Jeder zweite Tiroler kann mit Wertpapieren nichts anfangen

17. April 2013 Drucken

Die länderspezifischen Daten einer österreichweiten IMAS Studie im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen bescheinigen den Tirolern einen äußerst zurückhaltenden Umgang mit Wertpapieren. Vier von fünf befragten Tirolern gaben an, sich mit Wertpapieren nicht auszukennen. Für 40 % ist der Begriff der „Anleihe“ ein Fremdwort, heißt es in einer Aussendung der Tiroler Sparkasse.  Tirol ist […]

Tiroler zeigen gegenüber Börse und Kapitalmarkt große Zurückhaltung. © APA

Die länderspezifischen Daten einer österreichweiten IMAS Studie im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen bescheinigen den Tirolern einen äußerst zurückhaltenden Umgang mit Wertpapieren. Vier von fünf befragten Tirolern gaben an, sich mit Wertpapieren nicht auszukennen. Für 40 % ist der Begriff der „Anleihe“ ein Fremdwort, heißt es in einer Aussendung der Tiroler Sparkasse

Tirol ist ein Sparbuchland

Die spontane Bekanntheit einzelner Wertpapiergattungen, liegt hierzulande auf äußerst niedrigem Niveau. Die Österreicher im Allgemeinen, die Tiroler im Besonderen, sind traditionelle Sparbuchsparer. Beim Thema Wertpapiere hingegen zeigt die Studie ein erhebliches Wissensdefizit. Immerhin 47% konnten die Aktie als eine Form von Wertpapieren nennen, 15% kamen Fonds in den Sinn und 13% Anleihen. Alle anderen Arten sind spontan kaum noch präsent. Nennt man den Befragten allerdings verschiedene Wertpapierarten, sagen so gut wie alle Tiroler, sie hätten schon einmal von Aktien (99%), die meisten auch von Anleihen (78%) gehört, auch wenn sie die Begriffe nicht erklären können. Mögliche Ursachen und wie es generell um das Wertpapierwissen der Österreicher steht, haben sich Erste Bank und Sparkassen mit einer repräsentativen IMAS Studie in Österreich angesehen.

Tiroler haben ein großes Wissensdefizit, wenn es um Wertpapiere geht und sind bekanntermaßen traditionelle Sparbuchsparer. © Tispa

Erklärung der Begriffe fällt schwer
Was steckt hinter dem Begriff? Aktien sind Anteile an einem Unternehmen – das wussten immerhin 46%. Ganz anders schon bei Anleihen: Diese werden – wenn überhaupt – nur mit Staatsanleihen in Verbindung gebracht (14%), 5 von 10 haben aber keinen Begriff davon was eine Anleihe ist (48%). Das Wort Investmentfonds haben 30% noch nie in ihrem Leben gehört. Von denen, die zwar den Begriff kennen, weiß aber jeder zweite gar nicht was er bedeutet. Auch vom Fondsparen haben viele keine Ahnung, was das sein könnte (45% österreichweit).

Image von Wertpapieren neutral
Was die eigene Einschätzung zum Thema Wertpapiere betrifft, so sind die Tiroler ganz offenbar in einer Zwickmühle. Immerhin geben 80% zu, sich zu wenig auszukennen, gleichzeitig wissen aber 38%, dass es zu einem guten Anlagemix eigentlich dazu gehört. Nur 12% stehen Geldanlagen in Wertpapieren positiv gegenüber, 37% negativ. Die große Mehrheit mit 52% hat zu dem Thema weder eine schlechte, noch eine besonders gute Meinung. Als Hauptgrund gegen Wertpapiere wird das hohe Risiko (40%) genannt, die Befürworter hingegen nennen mit Abstand die höhere Rendite (42%) als Motivation für diese Art der Veranlagung.
Nur 15% der Tiroler fühlen sich bei Wertpapieren aktuell gut informiert. Unter Freunden und Bekannten gelten  nur 11% als gut informiert.

Die Tiroler geben an, sich beim Thema Wertpapiere nicht besonders gut informiert zu fühlen, wie die IMAS-Studie zeigt. © Tispa

Niedrigzinsen erfordern „breiteren Anlage-Mix, Wertpapiere inklusive“
Die Leitzinsen der Notenbanken werden noch auf die kommenden Jahre niedrig bleiben – da sind sich die meisten Experten einig. Angesichts der tristen Lage bei den Sparzinsen, ist ein breiter Anlage-Mix des Ersparten, Wertpapiere inklusive, zur Wertsicherung unumgänglich, und zwar nicht nur für größere Vermögen, heißt es in der Aussendung der Tiroler Sparkasse, die auf Basis der österreichweiten Untersuchung steht. Aktuell parken die Österreicher über 54 Mrd. Euro als täglich fällige Einlagen. „Wer neben ausreichend liquiden Mitteln am Sparbuch noch Geld zur Verfügung hat, sollte sich im eigenen Interesse mit dem Thema Wertpapiere beschäftigen“, so Schett.

Krisen gut überstehen
Ob die Ölkrise 1973 oder die letzte Finanzkrise 2008 – jene Anleger, die ihr Vermögen breit gestreut hatten, haben die beste Performance erzielen können. Eine gezielte Vermögensaufteilung minimiert das Gesamtrisiko der Veranlagung, reduziert die Wertschwankungen und erhöht das langfristige Erfolgspotenzial. Genau wie die Bedürfnisse jedes Einzelnen (Miete, Fahrtkosten, Lebensmittel) sollte auch die Veranlagung sehr divers ausfallen. Das Thema Risiko spielt dabei immer eine Rolle. 8 von 10 Österreichern geben an bei der Geldanlage eher sicherheitsorientiert zu sein, nur 13% sehen sich als risikobewusst. „Aus diesem Grund ist besonders wichtig, gemeinsam mit Profis eine Anlagestrategie festzulegen und durchzudenken“, meint Schett. Den meisten Österreichern ist durchaus bewusst, dass Wertpapierinvestments eher für mittel- (48%) und langfristige (45%) Zeiträume genutzt werden sollten.