Immobilien: Steirer lieben zwar das Landleben, ziehen aber in die Stadt

11. Oktober 2013 Drucken

52 Prozent der steirischen Wohnungssuchenden tun dies in der Stadt – vorzugsweise in und um Graz. Aber nur 34% machen dies freiwillig – der Rest sieht sich durch die Arbeitssituation veranlasst. Gesucht werden vorrangig Immobilien im Eigentum, wobei der kostengünstige „Bastlerhit“ unter den steirischen Wohnungssuchenden ausgedient hat, heißt es in einer von s REAL und Wohnnet.at […]

Die Eigentumspreise sind in Graz gestiegen, während die Mieten seit 2008 nahezu stabil bleiben. |© Jakob Ehrhardt/pixelio.de

Die Eigentumspreise sind in Graz gestiegen, während die Mieten seit 2008 nahezu stabil blieben. |© Jakob Ehrhardt/pixelio.de

52 Prozent der steirischen Wohnungssuchenden tun dies in der Stadt – vorzugsweise in und um Graz. Aber nur 34% machen dies freiwillig – der Rest sieht sich durch die Arbeitssituation veranlasst. Gesucht werden vorrangig Immobilien im Eigentum, wobei der kostengünstige „Bastlerhit“ unter den steirischen Wohnungssuchenden ausgedient hat, heißt es in einer von s REAL und Wohnnet.at durchgeführten Umfrage.

Bessere Wohnsituation gesucht

Grund für die Suche nach Immobilien war für eine signifikante Mehrheit von 46 % der Wunsch nach einer Verbesserung der eigenen Wohnsituation im weitesten Sinne: 19 % wollen mehr Platz für sich und die Familie, 16 % wollen ihre derzeitige Mietwohnung gegen Immobilieneigentum tauschen und für 11 % ist der Wunsch nach einer Qualitätssteigerung ausschlaggebend. Ein Berufs­- oder Ortswechsel spielte eine vergleichsweise untergeordnete Rolle (14 %).

Stadt versus Land

Auch vor der Steiermark macht der Zuzug in die Städte nicht halt, allen voran in die Landes­hauptstadt Graz . Mehr als die Hälfte der Befragten (52 %) suchen eine Immobilie im städtischen Raum, der Rest (48%) sucht vorwiegend im ländlichen Bereich.

Nicht alle, die dort suchen, wollen aber tatsächlich in Graz wohnen. Wenn man von der aktuellen Situation der Befragten absieht, zieht es nur 34 % in die Landeshauptstadt, 21 % würden eine Bezirkshauptstadt als Wohnort vorziehen, weitere 45 % würden überhaupt gerne „am Land“ leben. Bessere Jobaussichten und die im ländlichen Raum oft nur rudimentär vorhandene Infrastruktur machen aber für die Menschen einen Umzug in städtische Gebiete erforderlich und sind für die teilweise deutliche Abwanderung aus den ländlichen Regionen verantwortlich, und diese Tendenz finden immerhin 58 % der Befragten bedenklich.

Zauberwort Infrastruktur

Dass das Landleben in den Vorstellungen der Steirerinnen und Steirer nicht unbedingt an Attraktivität verloren hat, sieht man auch an den nur 12 %, die unter gar keinen Umständen in einer ländlichen Region leben wollen. 26 % würden sofort aufs Land ziehen, wenn sie ihren Arbeitsplatz mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen könnten, weitere 15 % dann, wenn sie einen mobilen Arbeitsplatz hätten, also auch von zu Hause arbeiten könnten. Der Anteil der Steirer, die nach einer Familiengründung mit den Kindern aus der Stadt wegziehen wollen, liegt mit 18 % im österreichischen Durchschnitt.

Eigentum ist auch in der Steiermark Trumpf

Auch die Steirerinnen und Steirer haben den Wunsch nach Immobilieneigentum. 22% wollen eine Eigentumswohnung kaufen, 21 % entschieden sich für ein Einfamilienhaus und 7 % für ein Baugrundstück, um dort die Wunschimmobilie selbst zu errichten. Weitere 4 %, die nach einer anderen Immobilienart – beispielsweise einer Villa oder einem Reihenhaus – suchen, haben ebenfalls eine Investition in Immobilieneigentum im Sinn.
Immerhin 35 % sind aber trotzdem auf der Suche nach einer Mietwohnung, weitere 9 % der Befragten wollen ein Haus mieten. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie die Lebensumstände der Menschen: Fehlende finanzielle Voraussetzungen werden hier als Motiv genannt, ebenso aber auch größere Flexibilität bei noch unklarer Lebens- und Familienplanung, die Situation auf dem Arbeitsmarkt oder sonstige persönliche Veränderungen, bei denen rasch eine neue Bleibe benötigt wird.

