Länderranking: Europa gewinnt für Auslandsinvestoren wieder an Attraktivität – Österreich nicht unter den Top25

03. Juni 2014 Drucken

Die USA bauen ihre Führung bei den Ländern mit den höchsten zu erwartenden ausländischen Direktinvestitionen weiter aus. China festigt in dem Länderranking Rang 2 und Kanada rückt auf Rang 3 vor. Großbritannien, Deutschland und Frankreich sind die besten europäischen Länder im Ranking. Österreich schafft es – wie Russland – nicht in die Top 25. Insgesamt […]

"Greenback" lockt wieder: USA sind wieder Hauptattraktion  für Direktinvestitionen aus dem Ausland. Europa gewinnt wieder an Boden. |© Bernd-Kasper/pixelio.de

„Greenback“ lockt: USA sind wieder Hauptattraktion für Direktinvestitionen aus dem Ausland. Europa gewinnt wieder an Boden. |© Bernd-Kasper/pixelio.de

Die USA bauen ihre Führung bei den Ländern mit den höchsten zu erwartenden ausländischen Direktinvestitionen weiter aus. China festigt in dem Länderranking Rang 2 und Kanada rückt auf Rang 3 vor. Großbritannien, Deutschland und Frankreich sind die besten europäischen Länder im Ranking. Österreich schafft es – wie Russland – nicht in die Top 25. Insgesamt schätzen die Investoren die Zukunftsaussichten für Europa und die gesamte globale Wirtschaft deutlich positiver ein als im Vorjahr.

Konzerne verfügen über hohe Liquiditätsreserven

Das geht aus den Ergebnissen des aktuellen Foreign Direct Investment Confidence Index® (FDICI) der Unternehmensberatung A.T. Kearney hervor, der kürzlich auch im White House Report Winning Business Investment in the United States zitiert wurde. Die Rangliste basiert auf einer regelmäßigen Befragung von Vorständen und Top-Managern der 1.000 weltweit größten Unternehmen zu ihren Investitionsplänen. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die zehn Top-Investitionsziele aus dem Index etwa ein Jahr nach Veröffentlichung tatsächlich den größten Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen verzeichnen.  Viele internationale Konzerne haben große Liquiditätsreserven angesammelt und sind überzeugt, dass nun der Zeitpunkt für Investitionen mit attraktiven Renditen gekommen ist, heißt es in der Aussendung von  A.T. Kearney.

Energieboom puscht US-Perspektiven

Die Hälfte der für den FDICI 2014 Befragten gab an, dass sie die wirtschaftliche Entwicklung in den USA positiver sehen als noch von zwei Jahren. Seit Einführung des Index hat kein anderes Land bei der Bewertung der Zukunftsaussichten für Investoren so gut abgeschnitten. Als einen der wichtigsten Faktoren für zunehmende Investitionsaktivitäten in den USA nannten die befragten Top-Manager die Aussicht auf eine unabhängige Energieversorgung des Landes.
39 Prozent der Befragten sahen die Entwicklung des zweitplatzierten China positiver als im Vorjahr. Kanada konnte sich auf den dritten Platz verbessern. Russland (im Vorjahr auf Rang 11) ist nicht mehr unter den Top 25 vertreten, obwohl die Befragung vor den aktuellen politischen Unruhen in der Ukraine durchgeführt wurde.

