auf spezifische Aufgaben ausgelegt. Weitere Vorteile sind die einfache Technik, die Eigenreparaturen ermöglicht, und vergleichsweise niedrige Anschaffungskosten.
Darüber hinaus sind die Chinesen überaus aktiv und findig beim Erschließen neuer Absatzregionen. Durch die staatliche Finanzierung von Infrastrukturprojekten, begleitende Investitionen in Rohstoffexploration oder Produktionsstätten sowie klassische Absatzfinanzierung schaffen die Unternehmen ihren eigenen Markt. Zusätzlich investieren sie mittlerweile mehr und mehr in Produktqualität und lokale Serviceinfrastrukturen. Entsprechend schnell müssen westliche Unternehmen reagieren. Sammeln die Nutzer in den lokalen Märkten erst einmal Erfahrung mit den chinesischen Produkten und sind Strukturen wie Servicenetze und Ersatzteilversorgung entstanden, werden sie nur mit erheblichem Aufwand von westlichen Produkten zu überzeugen sein.

Über die bevorstehende Konsolidierungswelle der Branche und mögliche Strategien westlicher Produzenten lesen Sie .