Der „Bastlerhit“ ist Vergangenheit

Ebenso wie in Restösterreich sind auch in der Steiermark die Qualitätsansprüche in den letzten Jahrzehnten signifikant gestiegen. Ganze 66 % gaben an, dass sie am liebsten in einem Neubau wohnen wollten, könnten sie frei auswählen. Weitere 24 % der Befragten würden einen Altbau bevorzugen, der allerdings neu saniert sein sollte – macht zusammen 90 %, die nicht renovieren, nicht ausmalen, nicht tapezieren wollen, sondern in ein fix und fertiges, nach dem neuesten Stand der Technik ausgestattetes Heim einziehen wollen. Der früher so beliebte, weil vergleichsweise günstige „Bastlerhit“ ist wenig gefragt.
Dass ein Neubau – egal ob Haus oder Wohnung – für die Steirerinnen und Steirer die erste Wahl ist, hat auch damit zu tun, dass für 47 % der Befragten, abgesehen von Preis und Lage, die (flexible) Raumaufteilung der entscheidende Faktor bei der Auswahl einer Immobilie ist.

Die Energieeffizienz einer Immobilie hat noch immer keine Priorität

Auch in puncto Energieeffizienz unterscheidet sich die Steiermark nicht wesentlich vom Österreich-­Trend: Nur 26 % würden eine Immobilie auf gar keinen Fall kaufen oder mieten, wenn diese nur mittelmäßige oder schlechte Energiekennzahlen aufweist. Für 52 % ist das Thema Energie­effizienz zwar wichtig, schlechte Kennzahlen aber kein Ausschlussgrund. 22 % sagen explizit, dass nicht optimale Energiekennzahlen ihre Entscheidung überhaupt nicht beeinflussen würden, befände sich die Immobilie nur in der gewünschten Lage.

Energiekennzahlen haben geringe Bedeutung

Seit fast einem Jahr gibt es nun schon das neue EAVG (Energieausweis-Vorlage-Gesetz), das das alte EAVG aus dem Jahr 2006 ersetzt hat und das Verkäufer und Vermieter von Immobilien verpflichtet, den Käufern und Mietern einen Energieausweis des betreffenden Objekts vorzulegen und auszuhändigen. Obwohl sich der Gesetzgeber dabei um mehr Transparenz bemüht hat, scheint es doch so, als hätten die ausgewiesenen Energiekennzahlen für die Menschen nur wenig Aussagekraft. Hier ist sicherlich noch einiges an Aufklärungsarbeit vonnöten, das Thema ist in den Köpfen der Bevölkerung noch nicht wirklich angekommen.

Marktentwicklungen

Die Entwicklungen der regionalen Immobilienmärkte in Österreich spiegeln sich auch in der Steiermark ausnahmslos wieder. Der Zuzug speziell nach Graz und Umgebung, aber auch in den Großraum südlich davon, ist nach wie vor ungebrochen. Dementsprechend groß ist in diesen Zentren die Nachfrage nach Miet- und Eigentumswohnungen, während die Nachfrage nach Einfamilienhäusern stagniert bzw. in den Abwanderungsgebieten sogar rückläufig ist. Die gestiegene Nachfrage konzentriert sich vor allem auf kleinere Wohneinheiten; hier sind in erster Linie Wohnungen mit einer Nutzfläche zwischen 40 und 65 m2 gefragt, und zwar nicht nur bei denjenigen, die sie selbst nutzen wollen, sondern auch bei Kleinanlegern, die in ihnen eine Kapitalsicherung sehen. Diese Entwicklung hat 2009 begonnen, sich bis 2012 linear fortgesetzt und hat sich erst im heurigen Jahr etwas entspannt.

Preise in Tourismusregionen ziehen an

In den steirischen Regionen, die auch touristisch geprägt sind, beeinflussen weitere Faktoren die Entwicklung am Immobilienmarkt. So sind beispielsweise in der Region Schladming schon im Vorfeld der Alpinen Schi-Weltmeisterschaft 2013 Teuerungseffekte entstanden. Stark beeinflusst wird die Nachfrage – und damit die Preise – in den steirischen Fremdenverkehrsregionen zudem durch die im Vorjahr verschärften Zweitwohnsitzregelungen in Salzburg. Diese lassen viele Investoren in die Steiermark ausweichen.

Graz bleibt Immobilienhotspot: Preise steigen, Mieten stabil

In der Landeshauptstadt Graz sind hochpreisige Eigentumswohnungen seit Anfang 2013 wieder etwas länger am Markt zu finden und verkaufen sich nicht mehr so rasch wie in den letzten Jahren. Das gleiche gilt für das untere Preissegment, denn diese Wohnungen befinden sich in der Regel in unattraktiven Lagen in den nicht sehr gefragten Bauten aus den 60er und 70er Jahren. Zwischen diesen beiden Extremen klafft mittlerweile eine Angebotslücke, solche Wohnungen sind in Graz echte Mangelware, und wenn doch einmal eine auf den Markt kommt, ist sie sofort vergeben. Die Wohnungsmieten sind in Graz seit 2008 hingegen nahezu gleich geblieben. In Zusammenhang mit den jährlich zwischen 5 und 7 % gestiegenen Preisen für Eigentumswohnungen heißt das, dass die Renditen für Anleger seit 2008 stetig gesunken sind.

Datenbasis

An der von s REAL und Wohnnet durchgeführten Umfrage nahmen 1.483 Personen aus der Steiermark teil. Der aus 21 Fragen bestehende Fragebogen wurde bis Ende Juli 2013 den Website-Besuchern von www.wohnnet.at und www.sreal.at mit steirischer IP-Adresse eingespielt. Die Geschlechterverteilung liegt bei 49% männlichen und 51% weiblichen Teilnehmern. 64% der Teilnehmer waren unter 40 Jahre.