Höhe und Verteilung der Bruttogehälter in Österreich

19. Dezember 2013 Drucken

Dies ist Futter für die Stammtische: Laut Statistik Austria weisen Politiker und Politikerinnen die höchsten durchschnittlichen Bruttoeinkommen unter den unselbständig Beschäftigten aus. Insgesamt steigen die Bruttobezüge 2012 um 4,3%. Das Lohnsteueraufkommen nahm dabei aber mehr zu als die Bruttolohnsumme.  Bruttobezüge und ihre Verteilung 606.136 oder 9,2 % unselbständig Erwerbstätige hatten Bruttogehälter von mindestens 50.000 Euro, wobei 74,8% davon […]

Politiker zählen unter den unselbstständig Beschäftigen zu den Spitzenverdienern. Und die Steuern steigen stärker als Bezüge. | © rudolf ortner/pixelio.de

Politiker zählen unter den unselbstständig Beschäftigen zu den Spitzenverdienern.  Steuern steigen stärker als Bezüge. | © rudolf ortner/pixelio.de

Dies ist Futter für die Stammtische: Laut Statistik Austria weisen Politiker und Politikerinnen die höchsten durchschnittlichen Bruttoeinkommen unter den unselbständig Beschäftigten aus. Insgesamt steigen die Bruttobezüge 2012 um 4,3%. Das Lohnsteueraufkommen nahm dabei aber mehr zu als die Bruttolohnsumme. 

 Fast ein Viertel (23,4%) aller unselbständig Erwerbstätigen (ohne Lehrlinge) blieb mit ihren Bruttojahreseinkommen unter 10.000 Euro. Dabei ist jedoch zu beachten, dass in den untersten Bruttobezugsstufen viele geringfügig und/oder Teilzeit- und nichtganzjährig Beschäftigte zu finden sind. | © Statistik Austria - Bruttobezugsstufen 2012

Fast ein Viertel (23,4%) aller unselbständig Erwerbstätigen verdiente 2012 weniger als 10.000 Euro brutto. |© Statistik Austria (zum Vergrößern anklicken)

Bruttobezüge und ihre Verteilung

606.136 oder 9,2 % unselbständig Erwerbstätige hatten Bruttogehälter von mindestens 50.000 Euro, wobei 74,8% davon Männer waren. Bei steigenden Bruttobezügen nimmt der Männeranteil kontinuierlich zu; Bezüge von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ab 200.000 Euro waren zu 90,9% Männern zuzuordnen. Fast ein Viertel (23,4%) aller unselbständig Erwerbstätigen (ohne Lehrlinge) blieb mit ihren Bruttojahreseinkommen unter 10.000 Euro. Dabei ist jedoch zu beachten, dass in den untersten Bruttobezugsstufen viele geringfügig und/oder Teilzeit- und nichtganzjährig Beschäftigte zu finden sind. Ein Drittel (31,2%) aller unselbständig Erwerbstätigen (ohne Lehrlinge) bezog weniger als 15.000 Euro und 40,1% weniger als 20.000 Euro.

3807 Politiker ganz weit vorne

Insgesamt waren 2012 genau 53,5% aller unselbständig Erwerbstätigen ganzjährig vollzeitbeschäftigt. Die jährlichen Pro-Kopf-Bruttogehälter in dieser Gruppe variieren deutlich nach sozialer Stellung und Region:

