Europas Konzerne fallen im Ranking der weltweit größten IT-Unternehmen zurück

24. Februar 2014 Drucken
Europas IT-Konzerne verlieren im globalen Wettstreit zunehmend an Boden. |© Infineon Villach

Europas IT-Konzerne verlieren im globalen Wettstreit zunehmend an Boden. |© Infineon Villach

Eine Studie präsentiert die weltweit größten Unternehmen der IT-Branche. Europas Konzerne sind dabei, den Anschluss an die Konkurrenz aus Nordamerika und Asien zu verlieren: Nur noch neun der 100 wichtigsten IT-Unternehmen haben ihr Headquarter in Europa.

IT-Entwicklung ohne Europa?

Hightech als Kernindustrie in Europa ist bedroht. Nur noch neun der weltweit führenden 100 Hightech-Unternehmen haben ihren Hauptsitz in Europa, so eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Dabei ist dieser Sektor von entscheidender Bedeutung für Europas zukünftige Konkurrenzfähigkeit. Zurückzuführen ist die Entwicklung laut A.T. Kearney  „auf die Verlagerung der Nachfrage in andere Märkte, fehlende Fachkräfte und finanzielle Mittel, unzureichende strategische Weitsicht und das Fehlen einer koordinierten gesamteuropäischen Initiative.“

Nur mehr 10 Prozent der Umsätze der Top-100-ICT-Unternehmen werden durch europäische Konzerne generiert.  |© AT Kearney (zum Vergrößern anklicken)

Nur mehr 10 Prozent der Umsätze der Top-100-ICT-Unternehmen werden durch europäische Konzerne generiert. |© AT Kearney (zum Vergrößern anklicken)

Standortbestimmend

Europas internationale Wettbewerbsfähigkeit hängt maßgeblich vom Hightech-Sektor ab. Technologie spielt praktisch in jeder Branche eine entscheidende Rolle, denn Maschinen, Produkte und Netzwerke werden immer intelligenter. Der Informations- und Kommunikations-technologie-Sektor (ICT) ist wichtig als Treiber für Innovation, um sich die Konkurrenzfähigkeit seiner Kernbranchen wie Automobilbau, Luft- und Raumfahrt, Industrietechnik, Einzelhandel, Telekommunikation und Energieversorgung zu erhalten und damit Arbeitsplätze und Wohlstand für die Zukunft zu sichern.

Die Entscheider sitzen woanders

Die Studie von A.T. Kearney zeigt, dass knapp über zehn Prozent der weltweiten Umsätze im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie der Top-100-ICT-Unternehmen durch europäische Unternehmen generiert werden. Lediglich neun der Top-100-ICT-Unternehmen haben ihren Hauptsitz in Europa. Diese Zahl schrumpft seit Jahren aufgrund von Fusionen und Übernahmen und aufgrund des schnelleren Wachstums asiatischer und US-amerikanischer Firmen. Viele wichtige europäische Branchen sind daher auf nicht-europäische Hightech-Anbieter angewiesen – sowohl in Bezug auf die Produktion als auch auf die Entwicklung und Innovation. Die Europäische Kommission hat zwar offiziell die Bedeutung von Technologie für Europa bestätigt, doch die Initiativen der Politik haben bislang nicht ausgereicht, um den Abschwung des europäischen Hightech-Sektors zu stoppen.

Europa verliert an Boden

Der Schwerpunkt der Studie von A.T. Kearney liegt auf neun Sektoren der ICT-Industrie: IT-Services, IT-Hardware, Software, Kommunikationsausrüstung und Services, Unterhaltungselektronik, mobile Endgeräte, PCs/Laptops/Tablets, Halbleitertechnologie und elektronische Bauelemente. Die 100 größten ICT-

In den wichtigen Sparten wie IT-Services, Software, Kommunikationssysteme und -dienste, IT-Hardware und Halbleitertechnologie verliert Europa als Markt an Bedeutung. | © AT Kearney (zum Vergrößern anklicken)

In den Sparten wie IT-Services, Software,  IT-Hardware und Halbleitertechnologie verliert Europa an Bedeutung. | © AT Kearney (zum Vergrößern anklicken)

Unternehmen der Welt erwirtschafteten in diesen Segmenten im Jahr 2012 einen Umsatz von 1,67 Billionen US-Dollar – eine Steigerung gegenüber den 1,59 Billionen US-Dollar im Jahr 2011. Europa ist jedoch nur schwach repräsentiert. Von den neun Top-100-ICT-Firmen aus Europa verschwindet dieser Tage eine weitere von der Liste, wenn Microsoft die Geräte- und Dienstleistungssparte von Nokia im Frühjahr offiziell übernimmt. Danach ist Europa unter den zehn größten Telefonherstellern der Welt nicht mehr präsent, ganz anders als vor 15 Jahren, als europäische Unternehmen den Sektor dominierten.
Am besten schneidet Europa in den B2B-Bereichen ab. Es gibt jedoch auch einige Unternehmen, die in Teilmärkten führend sind, aber nicht zu den Top 100 zählen. Europäische Hightech-Firmen laufen häufig Gefahr,  durch größere Konkurrenten außerhalb von Europa übernommen zu werden.

Geringere Nachfrage verringert Präsenz

Nicht nur die Zahl der ICT-Unternehmen in Europa, auch ihr Anteil am weltweiten Umsatz nimmt zunehmend ab. Laut prognostizierter jährlicher Wachstumsrate von 2011 bis 2015 wächst Europa (2,2 Prozent) um die Hälfte langsamer als Nordamerika (5,2 Prozent) und Asien (5,4 Prozent). Insbesondere in den wichtigen Sparten wie IT-Services, Software, Kommunikationssysteme und -dienste, IT-Hardware und Halbleitertechnologie verliert Europa als Markt an Bedeutung. Europäische Unternehmen – insbesondere IT-Dienstleister – sind stärker von der regionalen Nachfrage abhängig als ihre amerikanischen und asiatischen Konkurrenten, so dass Europa allein durch die Marktverschiebung  Marktanteile verloren gehen.

Maßnahmen der EU greifen zu kurz

Die Gründe, warum Europa an Boden verliert, sind vielfältig: Laut Studie fehlt es an strategischer Weitsicht und Innovationskraft, zum anderen an qualifizierten Fachkräften und strategischen Partnerschaften zwischen EU und Unternehmen sowie zwischen Unternehmen selbst. Die Fragmentierung des europäischen Markts und die Knappheit der Finanzmittel, die Unternehmen für internationale Expansion benötigen, begrenzen darüber hinaus das Wachstum des Sektors.

EU steuert dagegen

Die EU-Kommission reagiert mit verschiedenen Maßnahmen, unter anderem mit dem Rahmenprogramm „Horizont 2020“, das 2013 aufgelegt wurde. Nicht zuletzt die Veröffentlichungen zu den Überwachungsaktivitäten der National Security Agency der USA haben die Abhängigkeit Europas von nordamerikanischen und asiatischen Hightech-Unternehmen vor Augen geführt und den Handlungsbedarf aufgezeigt.