EU will windschlüpfrigere LKWs

17. April 2013 Drucken

Neue Formen für Führerhäuser, Spoiler am Anhänger und andere aerodynamische Feinheiten, die man bislang eher in anderen KFZ-Klassen zu Hause wähnte – die Europäische Kommission hat neue Vorschriften vorgeschlagen, die es Herstellern ermöglichen sollen, aerodynamischere Lkw zu entwickeln. Damit will die Kommission den Kraftstoffverbrauch um 7-10 % reduzieren und den Ausstoß von Treibhausgasen verringern. Außerdem […]

Neue LKW-Formen, neues LKW-Design, neue Öko-Laster

Die EU-Kommission will LKW-Herstellern mehr Freiräume einräumen, um saubere und sichere Laster zu entwickeln. © Andreas Hermsdorf/pixelio.de

Neue Formen für Führerhäuser, Spoiler am Anhänger und andere aerodynamische Feinheiten, die man bislang eher in anderen KFZ-Klassen zu Hause wähnte – die Europäische Kommission hat neue Vorschriften vorgeschlagen, die es Herstellern ermöglichen sollen, aerodynamischere Lkw zu entwickeln. Damit will die Kommission den Kraftstoffverbrauch um 7-10 % reduzieren und den Ausstoß von Treibhausgasen verringern. Außerdem verspricht sich die EU eine Verbesserung der Sicherheitssituation durch verbesserte Sichtwinkel des Fahrers. 

Treibstoffeinsparungen bis zu 5000 Euro jährlich
Mit dem Vorschlag werden Führerhäuser mit abgerundeter Form und das Anbringen aerodynamischer Luftleiteinrichtungen am hinteren Teil des Anhängers zugelassen. Diese Maßnahmen werden nach Ansicht des Parlaments  zu einer erheblichen Verbesserung der Fahrzeugaerodynamik beitragen und damit die Kraftstoffkosten für einen im Fernverkehr eingesetzten LKW, der jedes Jahr durchschnittlich 100.000 km zurücklegt, um rund 5.000 EUR pro Jahr senken. Dies entspräche einer Verringerung der Treibhausgasemissionen um 7-10% (bzw. 7,8 Tonnen CO2 für einen solchen Lkw über eine Strecke von 100.000 km). Gleichzeitig wird das Sichtfeld des Fahrers verbessert, wodurch jedes Jahr das Leben von 300 bis 500 besonders gefährdeter Verkehrsteilnehmer – wie Fußgänger oder Radfahrer – gerettet werden kann.

Die Kommissionsvorschläge im Detail:

  • Bessere ökologische Bilanz: Der Verkehrssektor in der EU ist – was seinen Energiebedarf angeht – zu etwa 96 % von Erdöl bzw. Erdölprodukten abhängig1. Die Verringerung des Kraftstoffverbrauchs im Lkw-Fernverkehr um 7-10 % wird einen ganz wichtigen wirtschaftlichen und ökologischen Beitrag leisten. Darüber hinaus dürfen nach dem Vorschlag Lastkraftwagen und Busse zusätzliches Gewicht aufweisen, wenn dieses durch die Verwendung von schwereren Batterien bedingt ist, die bei alternativen Antriebssystemen (Hybrid-, Elektro-Antriebe) erforderlich sind. Dies betrifft vor allem den Verkehr in Stadtgebieten und deren Umkreis. Das Ladevermögen von Lastkraftwagen dagegen ändert sich nicht.
  • Verbesserung der Straßenverkehrssicherheit: Durch die derzeitige „Ziegelsteinform“ des Vorderteils des Führerhauses kann die Schwere der Verletzungen für Verkehrsteilnehmer bei einem Zusammenstoß zunehmen. Zudem ist das seitliche Sichtfeld des Fahrers kleiner. Dies ist besonders für Radfahrer und Fußgänger bei Kreuzungen gefährlich. Durch eine abgerundetere Form vergrößert sich das Sichtfeld des Fahrers und verringert sich im Falle eines Zusammenstoßes bei geringer Geschwindigkeit — in der Regel im innerstädtischen Verkehr – die Gefahr einer ernsthaften Verletzung .
  • Verbesserungen für die Verkehrsunternehmen: Durch eine verbesserte Aerodynamik der Fahrzeuge werden die Kraftstoffkosten für einen im Fernverkehr eingesetzten LKW, der jedes Jahr durchschnittlich 100 000 km zurücklegt, um rund 5 000 EUR pro Jahr gesenkt.
  • Chancen für die Fahrzeughersteller: Die europäischen Lkw-Hersteller sind Marktführer und der Sektor, der mit am meisten in Forschung und Entwicklung investiert. Die Konzeption der neuen aerodynamischen Führerhäuser und der Luftleiteinrichtungen am Heck wird den Herstellern die Gelegenheit bieten, neue Modelle zu entwickeln; dadurch werden Arbeitsplätze geschaffen und wird das Wirtschaftswachstum in Europa angekurbelt.
  • Einheitlichere Kontrollen und geringere Straßenschäden: Bis zu einem Drittel aller kontrollierten Fahrzeuge sind überladen. Dadurch werden Straßen beschädigt und wird die Sicherheit beeinträchtigt. Fahrzeugseitige, mit dem digitalen Fahrtenschreiber verbundene Wiegesysteme und Messstellen an den Hauptstraßen, die die Fahrzeuge während der Fahrt wiegen, ermöglichen länderübergreifend einheitlichere Kontrollen. Die Überladung von Lastkraftwagen kostet den Steuerzahler schätzungsweise 950 Mio. EUR pro Jahr.
  • Förderung des intermodalen Verkehrs: Der Verwaltungsaufwand wird gesenkt, so dass es einfacher wird, 45-Fuß-Container im kombinierten Verkehr von Schiff, Schiene und Straße zu transportieren.

Wie geht es weiter?
Der Vorschlag muss sowohl vom Europäischen Parlament als auch von den Mitgliedstaaten gebilligt werden, bevor er Rechtskraft erlangen kann. Die neuen Lkw dürften ungefähr 2018-2020 auf unseren Straßen zu sehen sein.

 

Mehr zum Thema: