Boltz: Die Ölpreisbindung von Erdgas wird fallen

03. März 2014 Drucken

Europas Gasmarkt hat sich in jüngster Zeit deutlich verändert. Die Nachfrage sinkt vor allem wegen des rückläufigen Einsatzes in der Stromproduktion. Bei den Preisen geht es weg von an den Ölpreis gebundenen hin zu börsenorientierten Preisen, den so genannten Hub-Preisen. Knapp wird Erdgas in Europa nach Einschätzung von E-Control-Vorstand Walter Boltz aber auch in Zukunft […]

Erdgas-Hub der OMV: Das Ende der Ölpreisbindung soll Erdgas in Europa billiger machen. |©  OMV Gas

Erdgas-Hub der OMV: Das Ende der Ölpreisbindung soll Erdgas in Europa billiger machen. |© OMV Gas

Europas Gasmarkt hat sich in jüngster Zeit deutlich verändert. Die Nachfrage sinkt vor allem wegen des rückläufigen Einsatzes in der Stromproduktion. Bei den Preisen geht es weg von an den Ölpreis gebundenen hin zu börsenorientierten Preisen, den so genannten Hub-Preisen. Knapp wird Erdgas in Europa nach Einschätzung von E-Control-Vorstand Walter Boltz aber auch in Zukunft nicht werden.

Ölpreisbindung wird fallen

Ölpreisindizierte Verträge, die derzeit bereits einen Anteil von mehr als 50 Prozent hätten, würden in zwei, drei Jahren der Vergangenheit angehören, so Boltz anlässlich eines Vortrages im Wiener Haus der Europäischen Union. Im Jahr 2010 hätten sich noch 90 Prozent der Gasverträge an den Ölpreisen orientiert. Das sei eine ziemliche Revolution. Einen klaren Trend gebe es auch in Richtung kurzfristigere Verträge. Seien die Laufzeiten früher bei 20 bis 25 Jahren gelegen, so seien es jetzt ein bis höchstens fünf Jahre.

Verstromung wird weniger

Bei der Stromerzeugung wird immer weniger Gas eingesetzt, dafür gewinnt Kohle an Bedeutung, die im Vorjahr Gas bereits überholt habe. War der Gasanteil 2010 noch bei 16 Prozent, dürften es im Vorjahr weniger als 10 Prozent gewesen sein. Der Anteil von Kohle sei in diesem Zeitraum dagegen von 9 auf rund 12 Prozent gestiegen.

In Europa ist Gas teuer

In Europa zahle man aber vor allem wegen der ölpreisindizierten Lieferungen drei bis vier Mal so viel für Gas wie in den USA. Das habe ein paar skurrile Auswirkungen wie den vermehrten Kohleeinsatz in der Stromerzeugung. In Deutschland, wo fast 25 Mrd. Euro für die Erneuerbaren-Förderung ausgegeben werden, stiegen trotz stabilem Stromverbrauch die CO2-Emissionen. Kohle produziere bei der Stromerzeugung doppelt so viel CO2 pro Einheit wie Gas. Das sei auch schlecht für die Klimapolitik. Die zu niedrigen Kohle- und zu hohen Gaspreise hätten auch energieintensive Produktion wie Roheisen oder Kupfer aus Europa hinausgedrängt.

Schiefergas bleibt ein Thema

Boltz erwartet, dass sich die Trends tendenziell fortsetzen werden. Der Gasverbrauch werde mittelfristig maximal konstant bleiben. Das hohe Niveau der Jahre 2007 und 2008 werde man nicht mehr erreichen. Angesichts sinkender Inlandsproduktion werden aber auch die Importe steigen. Eine der wesentlichen längerfristigen Fragen werde die mögliche Nutzung von Schiefergas sein.

Neue Bezugsländer gefordert

Ein strategische Herausforderung sei auch, ob Europa die Anbindung an neue Produktionsregionen wie etwa den kaspischen Raum schaffe. Momentan gebe es keine wirklichen Alternativen zu den großen Lieferanten Russland und Norwegen. Flüssiggas sei ein gutes Stück teurer. Von den Mengen her bekomme Europa genug über die Pipelines. Der Preis hänge auch vom Wettbewerb ab. (APA)