  • Sonstige Aktivbezüge: Die höchsten durchschnittlichen Bruttoeinkommen erzielten die 2007 erstmals eigens ausgewiesen Personen mit (schwerpunktmäßig) sonstigen Aktivbezügen (das sind Bezüge von hauptamtlichen Politikern und Politikerinnen, Bezüge für Gemeinderatstätigkeit o. ä., Bezüge nach dem Heeresgebührengesetz, rückgezahlte Sozialversicherungsbeiträge). Bei dieser mit 3.807 Personen sehr kleinen Gruppe beliefen sich die durchschnittlichen Bruttobezüge bei Männern auf 57.669 Euro, bei Frauen auf 56.135 Euro.
  • Angestellte: Die männlichen Angestellten erreichten 61.126 Euro; weibliche Angestellte kamen auf 38.716 Euro.
  • Staatsdienst: Beamte bezogen durchschnittlich 57.242 Euro und Beamtinnen 55.008 Euro, während männliche Vertragsbedienstete auf 45.208 Euro und weibliche Vertragsbedienstete auf 39.809 Euro kamen.
  • ArbeiterInnen: Männer  verdienten als Arbeiter durchschnittlich 32.389 Euro brutto, Arbeiterinnen 22.700 Euro. Der Pro-Kopf-Bruttobezug von ganzjährig vollzeitbeschäftigten Männern lag 2012 bei 46.620 Euro, bei Frauen erreichte er 36.108 Euro.

Frauen verdienen 77 % der Männer – Kluft verringert sich minimal

Damit bezogen ganzjährig vollzeitbeschäftigte Frauen durchschnittlich 77,5% der Bezüge der Männer. In der Tendenz haben sich die Bezüge der Geschlechter angenähert, wenngleich diese Annäherung in kleinen Schritten erfolgte: 2007 bezogen bei den ganzjährig Vollzeitbeschäftigten Frauen 73,9% der Durchschnittsbezüge der Männer, 2008 waren es 74,5%, 2009 dann 75,9%, im Berichtsjahr 2010 76,4%, für das Jahr 2011 ergab sich ein Wert von 77,0% und 2012 schließlich 77,5%.

Bei einer Betrachtung nach Bundesländern lagen lediglich die Bundesländer Wien (46.332 Euro) und Niederösterreich (44.567 Euro) über dem Durchschnitt für ganz Österreich (43.106 Euro).      | © Statistik Austria - Bruttobezüge 2012 nach Gemeinden - anklicken

Nur Wien und Niederösterreich liegen über dem Durchschnitt für ganz Österreich (43.106 Euro). | © Statistik Austria – nach Gemeinden – anklicken

Regionale Verteilung

Bei einer Betrachtung nach Bundesländern lagen lediglich die Bundesländer Wien (46.332 Euro) und Niederösterreich (44.567 Euro) über dem Durchschnitt für ganz Österreich (43.106 Euro), während Tirol (40.435 Euro) hier den niedrigsten Wert erreichte. Die höchsten Durchschnittsbezüge wurden im 1. Wiener Gemeindebezirk registriert (81.978 Euro, Männer: 97.135 Euro, Frauen: 64.185 Euro); außerhalb der Bundeshauptstadt im Bezirk Mödling (57.988 Euro, Männer: 66.501 Euro, Frauen:44.773 Euro). Schlusslicht bei den Männern war der Bezirk Südoststeiermark mit 38.813 Euro, bei den Frauen Landeck mit 29.086 Euro.

Lohnsteuerstatistik als Grundlage

2012 waren laut Auswertung der Lohnsteuerstatistik (vor Arbeitnehmerveranlagung) insgesamt 6.601.883 lohnsteuerpflichtige Einkommensbezieherinnen und -bezieher (davon 4.228.080 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie 2.373.803 Pensionistinnen und Pensionisten) und damit um 2,2% mehr als 2011. Wie die Berechnungen von Statistik Austria zeigen, stiegen die Bruttobezüge im Vergleich zum Vorjahr um 4,3% und erreichten ein Volumen von 167,7 Mrd. Euro, während beim Lohnsteueraufkommen mit einem Wert von 24,5 Mrd. Euro eine Zunahme von 7,0% gegenüber 2011 verzeichnet wurde.

Nach Bezirken:  Die höchsten Durchschnittsbezüge wurden im 1. Wiener Gemeindebezirk registriert (81.978 Euro, Männer: 97.135 Euro, Frauen: 64.185 Euro); außerhalb der Bundeshauptstadt im Bezirk Mödling (57.988 Euro, Männer: 66.501 Euro, Frauen: 44.773 Euro). Schlusslicht bei den Männern war der Bezirk Südoststeiermark mit 38.813 Euro, bei den Frauen Landeck mit 29.086 Euro. | © Statistik Austria - Bruttobezüge 2012 nach Bezirken (zum Vergrößern anklicken).

