80 % der Unternehmens-Lenker bevorzugen Europa als Konzern-Sitz

13. Mai 2013 Drucken

Firmenzentralen in Europa werden immer größer; ihr Stellenwert innerhalb der Konzernnnetze bestimmend. 80 Prozent der Befragten wollen ihre Kapazitäten am Hauptsitz in Westeuropa behalten und nicht in expandierende asiatische Märkte ausgliedern. Eine Roland Berger-Studie zeigt fünf wichtige Funktionen einer Unternehmenszentrale. Konzerne geben zwischen 2 und 7 Prozent des Gesamtumsatzes für ihre Zentrale aus. Headquarter werden hinterfragt […]

80 Prozent der Konzern-Lenker wollen Headquarter in Westeuropa belassen. © ruh

Firmenzentralen in Europa werden immer größer; ihr Stellenwert innerhalb der Konzernnnetze bestimmend. 80 Prozent der Befragten wollen ihre Kapazitäten am Hauptsitz in Westeuropa behalten und nicht in expandierende asiatische Märkte ausgliedern. Eine Roland Berger-Studie zeigt fünf wichtige Funktionen einer Unternehmenszentrale. Konzerne geben zwischen 2 und 7 Prozent des Gesamtumsatzes für ihre Zentrale aus.

Headquarter werden hinterfragt
Weltweit definieren derzeit Konzerne die Rolle ihrer Zentralen neu: Hauptsitze werden immer mehr zum Zahnrad im Getriebe des operativen Geschäfts. Außerdem erledigen sie künftig häufiger Aufgaben, die über die Funktion des Repräsentanten, Managers oder Wächters interner Richtlinien hinausgehen. Dieser Trend ist ein zentrales Ergebnis von „Corporate Headquarters“, einer neuen Roland Berger-Umfrage unter 86 global tätigen Unternehmen, die ihre Zentrale in Westeuropa haben.

Wenige Umsiedlungsphantasien
Rund 80 Prozent der befragten Firmen planen, ihre Zentralen in Westeuropa zu behalten. Für mehr als die Hälfte der Unternehmen soll die Zentrale zum Geschäftspartner weltweiter Niederlassungen werden. Der Standort Westeuropa bleibt dabei attraktiv, obwohl asiatische Märkte für die Geschäfte der Unternehmen weiterhin an Bedeutung gewinnen.

Ausweg aus dem Dilemma: Mehrwert versus Kosten
Ein Hauptquartier in Westeuropa zu unterhalten, stellt immer noch einen wichtigen Kostenposten für das Gesamtunternehmen dar: Zwischen 2 und 7 Prozent des Gesamtumsatzes geben Firmen im Durchschnitt für ihre Zentrale aus. Die Höhe dieser zentralen Kosten variiert dabei je nach Branche und Führungsorganisation des Unternehmens. Zeitgleich schrumpfen die Finanzmittel, die den Headquarters zur Verfügung stehen. Konzernzentralen müssten mehr für ihre Gruppe leisten.
Dafür, so das Ergebnis der Studie „Corporate Headquarters“, sollten sich Unternehmenszentralen neben ihren klassischen Steuerungs- und Koordinationsaufgaben wie Finanzierung, Rechnungslegung und Controlling stärker auf fünf wesentliche Kompetenzen konzentrieren:

  • die Identität der Firma stärken,
  • eine übergeordnete Konzernstrategie entwickeln,
  • die Komplexität eines globalen Unternehmens meistern,
  • Innovation vorantreiben,
  • das weltweite Netzwerk fördern und die geplanten Maßnahmen international umsetzen.

So kann aus dem regelmäßig in der Bewertung von Großunternehmen existierenden Abschlag (Conglomerate Discount) ein positiver Wertbeitrag der Zentrale entstehen.
Internationalisierung der Zentralen als neuer Trend
Anstatt die eigene Zentrale ins Ausland zu verlagern, ziehen es westeuropäische Firmen eher vor, die Internationalisierung ihrer Headquarters voranzutreiben: Knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen vertreten die Meinung, dass ihre Zentralen internationaler werden müssen – etwa durch grenzüberschreitende Projekte. Außerdem werden für das Management wichtige Mitarbeiter aus anderen Ländern in die Zentrale geholt. Darüber hinaus halten in den Hauptquartieren verstärkt virtuelle Führungs- und Kommunikationsinstrumente sowie flexible Projekt- und Gremienstrukturen Einzug. Damit können weltweit verteilte Standorte in einem engeren Netzwerk effizienter kooperieren. 53 Prozent der Konzerne erwarten in diesem Bereich einen Anstieg.

Outsourcing und Bündelung von internen Dienstleistungen bleiben aktuell
Um die hohen Kosten westlicher Headquarters in Grenzen zu halten, gliedern Firmen weiterhin bestimmte Service-Bereiche aus. So möchten 30 Prozent der Befragten Kapazitäten vor allem in den Feldern IT, Buchhaltung und Personal an externe Dienstleister vergeben. Damit liegen die Firmen auf dem Outsourcing-Level des Jahres 2010. Die Hälfte der Unternehmen versucht durch Service-Center für ihr Standortnetzwerk Kosten zu sparen. Diese Center sind bisher zu 80 Prozent in Europa lokalisiert. Die Roland Berger- Studie geht davon aus, dass die Verlagerung dieser ’shared service center‘ nach Asien von derzeit 4 Prozent auf 10 Prozent im Jahr 2020 weiter zunehmen wird.