NEWSROOM-Wissen: Die Europäische Bankenunion und ihre Regeln Teil II

13. Januar 2014 Drucken

Die Bankenunion soll die Finanzwelt sicherer machen. In Teil 2 der Video-Serie beschreibt Rainer Münz, wie die Regeln des Wettbewerbs standardisiert werden. Stress- und Bilanztests sollen sicherstellen, dass die Bilanztechniken und Kapitalausstattungen nach den selben Vorgaben erstellt werden.    Stufenplan Europa plant eine Bankenunion. Ziel der EU ist es, eine zentrale oder gemeinsame Verantwortung für die […]

Die Bankenunion soll die Finanzwelt sicherer machen. In Teil 2 der Video-Serie beschreibt Rainer Münz, wie die Regeln des Wettbewerbs standardisiert werden. Stress- und Bilanztests sollen sicherstellen, dass die Bilanztechniken und Kapitalausstattungen nach den selben Vorgaben erstellt werden.   

Stufenplan

Europa plant eine Bankenunion. Ziel der EU ist es, eine zentrale oder gemeinsame Verantwortung für die Finanzaufsicht, die Einlagensicherung und die Sanierung oder Abwicklung von Kreditinstituten zu schaffen. Wie das im Detail aussehen soll, ist noch ungewiss. Aber es gibt einen Stufenplan.

Nationale Aufsichten bleiben für Masse der Banken zuständig

Als erste Stufe soll eine echte gemeinsame Bankenaufsicht entstehen. Diese Aufsicht wird bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelt. Von den derzeit rund 6400 europäischen Banken und Kreditinstituten soll die EZB nur 130-140 große Institute beaufsichtigen. Der Rest bleibt Aufgabe der nationalen Aufseher. Doch auf die 130-140 größten Banken entfallen zusammen 80%-85% aller Bankgeschäfte in der Eurozone.

2014 Start mit einem Bilanz- und Stresstest

Die EZB will einerseits prüfen, ob die Banken die Werthaltigkeit ihrer Kredite und Wertpapiere richtig verbucht haben. Das ist der Bilanz-Test. Da geht es in erster Linie um die Frage: Wie weit kann eine Bank ihren Kunden bei Zahlungsschwierigkeiten entgegenkommen, in dem sie die Tilgungsfristen für die Rückzahlung eines Kredits verlängert? Und ab wann muss der Kredit in der Bilanz abgeschrieben werden, was sofort einen Bilanz-Verlust verursacht? Experten erwarten einen Wertberichtigungsbedarf in Milliardenhöhe.

Stresstest hinterfrägt Krisienfestigkeit

Andererseits soll simuliert werden, welche Banken im Fall eines Wirtschaftsabschwungs ernste Probleme bekämen. Das ist der Stress-Test. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Frage nach der Bewertung von Staatspapieren. In der Vergangenheit galten sie als sichere Anlage. Banken müssen bis heute kein eigenes Kapital unterlegen, wenn sie Staatsanleihen kaufen. Das heißt: Es gibt keine Vorsorge für einen möglichen Zahlungsausfall, wie wir ihn zuletzt in Griechenland erlebt haben.

Einheitliche Spielregeln

Wie das Urteil im Bilanz- und Stress-Test ausfällt, hängt nicht nur von der Situation der geprüften Banken ab; sondern auch davon, wie streng die EZB prüft. Analysten sehen jedenfalls bei einigen deutschen, irischen, italienischen und spanischen Banken zusätzlichen Kapitalbedarf.

Und was passiert dann? Betroffene Banken müssen sich auf dem Kapitalmarkt bzw. von ihren Eigentümern frisches Kapital holen. Wo das nicht geht, sind sie auf staatliche Hilfe angewiesen. Einige Banken müssten wahrscheinlich abgewickelt werden. Die EZB will mit ihrer Prüfung allerdings nicht beginnen, solange nicht klar ist, wie das Auffangnetz für problematische Banken und deren Kunden aussehen wird.

Darum geht es in den weiteren Stufen der Bankenunion. Ihnen ist ein eigenes, drittes Video gewidmet.

 

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