Nach Bezirken: Die höchsten Durchschnittsbezüge außerhalb der Bundeshauptstadt gab es in Mödling, Schlusslicht bei den Männern war der Bezirk Südoststeiermark. | © Statistik Austria – Bruttobezüge 2012 nach Bezirken (zum Vergrößern anklicken).

Lohnsteueraufkommen stieg stärker als die Bruttobezüge

Die Bruttobezüge zeigten zwischen 2000 und 2012 durchgehend Zuwächse im Vergleich zum Vorjahr. Die höchste Zuwachsrate von 5,2% gab es 2008, im darauffolgenden Krisenjahr 2009 fiel sie auf 1,7%, den niedrigsten Wert im betrachteten Zeitraum.
Beim Lohnsteueraufkommen liegen die Veränderungsraten – mit Ausnahme von Jahren mit Steuerreform, in denen es einen sehr geringen Zuwachs (2004: +0,1%) oder Abnahmen gab (2000: -1,3%; 2005: -0,9%; 2009: -7,1%) – über jenen der Bruttobezüge und bewegen sich zwischen +3,9% (2010) und +8,4% (2008).

45,2% der unselbständig Erwerbstätigen waren Angestellte

Von den 4,2 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bildeten die Angestellten mit einem Anteil von 45,2% die zahlenmäßig größte Gruppe; knapp zwei Fünftel (38,5%) waren Arbeiterinnen oder Arbeiter. Vertragsbedienstete kamen auf einen Anteil von 7,8%, Beamtinnen bzw. Beamte auf 4,9%. 3,1% aller unselbständig Erwerbstätigen waren Lehrlinge und 0,4% hatten sonstige Aktivbezüge vorzuweisen.

Männer erhielten 61,9% der Bruttobezüge

50,2% aller Lohnsteuerpflichtigen waren Männer und 49,8% Frauen. Der Anteil der Männer an der Summe der Bruttobezüge betrug mit 61,9% mehr als drei Fünftel (2011: 62,0%), an der Summe der Sozialversicherungsbeiträge 62,1% (2011: 62,3%) und an der insgesamt einbehaltenen Lohnsteuer mit 71,1% fast drei Viertel (2011: 71,6%). Ihr Anteil ist zwischen 2011 und 2012 bei allen drei Werten leicht gesunken, während er zwischen 2010 und 2011 gleich geblieben ist.

Nach Bezirken: Die höchsten Durchschnittsbezüge außerhalb der Bundeshauptstadt gab es in Mödling, Schlusslicht bei den Männern war der Bezirk Südoststeiermark. | © Statistik Austria - Bruttobezüge 2012 nach Bezirken (zum Vergrößern anklicken).

Nach Bezirken: Die höchsten Durchschnittsbezüge außerhalb der Bundeshauptstadt gab es in Mödling, Schlusslicht bei den Männern war der Bezirk Südoststeiermark. | © Statistik Austria  (zum Vergrößern anklicken)

Durchschnittliche Jahresnettobezüge waren in Wien am höchsten

An der Spitze der Bezirke mit den höchsten durchschnittlichen Jahresnettobezügen lag der 1. Wiener Gemeindebezirk, gefolgt vom 13. und 19. Wiener Bezirk. „Mödling“ – an siebenter Stelle – war der einzige Nicht-Wiener-Bezirk unter den Top 10. Der Bezirk mit den niedrigsten durchschnittlichen Jahresnettobezügen war „Südoststeiermark“ (entstanden durch Zusammenlegung der früheren Bezirke „Feldbach“ und „Radkersburg“); darauf folgten der 15. Wiener Bezirk und „Hartberg-Fürstenfeld“ (siehe Karte).