EU-Gebäuderichtlinie schreibt ab 2020 den „Fast-Nullenergie-Standard“ für alle Neubauten vor

06. März 2014 Drucken

Bis 2020 sollen laut EU-Gebäuderichtlinie „Fast-Nullenergie-Gebäude“ zum Standard werden. Mit dem Datum müssen alle neuen Gebäude – auch im privaten Wohnbau – nahezu energieautark sein. Öffentliche Gebäude von Bund, Land und Gemeinden müssen diese Vorgabe bereits ab 2018 erfüllen. Die Richtlinie greift auch bei Sanierungen, die mehr als 25 Prozent der Gebäudehülle betreffen.  Energieeffizienz soll […]

EU-Richtlinie will bis 2020 den Hausbau energieeffizienter machen. Aber keiner weiß, wie dies geschehen soll. |© APA

EU-Richtlinie legt ab 2020 hohe Hürden. Auch private Neubauten müssen dann „nahezu“ energieautark sein. |© APA

Bis 2020 sollen laut EU-Gebäuderichtlinie „Fast-Nullenergie-Gebäude“ zum Standard werden. Mit dem Datum müssen alle neuen Gebäude – auch im privaten Wohnbau – nahezu energieautark sein. Öffentliche Gebäude von Bund, Land und Gemeinden müssen diese Vorgabe bereits ab 2018 erfüllen. Die Richtlinie greift auch bei Sanierungen, die mehr als 25 Prozent der Gebäudehülle betreffen. 

Energieeffizienz soll erhöht werden

Die 2010 veröffentlichte Gebäuderichtlinie der EU verpflichtet die Mitgliedsstaaten dazu, Maßnahmen in Richtung Erhöhung der Energieeffizienz von Gebäuden etwa durch Verbesserungen bei Heizsystemen voranzutreiben. So soll ein Passivhaus-Niveau bei Dämmung und Heizeffizienz erreicht werden. Der Fast-Nullenergie-Standard („almost-zero-energy-building“) muss durch das Zusammenspiel von erhöhter Energieeffizienz und dezentraler Energiegewinnung erreicht werden. Ein Haus soll als Kraftwerk den geringen Energiebedarf, den es noch hat, aus eigener Erzeugung decken. Dies beschreibt den Unterschied zum Passivhaus-Standard, der ausschließlich auf Energieeffizienz abziehlt.

Sanierungspflicht von Eigenheimen
War in der Fassung von 2002 noch festgehalten, dass Gebäude die größer als 1.000 Quadratmeter sind und einer umfassenden Sanierung unterzogen werden, Gesamtenergiekennwerte einzuhalten haben, so wurde diese Quadratmeter-Grenze in der geltenden Fassung aufgehoben. Somit sind auch Eigenheime von der Verpflichtung für thermische Standards bei Sanierungen von mehr als 25 Prozent der Gebäudehülle betroffen. Ab 2020 werden daher alle Neubauten und Sanierungen neben hohen Effizienzwerten auch Technologien zur nachhaltigen Energieproduktion enthalten.

Völlig unterschiedliche Auslegungen in Mitgliedsländern

Wie die Gebäuderichtlinie umgesetzt wird, ist bislang nicht geregelt. Die EU-Staaten haben jetzt ihre nationalen Planungen vorgelegt, die sich aber in vielen Punkten fundamental unterscheiden. Dabei wurde etwa verschieden ausgelegt, ob der Energieverbrauch auch den Strombedarf von Anwendungen, wie EDV oder Elektronik, oder lediglich sehr gebäudespezifische Aufwände, wie Heizen, Kühlen, Warmwasser oder Beleuchtung umfasst.

Vergleichsweise hoher Anteil an Passivhäusern in Österreich

Österreich hat im internationalen Vergleich einen hohen Anteil an Passivhäusern im Neubau. Im Bereich der bestehenden Gebäude ist die starke Verbreitung an Wärme aus Biomasse – respektive Holz – und Solarthermie positiv. Mit der Wohnbauförderung verfügt Österreich zwar über ein gutes Steuerungsinstrument, das es anderen Ländern in der Form nicht gibt. Das seit Jahren propagierte Ziel, die Wohnbauförderung immer stärker in Richtung Sanierung umzulenken, wurde bis dato aber nicht umgesetzt. Hier gibt es Potenzial zum Einsparen von Energie.

Seit Dezember 2012 Pflicht zur Angabe von Energiebedarf

Teile der Gebäuderichtlinie sind in Österreich schon in nationales Recht umgesetzt worden. Seit dem 1. Dezember 2012 ist das Energieausweis-Vorlage-Gesetz in Kraft. Seither müssen (sollten)   Verkaufs- oder Vermietungsinseraten Informationen über den Energiebedarf des Gebäudes ausweisen. Wer den Energieausweis nicht vorlegt, muss mit Strafen in Höhe von mehr als tausend Euro rechnen.