Europa: Trotz unsicherer Konjunkturentwicklung wachsende Zuversicht

Trotz anhaltender Budgetdefizite in der Eurozone wächst das Vertrauen in die europäische Wirtschaft wieder. In Zukunft wird Europa etwa ein Viertel aller globalen Direktinvestitionen anziehen. Diese positive Entwicklung spiegelt sich auch im Index wider, in dem sich elf europäische Länder unter den Top 25 befinden. Einige davon, zum Beispiel Schweden oder Dänemark, sind das erste Mal in der Rangliste vertreten. Belgien und die Niederlande sind nach einem zwischenzeitlichen Rückgang der Auslandsinvestitionen nun in den Index zurückgekehrt.
Die Diskussionen um einen EU-Austritt Großbritanniens haben scheinbar keine negativen Auswirkungen auf die Investoren gezeigt: Großbritannien verbesserte sich um vier Positionen und liegt jetzt noch vor Deutschland auf Rang 4.
Als weltweit führender Produktionsstandort bleibt Deutschland für Investoren interessant, die ein sicheres, renditeträchtiges Umfeld suchen und rückt um eine Position auf Rang 6 vor. Frankreich bemüht sich zurzeit um eine Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit und meldet sich zurück unter den Top Ten.

Österreich nicht bei den beliebtesten Investitionszielen dabei

Obwohl Österreich ähnliche Vorzüge hat, wie andere europäische Länder, die sich in Spitzenpositionen befinden (qualifizierte Arbeitskräfte, ausgebaute Infrastruktur und sozialer Frieden), hinkt es im Ranking deutlich hinterher und verpasst knapp den Einzug in die Top 25. Die Gründe dafür sind vielfältig: Einerseits hat Österreich einen relativ kleinen  Binnenmarkt, doch das kann nicht als Ausrede benutzt werden, wie die besser gereihten Länder Belgien oder Dänemark zeigen. Andererseits leidet die Drehscheibe Österreich indirekt am schwachen Wachstum in Osteuropa. Die Perspektiven dort sind längst nicht mehr so glänzend, wie sie einmal waren, wie man am Beispiel Russland, das ganz aus den Top 25 gefallen ist, sieht.

Asien und Mittel- und Südamerika bewähren sich

In Asien, dem Ziel von etwa einem Drittel ausländischer Investitionen, erwies sich die Wirtschaft in Zeiten von Rezession und darauffolgender wirtschaftlicher Turbulenzen als sehr belastbar. China ist dabei in der Region weiter führend, weil das Land besonders für ausländische Investitionen in die Highend-Fertigung interessant ist. Australien und Indien verzeichneten eine Abkühlung der Investitionsaktivitäten, während Singapur, das für seine stabilen Rahmenbedingungen und niedrigen Unternehmenssteuern bekannt ist, sich um zwei Plätze verbessern konnte.
Von den Ländern Nord-, Mittel- und Südamerikas konnte sich Brasilien, auch aufgrund seiner neuen Industriepolitik, bereits zum vierten Mal in Folge unter den Top 5 des FDI Confidence Index platzieren. Das Land ist nach wie vor für Investoren attraktiv, allerdings mit rückläufiger Tendenz (vor einem Jahr lag es noch auf Platz 3).  Mexiko profitiert von der engen Integration in die US-amerikanischen Wertschöpfungsketten und schafft es auf Rang 12. In Chile haben die stabile Wirtschaft und das positive Investitionsklima dazu beigetragen, dass sich das Land um fünf Positionen auf Platz 17 verbessern konnte.

Weitere Informationen zum FDICI 2014 finden Sie 

Der FDI Confidence Index 2014:

Land Platz 2014 Platz 2013 Änderung
USA 1 1 0
China 2 2 0
Kanada 3 4 +1
Großbritannien 4 8 +4
Brasilien 5 3 -2
Deutschland 6 7 +1
Indien 7 5 -2
Australien 8 6 -2
Singapur 9 10 +1
Frankreich 10 12 +2
VAE 11 14 +3
Mexiko 12 9 -3
Südafrika 13 15 +2
Schweiz 14 18 +4
Malaysia 15 25 +10
Schweden 16 N/A
Chile 17 22 +5
Spanien 18 16 -2
Japan 19 13 -6
Italien 20 N/A
Belgien 21 N/A
Niederlande 22 N/A
Dänemark 23 N/A
Türkei 24 N/A
Indonesien 25 24 -1